Nachbarschaft verängstigt

Störfall nach Stromausfall

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Geschäftsführer Ingo Duhm und Lagermeister Ahmed Rabhioui versichern bei einem Rundgang durch die Gefahrguthalle, dass dort alles sicher gelagert wird.

Offenbach - Ingo Duhm kann sich zumindest in dieser Frage erleichtert zurücklehnen. Von Fabian El Cheikh

„Wir waren nicht schuld an dem Störfall“, betont der Geschäftsführer des weltweit tätigen Speditionsunternehmens Transbest, das nahe Lauterborn – in einem Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe – seinen Sitz hat und dort verschiedene Lager unterhält, in denen auch toxisches Gefahrgut aufbewahrt wird.

Kurz vor Weihnachten verschreckte der Austritt von Kohlendioxid (CO2) auf dem Transbest-Gelände die Nachbarschaft des Unternehmens im Offenbacher Süden. Ursache der mächtigen weißen Wolke, die an dem nebligen Vormittag des 21. Dezember bodennah über die Senefelderstraße waberte, war jedoch kein Betriebsunfall auf dem Gelände, sondern – so die Darstellung der Firma – ein Stromausfall vier Tage zuvor. Geschäftsführer Duhm schildert sichtbar erleichtert, dass nicht menschliches Versagen seiner Mitarbeiter zum Großeinsatz der Feuerwehren aus Offenbach und Frankfurt sowie der Polizei geführt habe, die das Gebiet großflächig abriegelte und zum Schließen von Fenstern und Türen aufrief. Auch sei die Bevölkerung, das bestätigten Messungen kurz nach dem Störfall, nicht in Gefahr gewesen. Kohlendioxid ist nur in hohen Konzentrationen lebensgefährlich, verflüchtigt sich normalerweise schnell an der Luft. Gleichwohl ist Duhm nun um das Image seines Unternehmens besorgt.

„Ursache war ein unterirdischer Kabeldefekt“

Aus diesem Tank trat das Löschgas im Dezember aus.  

EVO-Sprecher Martin Ochs bestätigte gestern den mehrstündigen Stromausfall im Bereich der Senefelderstraße am 17. Dezember. „Ursache war ein unterirdischer Kabeldefekt.“ Nach der Reparatur sei es beim Wiedereinschalten des Stroms, erklärt Transbest-Chef Duhm, zu einer Überspannung in der vorgelagerten CO2-Anlage gekommen, die im Falle eines Brandes in der Gefahrguthalle das geruchs- und geschmacksneutrale Löschgas zum Ersticken der Flammen freisetzt.

„Dazu ist es aber nicht gekommen“, so Duhm, „es gab keinen Unfall in der Halle. Vielmehr hat sich das bei minus 22 Grad verflüssigte Gas aufgrund der durch die Überspannung ausgefallenen Kühlung erwärmt, sein Volumen vergrößert und ist zur Vermeidung einer möglichen Explosion über eigens dafür vorgesehene Überdruckventile schlagartig gasförmig ins Freie gesetzt worden.“ Ein unabhängiger Fachbetrieb habe nach einer Prüfung dem Unternehmen versichert, dass kein technischer Defekt vorgelegen habe.

Situation der Bevölkerung

„Ich kann mich in die Situation der Bevölkerung hineinversetzen“, sagt Duhm, „die Angst hat, irgend etwas könnte in die Luft fliegen oder chemische Stoffe könnten abbrennen.“ Die Gefahr sei wie bei jedem anderen chemischen Betrieb jedoch gering angesichts von aktiven und passiven Sicherheitsvorkehrungen, zu dem Unternehmen hierzulande gesetzlich verpflichtet sind. Umweltschäden sollen etwa durch eine permanente Klimatisierung der Gefahrguthalle vermieden werden, in der auch ätzende, ölige Stoffe, Farblacke und andere toxische Güter gelagert werden.

„Alle Einrichtungen sind explosionsgeschützt, wir verfügen über eine direkte Brandmeldeverbindung zu den Einsatzkräften und Brandschutztüren, die alles hermetisch abschließen, sowie über Löschanlagen, die bei einem Unfall die Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr überbrücken.“ Zwei Dieselgeneratoren sollen bei Stromausfall den sicheren Weiterbetrieb gewährleisten. „Die werden monatlich auf ihre Funktion überprüft.“

Bilder vom damaligen Einsatzort

Kohlenstoffdioxid-Austritt auf Transbest-Gelände

Wannenartige Bodenversiegelungen und Dämmbalken sorgten zusätzlich dafür, dass auch dann nichts aus den Hallen oder gar ins Erdreich sickern könne, falls doch mal ein Fass auf dem Gelände umkippt und aufplatzt. „Wir tun alles, um das Risiko zu minimieren.“

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Angst vor weißer Gaswolke

Vor sieben Jahren war es schon einmal zu einem Störfall gekommen. Damals tropfte eine chemische Flüssigkeit aus der Ladung eines holländischen Lkw, der bei Transbest weitere Güter aufnehmen wollte. Auch damals setzte dies ein Großaufgebot der Feuerwehren in Bewegung. „Und auch damals waren wir nicht schuld.“

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