Arbeiten am Neubau

Stillstand bei den Züchtern: Wo ist das Geld? 

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Seit Wochen ruhen die Arbeiten am Neubau für den KTZV. Der Verein ist Bauherr, das Geld geben die Stadtwerke. Die erste Rate über 100.000 Euro ist geflossen. Was damit geschah, ist unklar. Von der Ausstellungshalle neben dem Vereinsgelände steht bislang nur der Rohbau.

Offenbach - Wenn ein Blick hinter die Kulissen der Vereinswelt gelingt, stellt diese sich mitunter weniger heil dar als gedacht. Ein Beispiel dafür ist derzeit der 1. Offenbacher Kleintierzuchtverein 1905 (KTZV). Von Matthias Dahmer

Im Zuge des stockenden Neubaus ihres Vereinsheims am Fuße des Buchhügel haben sich tiefe Gräben zwischen dem Vorstand und einem großen Teil der 50 Mitglieder aufgetan. Von Unterschlagung von Vereinsgeldern ist die Rede. Ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren läuft.

Rückblende: Als im Mai mit großem Bahnhof der Start des Neubaus auf einem städtischen Areal unmittelbar neben dem Vereinsgelände gefeiert wird, ist die Züchterwelt noch in Ordnung. Die zu den Stadtwerken gehörende Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) spendiert insgesamt 400.000 Euro fürs neue Domizil, eine erste Rate über 100.000 Euro ist bereits im April 2011 an den Verein geflossen.

„Die Halle ist für uns lebenswichtig“

Der Neubau ist ein Ersatz dafür, dass die Züchter im Zuge der Freiräumung des Buchhügels fürs neue Polizeipräsidium ihre alte Ausstellunghalle aufgeben mussten. Der Verein selbst ist Bauherr, Kassierer Ronald Mertinkus, der fürs Projekt verantwortlich ist, wird in der Berichterstattung über den ersten Spatenstich mit den Worten zitiert: „Die Halle ist für uns lebenswichtig.“

Zugleich geht er im Mai davon aus, dass die Halle bis zum Herbst stehen wird. Mittlerweile geht es stark auf Weihnachten zu, und von der Halle steht nur der Rohbau. Seit Wochen wird auf der Baustelle nicht gearbeitet. Ronald Mertinkus gibt sich auf Anfrage wortkarg zu den Gründen: Mit dem Bau werde es demnächst schon weitergehen. Dem Vereinsvorsitzenden Jörg Donath ist noch weniger zu entlocken. Er will sich zu den Vorgängen überhaupt nicht äußern. Zugeknöpft gibt sich auch die mit der Bauausführung beauftragte Firma Rudolph aus Obertshausen. Auch da heißt es: kein Kommentar. Wie jedoch zu hören war, soll das Unternehmen bislang kein Geld vom Verein gesehen haben und auf Außenständen von etwa 100.000 Euro sitzen. Die Sache sei ein „ganz rotes Tuch“ für die Firma“, heißt es.

Kein weiteres Geld an den Verein geflossen

Beim Geldgeber OPG kann man den Stillstand nur bedauern. Nach der ersten Zahlung von 100.000 Euro im April 2011 sei bislang kein weiteres Geld an den Verein geflossen, betont Sprecherin Christine Wüst. Vereinbarungsgemäß werde nur nach Baufortschritt gezahlt. Auch die OPG habe natürlich ein Interesse daran, dass die mit öffentlichem Geld zu errichtende Halle gebaut werde, so Wüst. Doch derzeit herrsche mit Blick darauf, wie es weitergehe, „große Ratlosigkeit an allen Stellen“, diagnostiziert die Sprecherin.

Es sei seitens der OPG im Moment nicht beabsichtigt, rechtliche Schritte einzuleiten, doch man stehe in Kontakt mit der Polizei und mit Anwälten. Werner Piecha ist da schon weiter. Der Züchter, der mindestens ein Dutzend Kollegen hinter sich weiß, hat wegen der finanziellen Ungereimtheiten Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte gestern, dass sie ermittelt. Piecha gibt im Gespräch mit unserer Zeitung zugleich Einblicke in vereinsinternen Ärger: So habe der Stromlieferant dem Verein im Sommer den für die Tiere überlebenswichtigen Saft abgedreht, weil die Rechnungen nicht bezahlt worden seien. Obwohl die Mitglieder daraufhin eine Sonderumlage geleistet hätten, so Piecha weiter, habe im Oktober erneut die Drohung im Raum gestanden, dass der Strom abgestellt werde.

In den Jahren 2011 und 2012, weiß Piecha zu berichten, hätten keine Jahreshauptversammlungen stattgefunden. Bisherige Treffen zur Klärung der Stromkostenabrechnung seien ohne Ergebnis verlaufen. Mit Spannung blickt der KTZV auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die für Mittwoch, 4. Dezember, terminiert ist.

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