Schüler Almin Felker teilt Begeisterung im Netz

Stirlingites - Ein Fanklub aus Bits und Bytes

+
Bei einem Konzert in Frankfurt hat Almin Felker sein Idol Lindsey Stirling persönlich getroffen. Im Internet hat er Gleichgesinnte aus ganz Deutschland gefunden.

Offenbach - Vorbei sind die Zeiten, in denen Fanklubs sich in den Wohnstuben ihrer Mitglieder oder in staubigen Hinterzimmern getroffen haben. Dank Facebook und Co. können Gleichgesinnte rund um den Planeten zusammenfinden. So wie Almin Felker. Von Sebastian Schwarz

Zusammen mit Mitstreitern aus ganz Deutschland betreut er eine Facebook-Fanseite über die Dubstep-Violinistin Lindsey Stirling. Längst haben Fanklubs ihren Weg in die Sphären des Internets gefunden. Eine gute Sache für viele Fans, ist es doch oftmals nicht leicht, im eigenen Umfeld Gleichgesinnte zu finden. So ging es auch Almin Felker. „Mein Musikstil entspricht nicht so dem Vorurteil über Offenbacher Jugendliche“, sagt er. Dem musikalischen Mainstream kann er nicht viel abgewinnen. Der 16-jährige Gymnasiast ist ein großer Fan der Dubstep-Violinistin Lindsey Stirling. Die 28-jährige Amerikanerin kombiniert klassische Violinenklänge mit modernen elektronischen Beats. Auf ihre Musik ist er mehr oder weniger zufällig gestoßen, durch einen Werbespot im Fernsehen. „Ich fand die Musik direkt klasse“, erinnert sich der junge Mann, der die Albert-Schweitzer-Schule in Offenbach besucht und dort bald sein Abitur macht. Seine Begeisterung möchte er nicht für sich behalten, sondern auch mit anderen teilen. „Ich will diese außergewöhnliche Geigerin unterstützen und in Offenbach bekannt machen“, sagt er.

Und wo könnte er wohl besser Gleichgesinnte dafür finden als im Internet? Nach anderen Fans (die sich selbst „Stirlingites“ nennen) muss er im weltweiten Netz nicht lange suchen. Denn die junge Violinistin, die schon zweimal den „Echo“ in der Kategorie Crossover gewonnen hat, hat eine große Fanbasis in Deutschland. Und diese ist ganz schön aktiv in der Welt der Bits und Bytes. Zum Beispiel auf der Facebook-Fanseite „Lindsey Stirling GER“. Gegründet vom Rheinland-Pfälzer Andreas Janke, gibt es dort täglich etwas Neues für die Fans. Almin Felker fragt an, ob er mitmachen darf. Er darf. Rund zwei Jahre ist das nun her. Seitdem unterstützt er gemeinsam mit sechs Mitstreitern Seitengründer Janke dabei, jeden Tag neue Inhalte auf den Facebook-Auftritt zu packen.

Die Aufgabe von Almin Felker: Er postet das Bild des Tages und baut aus Videoschnipseln Quizfragen. Seine Mitstreiter kommen aus ganz Deutschland, einer sogar aus Luxemburg. Zur Koordination und Planung nutzen sie eine Gruppe auf Facebook. Rund 1 500 Anhänger haben sie dort mittlerweile, auch auf anderen Plattformen im Netz wie Twitter und Instagram sind sie aktiv. Persönlicher Kontakt ist bei der Koordination ihrer Fanseite eigentlich gar nicht mehr nötig, die Kommunikation läuft über die digitalen Kanäle. Zumindest eine Gelegenheit gibt es aber doch noch, wo sich die acht Fans persönlich treffen, nämlich bei den Konzerten von Lindsey Stirling. So wie dieses Jahr in Ulm, wo Almin Felker einige seiner Mitstreiter persönlich kennengelernt hat. Alle sieben hat er aber noch nicht in natura gesehen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Die Vernetzung mit anderen Fanseiten ist indes gar nicht so leicht. Zwar kann man dank des Internets mit anderen Fans auf der ganzen Welt ins Gespräch kommen. Aber Hindernisse gibt es doch. „Viele Gruppen wollen lieber etwas eigenes machen“, sagt Felker. Außerdem seien etliche der anderen Fanseiten inaktiv. Die digitale Fankultur unterscheidet sich auch in einem anderen Punkt von der klassischen, analogen Variante. Sie ist nämlich keine Einbahnstraße. Die Fans können im Internet nicht nur über, sondern auch mit ihrem Idol kommunizieren. So hatte „Lindsey Stirling GER“ schon mehrfach Kontakt mit der Musikerin, die Amerikanerin folgt ihnen sogar bei Twitter. „Sie ist sehr Fan-nah, überhaupt nicht überheblich und schaut auch, was wir machen“, erzählt Almin Felker. Im Gegensatz zu vielen Künstlern der alten Schule kümmere sie sich persönlich um ihren Aufritt im Netz. Bei einem Konzert in Frankfurt hat er die Geigerin sogar schon einmal persönlich getroffen. „Das war für mich extrem aufregend“, erinnert er sich

Aus seinem Freundeskreis erhält er überwiegend positive Reaktionen auf seine Fan-Arbeit im Netz. Den ein oder anderen hat er sogar für die Musik der Amerikanerin gewinnen können. Und das sogar ausnahmsweise mal nicht auf digitalem Wege.

Kommentare