Wieso Kinder zum Dreikönigstag durch Offenbach ziehen

Sternsinger: Junge Hoffnungsboten

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Öffnet das Haus und öffnet das Tor: Die erste Station der Sternsinger aus St. Marien war die Städtische Sparkasse. Dort gab’s nicht nur eine Spende fürs Kindermissionswerk, sondern auch Kuscheltiere für den Gemeindenachwuchs. Unten von rechts: Angelo, Jacqueline, Macking und Evelin sind als Könige unterwegs.

Offenbach - Die Sternsinger sind wieder in Offenbach unterwegs. Doch sie klingeln längst nicht mehr unangemeldet, sondern arbeiten eine feste Liste von Häusern ab, deren Bewohner um den Besuch der kleinen Könige gebeten haben. Eine Tour mit Höhen und Tiefen. Von Sarah Neder

Kichern und Gemurmel im Treppenhaus. Als der Rentner im dritten Stock seine Wohnungstür öffnet, sind die vier Jugendlichen aber plötzlich ganz still. Sie schlüpfen sofort wieder in ihre Rollen, denn die bedeuten den Menschen, zu denen sie kommen, viel. Das wissen sie. Die Heranwachsenden mimen nicht zum ersten Mal Caspar, Melchior und Balthasar. Vorm heutigen Dreikönigstag klappern die Sternsinger der Offenbacher Mariengemeinde ihr Pfarrgebiet in der östlichen Innenstadt ab. Dabei besuchen sie Menschen zu Hause und an ihren Arbeitsstätten, um Spenden fürs Kindermissionswerk zu sammeln. Angelo (16), Macking (12), Jacqueline (14) und ihre Schwester Evelin (16) sind schon seit mehr als drei Jahren Sternsinger. Sie haben an diesem regnerischen Vormittag etwa die Hälfte ihrer Besuche hinter sich und stehen nun im Flur einer Wohnung an der Querstraße. Über ihrer Straßenkleidung tragen sie auffällige Kostüme. Bunt, aus glänzendem Pannesamt, mit Federn und Brokatoptik. Der Hausherr bittet die Morgenland-Weisen und ihren Sternträger in seine Wohnküche. Dort stellen sie sich in einem Halbkreis auf und singen dem Gastgeber „Christus segne dieses Haus“ in hohen Tönen. Der Mann faltet die Hände wie zum Gebet, brummt ein paar Zeilen mit. Bevor die Sternsinger weiterziehen, knüllt er einen Schein in die Sammeldose. „Noch einen guten Erfolg und Gottes Segen“, sagt er dankbar und winkt dem Besuch an der Türschwelle hinterher.

„Es gefällt mir, dass die Leute so glücklich sind, wenn wir kommen“, sagt Jacqueline mit zufriedenem Lächeln, als sie wieder unter tröpfelndem Himmel stehen. Die 14-Jährige ist Messdienerin in der Marienkirche und läuft seit vier Jahren mit ihrer älteren Schwester Evelin bei den Sternsingern mit. Dass St. Marien überhaupt eine Königs-Truppe zu den Leuten nach Hause schickt, sei keine Selbstverständlichkeit, weiß Gabriele Scheuermann. „Viele Kirchen haben das gar nicht mehr“, erzählt die gemeindereferentin. Sie begleitet die Sternsingergruppe auf ihrer Tour. Dabei erlebt sie oft, wie erstaunt Passanten auf die verkleideten Kinder reagierten. Das Spektrum reiche von Verwunderung bis zu Beleidigungen. Offenbach sei eben kein kirchliches Pflaster, sagt die Gemeindereferentin schulterzuckend.

Bei der nächsten Stippvisite, in der Teestube an der Gerberstraße, zeigt sich die Unterschiedlichkeit, wie Fremde den Sternsingern begegnen, ganz deutlich. Das Quartett wird auch dort schon erwartet, singt und betet. Viele der Bedürftigen im Aufenthaltsraum drehen sich neugierig zu den Kostümierten um, applaudieren am Ende. Nachdem die Kinder die Kombination 20SC+M+B+16 am Türrahmen hinterlassen haben, geht’s zur nächsten Etappe. Auf dem Weg begegnen sie jedoch Menschen, die ihre Mühe nicht zu schätzen wissen: Einige Männer lachen die verkleidete Gruppe aus. Kurz ärgert sich der 16-jährige Sternträger Angelo, sagt trotzig: „Ich mache das ja nicht für mich, sondern für andere!“

Sternsinger bei Ministerpräsident Bouffier

Das Kindermissionswerk begleitet weltweite Hilfsprojekte für junge Menschen. In jedem Jahr steht dabei ein Land im Fokus. 2016 ist es Bolivien, wo indigene Völker diskriminiert werden. Damit die Sternsinger wissen, für wen sie Geld sammeln, veranstaltet die Mariengemeinde einen Aktionstag. „Wir schauen einen Film und beschäftigen uns mit landestypischen Spielen“, so Gabriele Scheuermann, die zum Anlass auch bolivianisches Essen zubereitet hatte. „Das ist die einzige Veranstaltung, bei der wir Kinder anderen Kindern helfen können.“ Es ist das, was für sie beim Sternsingen am meisten zählt.

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