Mit Stornogebühr gedroht

Offenbach (tk) - Es mag eine kleine Genugtuung für alle sein, die sich durch die Flut von „Gewinnbenachrichtigungen“ belästigt fühlen oder sogar einmal in eine dahinter steckende Kaffeefahrten-Falle getappt sind: Die Offenbacher Polizei hat besonders dreiste Veranstalter solcher Touren ermittelt.

Nun lässt ihr Betrugskommissariat gegen sie ermitteln. Man sollte es kennen und meiden: Persönlich adressierte Briefe versprechen Geldpreise in bis zu fünfstelliger Höhe, oft bestätigt durch amtlich wirkende Zertifikate. Zwar kann sich meistens niemand erinnern, je an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben. Wer sich darauf einlässt, wird mit dem Bus zu einer Verkaufsveranstaltung gekarrt, um von findig-windigen Verkaufsspezialisten überteuerte Nahrungsergänzungsmittel und Wärmedecken aufgeschwatzt zu bekommen. Andere Offerten locken zu tollen Reisen zu attraktiven Zielen, wo sich dann ein Füllhorn von Geschenken über die Teilnehmer ergießen soll.

Dass es noch unverschämter geht, berichtet die Offenbacher Polizei. An Offenbacher in Stadt und Kreis gingen Schreiben, die ihnen bestätigen, dass sie sich für eine solche Kaffeefahrt angemeldet hätten, versehen mit einer Drohung: Bei Nichtantritt würden Stornierungskosten in Höhe von 19,90 Euro in Rechnung gestellt.

Polizei schaute kurzerhand selbst an Abholstellen nach

Einige Senioren waren sich aber sicher, keine Anmeldung vorgenommen zu haben und meldeten den Versuch, sie aufs Glatteis zu locken. Die Polizei wollte wissen, wer dahinter steckt und schaute am Mittwoch kurzerhand selbst an den Abholstellen in Offenbach nach. Pünktlich um 6.15 Uhr fuhr der Bus in Bieber ein und hielt wie angekündigt in der Aschaffenburger Straße.

Doch zeigten die bisherigen Aufklärungsmaßnahmen in Sachen Kaffeefahrten ihre Wirkung, wie die Beamten feststellten, die dem Bus in einem Zivilfahrzeug folgten. In Bieber stiegen nämlich keiner Fahrgäste zu, an der zweiten Station in der Offenbacher Innenstadt lediglich drei Rentner. Die Fahrt ging weiter nach Frankfurt. Dort wurde der Reisebus nach Zustieg weiterer Fahrgäste einer Kontrolle unterzogen, weil der Busfahrer offensichtlich die Polizei bemerkte und dies noch während der Fahrt seinem Auftraggeber per Handy mitteilte.

Busfahrer reagierte sichtlich verstimmt

Nach entsprechender Aufklärung der Fahrgäste wurden der Fahrer und der Reisebus durch die Beamten der Verkehrsinspektion auf Verstöße hin überprüft. Der Bus selbst war neu und in technisch einwandfreiem Zustand. Allerdings reagierte der Busfahrer sichtlich verstimmt, als die Beamten ihm eröffneten, dass er nicht nur verbotenerweise während der Fahrt mit dem Handy telefoniert habe, sondern auch noch ein Verstoß gegen seine Lenk- und Ruhezeiten festgestellt worden sei. Ihm droht nun ein Bußgeld in Höhe von rund 500 Euro; seine Ehefrau, die Halterin des Reisebusses ist, muss sogar mit 1 000 Euro rechnen.

Die Kaffeefahrt, die ursprünglich nach Koblenz zur Frühlingsausstellung eines angeblichen Blumen- und Gartencenters führen sollte, wurde nicht fortgesetzt, so dass die angeschriebenen Rentner nun auch keine „Stornierungsgebühren“ befürchten müssen. Vielmehr dürfte diese Kaffeefahrt eine recht kostspielige und folgenreiche Leerfahrt für den Busunternehmer und die Veranstalter gewesen sein.

Rubriklistenbild: © Fabio/pixelio.de

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