Pappel in Bürgel aus Sicherheitsgründen gefällt

Stieleiche für "Reichstag"?

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Aus Sicherheitsgründen wurde die Pappel am Bürgeler Reichstag gefällt, „um Schäden an Sachgut oder gar Personen in jedem Fall zu vermeiden“. Der Baum bildete den Mittelpunkt einer mit Hecken eingefassten Fläche, die mittlerweile recht trostlos wirkt.

Bürgel - Die Fällung war angekündigt. Dennoch sind einige Bürgeler erschrocken, als sie am „Reichstag“ vorbeischauen. Die große Pappel ist weg, dort klafft eine Lücke. Von Martin Kuhn

„Ein Unding“, bekundet ein Anrufer, der sich den Stumpf angeschaut hat und urteilt: „Das war ein gesunder Baum!“ Das will man beim Stadtdienstleister ESO so nicht stehen lassen: „Die über Jahre dokumentierten Schäden sind ein unumstößlicher Fakt. “ Fred Stephan, mit anderen im Bürgeler Geschichtskreis tätig, geht nicht so weit im Urteil, erinnert jedoch an die historischen Wurzeln (siehe Kasten), die der Stadtteil im kommenden Jahr gebührend feiern will. „Vielleicht hätte man ja mit der Fällung noch warten können“, gibt sich der Bürgeler nach der Vollstreckung durch den ESO zumindest „zerknirscht“.

Dabei geht die ESO Stadtservice GmbH keineswegs willkürlich vor. Sie ist aber direkt verantwortlich für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Ein Blick in das penibel geführte Baumkataster, das seit 1999/2000 besteht, erlaubt einen Einblick in die Krankengeschichte der Pappel, die in den 60er Jahren am Reichstag gepflanzt worden ist. In den letzten Jahren hat es etliche Untersuchungen, Einkürzungen und weitere Behandlungen gegeben.

2003 wurde zum ersten Mal Totholz, also abgestorbene Äste, in der Krone festgestellt; da Pappeln als Weichholz gelten, besteht erhöhte Bruchgefahr. Ein Jahr später folgte eine spezielle Bohrung, die Rückschlüsse auf die Baumgesundheit erlaubt. Dabei wurden in der Krone mehrere Faulstellen mit teilweise 10 Zentimetern Tiefe sowie auch erstmals Pilzbefall in der Krone festgestellt. Sie wurde eingekürzt, was sich ’06, ’07 und ’11 wiederholte.

2010 wurde erstmals ein Pilz in der Baumwurzel registriert. 2015 ergab eine Überprüfung der Restwandstärke des Stammes, dass die Bruchsicherheit  möglicherweise gefährdet ist. Der Stamm wies eine Faulfläche von gut 30 Zentimeter auf. Im Oktober ’16 wurde die Fällung aufgrund der massiven Faulstellen und Schäden beschlossen. Und die Einschätzung der Bürger? „Laut Aussage unserer Experten ist es gut möglich, dass am zurückgebliebenen Baumstumpf in Bodennähe keine Faulstelle oder Ähnliches festzustellen war, was jedoch keine Pauschalaussage zum Gesamtzustand des Baumes zulässt“, so Sprecherin Regina Preis.

Streit-Bäume in Offenbach gefällt

Derweil fordern die Bürgeler Unionschristen bereits angemessenen Ersatz. Die CDU bietet an, Treffen mit entsprechenden Gruppen zu organisieren, „um eine dem Platz würdige Folgegestaltung zu entwickeln, die dem anstehenden großen Ereignis gerecht wird“, formuliert Dominik Mangelmann, der selbst unweit des Reichstags wohnt. Bei der Stadt ist man natürlich etwas zurückhaltender. „Ersatz ja, aber wir müssen sehen, in welcher Form“, so Stadtplanerin Sigrid Pietzsch. Aktuell gibt es Überlegungen, eine möglichst große Stieleiche, einen im Vergleich zur Pappel langlebigen Baum, sowie umgebende Hecken nachzupflanzen und den Boden gestalten. „Auf diese Weise kann die 1000-Jahrfeier in geeignetem Ambiente stattfinden“, heißt es.

 

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