Bislang nur als Überflieger

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Weißstörche, fotografiert von unserem Leser Peter Seifert.

Bürgel - Es gilt als kleine Sensation: Erstmals wurden im Bürgeler Mainbogen, in der Nähe des Arthur-von-Weinberg-Stegs, und im Kuhmühltal Weißstörche auf den gemähten Wiesen gesichtet. Von Martin Kuhn

Die Klimaroute kommt in Bürgel nicht gut an. Speziell die Station „Kizilirmak“, der türkische Strom ist der Partnerfluss für diesen Punkt, auf dem WSV-Gelände ist weiter umstritten und wird abgelehnt – etwa vom Pro-Bürgel-Vorsitzenden und CDU-Stadtverordneten Michael „Mike“ Maier. Experten sehen hingegen das „wunderbare Vogelnest“, errichtet auf dem Stumpf eines gekappten Strommastes, bereits als veritables „Vogelhotel“ an.

Bislang diente es lediglich zum 1. April einem Plastik-storch als Heim. Das könnte sich ändern. Erstmals machen Weißstörche in Bürgel Station. Das Umweltamt sieht darin eine kleine Sensation, da Störche bislang nur über Offenbach hinweg geflogen sind. Der Bürgeler Adebar ist in kürzester Zeit zum beliebten Fotoobjekt geworden. Gleich mehrere Leser lichteten die Weißstörche ab.

Auf einem Feld („Sie genießen offensichtlich den gedeckten Tisch, da gerade frisch gemäht wurde“) entdeckte ihn Andreas Kramer. Am Kuhmühlgraben erwischte Jürgen Gries ein Exemplar sogar im Flug („Ein Beweis, dass Renaturierung in urbaner Umgebung trefflich funktionieren kann“). Und Peter Seifert bannte gleich zwei Störche und einen Graureiher elektronisch auf die Festplatte („Das letzte Mal habe ich in meiner Kindheit auf den Wiesen rund um Waldheim einen Storch gesehen habe – das war vor gut 60 Jahren“).

Lob für Gassigänger

Auch eine fachliche Begleitung seitens des Umweltamts ist gegeben. Fachreferentin Ute Habelt spricht von zwei Störchen, die während der Mahd im Kuhmühltal hinter dem Traktor liefen, um sich an Insekten, Regenwürmern und Mäusen satt zu fressen: „Darüber freuen wir uns besonders.“ Sie konnte am 20. Juni selbst einen Storch beobachten: „Die Renaturierung des Kuhmühlgrabens und die Umwandlung des Ackers in Grünland hat sich für den Storch offensichtlich schon gelohnt.“

Lob spricht Habelt für das Verhalten der Gassigänger aus. „Sobald der Storch erblickt war, wurden Hunde an die Leine genommen, so dass er ungestört blieb.“ Generell sollen Vierbeiner von den Wiesen im Kuhmühltal fern gehalten werden, besonders während der Vogelbrutzeit. Häufig wird indes nicht bedacht, dass das Heu der Wiesen als Futter für Pferd und Rind dient und Hinterlassenschaften der Hunde deshalb schädlich sind. Daher bittet das Umweltamt Hundebesitzer um Verständnis und Rücksichtnahme.

Die schrägsten Tiere der Welt

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Nach Auskunft von Dr. Matthias Werner (Staatliche Vogelschutzwarte) ist durchaus zu erwarten, dass Störche in Stadt und Kreis künftig vermehrt vorkommen, da die Population in Hessen mit derzeit etwa 330 Brutpaaren weiter zunimmt. Zwar steigen die Bestandszahlen in Hessen seit einigen Jahren, doch der Lebensraum für den NABU-Wappenvogel wird ständig weiter zerstört, so der Naturschutzbund Deutschland. Er mahnt: „Nur wo man noch Teiche und Weiher findet, wo periodische Überschwemmungen möglich sind und staunasse Bereiche das ganze Jahr über existieren und wo solche Flächen nur extensiv bewirtschaftet werden, hat der Glücksvogel langfristig eine Chance.“

Störche kommen schwerpunktmäßig im Landkreis Groß-Gerau, im Kinzigtal und in der Wetterau vor. Es ist zu vermuten, dass die in Offenbach gesichteten Störche aus dem Kinzigtal stammen und hier nach Nahrung suchen. Möglicherweise handelt es sich um Jungstörche, die noch nicht brüten, aber sich vielleicht bereits für das nächste Jahr nach einem geeigneten Brutplatz umsehen. Und so erfährt die Bürgeler Station „Kizilirmak“ vielleicht doch noch etwas mehr Beachtung...

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