In stolzen Schwan verwandelt

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Friederike und Axel Plath vor ihrem Bürgeler Fachwerkhaus, das nach umfangreicher Sanierung inzwischen zu einem echten Schmuckstückchen geworden ist.

Offenbach ‐ An die Eigentümer eines liebevoll sanierten Bürgeler Fachwerkhauses ging der Offenbacher Denkmalschutzpreis 2009, der im Rathaus verliehen wurde. Von Claus Wolfschlag

Das Gebäude Niedergasse 20 steht exemplarisch für den oft unsensiblen Umgang mit Fachwerkbauten, aber auch für die Möglichkeiten, die sich durch eine Sanierung ergeben. Die Veranstaltung hatte mit Ansprachen und musikalischen Einlagen einen festlichen Charakter. Yumiko Noda an der Violine und Olaf Joksch am Klavier gaben Sonaten von Bach zum Besten.

2006 entdeckten die Eheleute Friederike und Axel Plath ihr Fachwerkhaus. 2007 begannen sie mit umfassenden Sanierungsarbeiten. Jürgen Lehmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde zeigte anhand von zahlreichen Bildern die Verwandlung eines hässlichen Entleins zum stattlichen Schwan.

Das Gebäude, in dem zuletzt ein Futtermittelhandel betrieben wurde, war vor der Sanierung verputzt und teils mit Schindeln verblendet. Und auch durch unpassend eingebaute Fensterformate war die Fachwerkkonstruktion kaum noch erkennbar. Hinzu kamen desolate Anbauten und marode Einbauten im Innern, die von den Plaths entfernt wurden.

Im Laufe der Sanierungsarbeiten stellte sich heraus, dass der älteste Teil des Hauses aus dem Jahr 1618 stammt. Das Haus wurde also im Jahr des Ausbruchs des Dreißigjährigen Krieges errichtet. Und es hatte das Glück, nicht nur jenen auch für unsere Region verheerenden Krieg zu überleben, sondern auch alle Kriege der folgenden Jahrhunderte weitgehend unbeschadet zu überstehen.

Bereits so verfault, das Einsturzgefahr bestand

Da viel Eigenarbeit in das Gebäude gesteckt wurde, konnten die Plaths ihre Baukosten im Zaum halten. Die Sanierung stellte das Ehepaar dennoch vor manche nervliche Belastung. Es zeigte sich nämlich, dass der Bau in weit stärkerem Maße Substanzschäden aufwies, als anfänglich vermutet werden konnte. Das gesamte Ständerwerk im Erdgeschoss war bereits so verfault, dass es mit einem Stahlgerüst gestützt werden musste, da Einsturzgefahr bestand. Die Fachwerkkonstruktion wurde so komplett freigelegt.

Alte Balken in gutem Zustand wurden erhalten, marode Stellen durch neue Balken ersetzt. Lehm wurde in den Deckenfeldern verarbeitet. Hinzu kamen eine offene Galerie und ein moderner Anbau, die das Leben nach komfortablem modernem Wohnstandard möglich machten. So entstand aus traditionellen und sensibel eingesetzten modernen Elementen wieder ein ansehnliches Haus, das „heute in Sichtfachwerkstruktur zur Geltung kommt“, wie Jürgen Lehmann betonte.

Das Fachwerkhaus vor Abriss bewahrt

Der Vorsitzende des Denkmalbeirates, Michael Poeschel, berichtete in seiner Laudatio vom Frösteln, das ihn befallen hatte, als er die Bilder des anfänglich maroden Gebäudes gesehen hatte. Aber er betonte auch den Mut der Eigentümer, an ein solches Haus aktiv heranzugehen. Solches Tun hätte auch über den konkreten Ort hinausreichende Bedeutung. So helfe es, das Bewusstsein für Geschichte und Kultur bei den Bürgern zu fördern. „Die Denkweise der Ahnen und damit unsere Wurzeln lassen sich besser verstehen“, so Poeschel.

Denkmäler verbänden also Vergangenheit und Zukunft. Poeschel ordnete den Bau folglich in eine Reihe mit vielen anderen Offenbacher Baudenkmalen ein, die vor Abrissen oder entstellenden Umbauten bewahrt werden konnten: Das Markthäuschen am Wilhelmsplatz, der Monopterus im Büsingpark, diverse Fachwerkhäuser in Bürgel und Bieber, der Bahnhof in Bieber sowie die alte Rumpenheimer Feuerwehr in der Prinz-Georg-Straße.

Auch Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann und der Präsident desRotary-Clubs Offenbach, Ulrich Stenger, dankten dem Ehepaar Plath für sein vorbildliches Engagement. Zur städtischen Auszeichnung (Urkunde und Plakette) gab es ein Preisgeld von 3.000 Euro, das der Rotary-Club gestiftet hat.

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