Stoffhandel - mal so, mal so

Offenbach ‐ Aus kriminalistischer Perspektive ist die Farbe eines Stoffes üblicherweise nur dann von tieferer Bedeutung, wenn sie der Identifikation eines im Idealfall auffällig gewandeten Täters dient. Von Marcus Reinsch

Dass die Polizeipressestelle gestern einen Beitrag über bereits geschnappte Kriminelle mit „Die Sommerfarben: Rosa und Gelb“ überschrieb, hatte unterdessen andere, durchaus gute Gründe. Die Geschichte ereignete sich auf dem „Holländischen Stoffmarkt“, der am Sonntag viele anständige Käufer auf den Mainuferparkplatz lockte - und Diebe, deren Masche Dreistigkeit ist. Die Geschäfte liefen gerade gut, als sich an einem Stand vier Frauen einige Stoffballen schnappten und wie selbstverständlich in ein Auto luden. Ehe die Kaufleute merkten, dass sie gerade bestohlen wurden, hatten sie ihre Waren auch schon aus den Augen verloren.

Die Recherche der Tatumstände lässt auf ein gut einstudiertes Ablenkungsmanöver schließen. Die Polizei berichtet von „einer großen Anzahl von Leuten, offensichtlich Familienangehörige der Frauen, die einen lautstarken Streit anzettelten und in der allgemeinen Verwirrung in einem weißen Lieferwagen mindestens fünf Rollen mit rosafarbenem und gelbem Stoff abtransportierten“.

Unbedingt schnell weg wollte auch das diebische Quartett. Zeugen hefteten sich allerdings an die Fersen von zwei der Frauen. Die unternahmen einen reichlich ekelhaften Fluchtversuch: Die Ermittler nahmen später zu Protokoll, dass die ältere Diebin auf offener Straße auf einen Stein uriniert und ihn Richtung Verfolger geworfen habe. Es half nichts; die Festnahme der Ganovinnen gelang wenig später. Es handelt sich um eine 28- und eine 52-jährige Rumänin, die einer stadt- und polizeibekannten Familie zugeordnet werden. Beide schwiegen zu den Vorwürfen. Wer als Zeuge reden will, wählt 069 80981234.

Gleicher Ort, andere Form von „Stoffhandel“ und ein weiterer Erfolg der Polizei: Die Fahnder hatten Berichte über verdächtigerweise auf dem Maindamm umherschleichende Gestalten als Aufforderung verstanden, am Sonntagnachmittag eine Zivilstreife vor Ort das Anschleichen trainieren zu lassen. Der Erfolg kam schnell, die Beamten ertappten auf einer Parkbank einen 24-Jährigen mit 50 Gramm Haschisch in der Tasche. Das roch so sehr nach Drogenhandel, dass der vorübergehend festgenommene Offenbacher den Beamten später auch seine Wohnung zwecks Durchsuchung öffnen musste.

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