Größte Baustelle der Stadt

Stillstand am Kaiserlei: Mega-Projekt in Offenbach auf der Kippe

Das spektakulärste Bauvorhaben der Stadt ruht. Laut Projektentwickler ist der Stillstand nur ein vorübergehender, Branchenkenner sprechen jedoch davon, dass der Vitopia Campus Kaiserlei auf der Kippe steht.
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Das spektakulärste Bauvorhaben der Stadt ruht. Laut Projektentwickler ist der Stillstand nur ein vorübergehender, Branchenkenner sprechen jedoch davon, dass der Vitopia Campus Kaiserlei auf der Kippe steht.

Was passiert mit dem Mega-Projekt am Kaiserlei in Offenbach? Laut Bauherr Consus Real Estate sei der Stillstand nur vorübergehend.

Offenbach – Was mehrfach vermutet und stets dementiert wurde, ist nun eingetreten: Auf Offenbachs größter und spektakulärster Baustelle, dem Vitopia Campus Kaiserlei stehen die Kräne still. Während Branchen-Insider von finanziellen Unstimmigkeiten beim Bauherrn Consus Real Estate sprechen, teilt dieser mit, der Stillstand sei nur vorübergehend. Tatsächlich steht das Mega-Projekt wohl auf der Kippe.

2015 tauchte in Offenbach der vermeintliche Retter in der Not auf: Der schillernde wie charismatische Berliner Bauunternehmer Christoph Gröner versprach, am Kaiserlei um die seit Jahren leer stehenden ehemalige KWU-Türme für mehrere hundert Millionen Euro ein neues Stadtviertel zu bauen. Bis 2022 sollten im „Vitopia Campus Kaiserlei“ auf 36 500 Quadratmetern insgesamt 835 Mietwohnungen entstehen. Allein in den beiden Hochhäusern mit ihren 19 beziehungsweise 22 Stockwerken waren mehr als 730 teilmöblierte Apartments geplant.

Offenbach: Vision vom neuen Stadtviertel ist ramponiert

Hinzu sollten 7450 Quadratmeter variable Gewerbeflächen kommen. Um die Hochhäuser herum waren drei sechsgeschossige Neubauten mit weiteren 100 Mietwohnungen vorgesehen. Weiter gehörten zum Gesamtkonzept unter anderem Hallenbad, Kita, Fitnesscenter und die „größte private Geothermieanlage Deutschlands“ wie es vollmundig hieß. Von Beginn an bestehende Zweifel verstand Gröner regelmäßig zu zerstreuen. Zuletzt im September 2018, einen Monat vor Grundsteinlegung, als er im Bauausschuss den Bedenken der Lokalpolitik mit einer bühnenreifen Vorstellung entgegentrat.

Mittlerweile ist die Vision vom neuen Stadtviertel ramponiert. In den Himmel über dem Kaiserlei ragen skelettierte Türme, Gröner und seine CG-Gruppe sind bei dem Vorhaben längst Geschichte und als Fertigstellungstermin nennt der neue Projektentwickler Consus auf seiner Internseite das Jahr 2024.

Kaiserlei in Offenbach: „Unstimmigkeiten“ bei der Abrechnung

„Für das Bauprojekt Offenbach Kaiserlei wurde eine Vereinbarung über einen Verkauf einzelner Bestandteile unterzeichnet. Aufgrund des Verkaufsprozesses ruhen die Bauarbeiten derzeit vorübergehend“, sagt Matteo Twerenbold, Pressesprecher der Adler-Group, zu der Consus mittlerweile gehört. Es ist eine eher nichtssagende Antwort auf eine Anfrage unsererseits, deren Hintergrund komplex ist.

Vor wenigen Wochen hatte das Handelsblatt nach monatelanger Recherche berichtet, dass bei Consus eine unternehmensinterne Untersuchung wegen „Unstimmigkeiten“ bei der Abrechnung mit am Kaiserlei beauftragten Baufirmen laufe. Die drei eng verbundenen Unternehmen hätten für sehr ähnliche Auftragsbeschreibungen mehr als elf Millionen Euro Lohnkosten abgerechnet, obwohl es auf der Baustelle kaum vorangegangen sei. Von Adler hat das Handelsblatt dessen Angaben zufolge keine Stellungnahme erhalten. Branchen-Kenner bestätigen unser Zeitung indes, dass die Vorwürfe wohl zutreffend seien.

Verzögerung des Baufortschritts in Offenbach

Die Verzögerungen beim Baufortschritt haben dazu geführt, dass Interessenten mittlerweile wieder abgesprungen sind. So hat die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt (NHW) im Oktober 2020 „aufgrund nicht erfüllter Leistungen“ von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht und ist aus einem Kaufvertrag ausgestiegen. Die NHW hatte Ende 2018 öffentlichkeitswirksam einen Deal für den schlüsselfertigen Erwerb von 205 Wohnungen mit der CG Gruppe abgeschlossen. Die Wohngebäude sollten als Blockrandbebauung zur Berliner Straße und zum Goethering errichtet werden, wo die NHW das Goethequartier errichtet hat.

Auch bei den beiden ehemaligen KWU-Türmen scheint es anders zu laufen als geplant: Die Hochhäuser wurden bereits Ende 2017 für 218 Millionen Euro an einen Fonds verkauft, der für die Bayerische Versorgungskammer (BVK) tätig ist. Laut Handelsblatt will sich die BVK „aus vertraglichen Gründen“ derzeit nicht zu den Vorgängen äußern.

Offenbach: Kein Aus für Mega-Projekt „Vitopia Campus Kaiserlei“

Trotz der für Offenbach wenig erfreulichen Entwicklung, will von einem Aus für das Mega-Projekt derzeit niemand sprechen. Wie zu hören war, soll es Interessenten für das Gesamtvorhaben beziehungsweise dessen Teile, sprich Hochhäuser, Grundstück und Gesellschaft, geben. Unklar ist bislang offenbar noch, wer die bei Consus aufgelaufenen „Unstimmigkeiten“ in Millionenhöhe übernimmt.

Offenbachs Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Felix Schwenke kann sich derweil nur an Strohhalme klammern: Das Projekt sei derzeit zwar eine Hängepartie, ob der Durchbruch gelinge, sei offen. Man stehe aber nach wie vor in „ordentlichem Kontakt“ mit Adler und Consus. Es geht nach Einschätzung Schwenkes um die Frage, in welchen Besitz-Strukturen das Vorhaben fortgeführt werden soll, also nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“. (Von Matthias Dahmer)

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