Wenn der Polizeihund zweimal beißt

+
An Neujahr war die Polizei zu Streitigkeiten in der Löwenstraße gerufen worden.

Offenbach ‐ Klaus Dorff wird Strafanzeige und Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Beamte des 2. Offenbacher Polizeireviers erstatten. Von Thomas Kirstein

Der Frankfurter Rechtsanwalt vertritt die Familie J. und ist überzeugt, dass sich die Polizisten in der Silvesternacht zu unverhältnismäßigen Übergriffen gegen Deutsche pakistanischer Herkunft haben hinreißen lassen. Bei der Polizei sieht man dem recht gelassen entgegen. Sprecher Ingbert Zacharias kann aufgrund der Aktenlage nur angemessene Reaktionen seiner Kollegen auf Widerbrostigkeit erkennen – inzwischen mit Widerstands-Strafanzeige quittiert.

Das Jahr 2011 ist erst elf Minuten alt, als dem 2. Revier eine Streitigkeit in der Löwenstraße gemeldet wird. Die beiden ersten Beamten, die dort eintreffen, sehen einen „Riesenauflauf“. Was dem vorausging, schildert Mike J. (20), der erst später hinzukam, für die Familie: Sein Vater Wilson J. (42), Wirt in Frankfurt, will nach der Schließung seiner Gaststätte zur Familie stoßen, die sich beim Bruder, der ist Taxifahrer, in der Löwenstraße versammelt hat. Das Einparken klappt auf der glatten Straße nicht wie beabsichtigt, sein Auto rammt die Anhängerkupplung eines geparkten Pkw. Der gehört jemandem aus einer etwa achtköpfigen Gruppe von Bulgaren, die schon recht fröhlich auf der Gasse feiert. Es kommt zur verbalen Auseinandersetzung. Die verschärft sich, auch weil von den Südosteuropäern nur einer des Deutschen mächtig ist, zu einem Gerangel, bei dem es Schläge setzt.

Getreten und noch vom Polizeihund gebissen

Auftritt der von der Tante verständigten Polizei, letztlich sind drei Streifen in der Löwenstraße tätig: Laut Mike J. widmen sich die Beamten sofort seinem Vater und seinem 17-jährigen Bruder Haresh, lassen aber die sich in der Überzahl befindlichen Bulgaren ungeschoren. Wilson J. sei zu Boden geworfen, getreten und noch vom Polizeihund gebissen worden, gibt sein Sohn weiter, was ihm berichtet wurde. Seine Mutter mischt sich ein, um ihrem Gatten zu helfen. Sie macht ebenfalls Bekanntschaft mit den scharfen Zähnen des Vierbeiners. Die Polizei habe nichts unternehmen wollen oder können, um das Tier zurückzuhalten.

Nun wird Mike J. zum Beteiligten. Er trifft mit dem Auto in der Löwenstraße ein, kann nicht rechtzeitig bremsen und setzt sein Fahrzeug gegen einen Laternenpfahl. Die Beamten, so sagt er, hätten sich nicht darum gekümmert, dass er einen Unfall hatte. „Der eine hat gerufen: Gehörst du auch zu denen? Als ich ja gesagt habe, hat er mich gewürgt, auf die Erde geworfen und mir Handschellen angelegt“, behauptet der Zwanzigjährige.

Laut Polizeisprecher Ingbert Zacharias ist zunächst eine Streife in die Löwenstraße gefahren. Als es nicht gelungen sei, die Streithähne zu trennen, habe Verstärkung geholt werden müssen. Zwei weitere Streifen treffen ein, eine mit dem Diensthund. Wilson J., der sich nicht habe beruhigen können, sei zunächst „mit einem Platzverweis belegt worden“, zitiert Zacharias aus dem Wachbuch. Dem sei der Mann aber nicht nachgekommen: „Er hat einen Beamten geschubst, der hat ihn in den Griff genommen.“

Alkohol oder Drogen waren nicht im Spiel

Frau J. habe ihren Ehemann unterstützen wollen und sich von dieser Absicht auch nicht durch den knurrenden Polizeihund abhalten lassen. Daraufhin habe das Tier – ein Maulkorb sei nicht üblich – sowohl den Herrn J. als auch seine Ehefrau gebissen. „Die wollten partout keine Ruhe geben, das hat sich hochgeschaukelt“, sagt der Polizeisprecher.

Alkohol oder Drogen waren dabei nachweislich nicht im Spiel. „Ich kenne Herrn Wilson schon lange. Der trinkt nichts und der nimmt nichts“, versichert Anwalt Dorff. Die nicht nur oberflächlichen Hundebisse sowohl beim Mann als auch bei der Frau sind durch ärztliche Atteste aus dem Klinikum Offenbach bestätigt. Der Jurist deutet an, eine harsche Vorgehensweise könne durch die „augenscheinlich ausländische Herkunft“ der J.s beeinflusst worden sein, auch schwele da offenbar ein Dauerkonflikt des 2. Reviers mit manchen Bewohnern der Löwenstraße.  „Das war wohl kein Einzelfall“, sagt er.

Als die J.s am Samstag und noch einmal am Sonntag, jeweils ohne Anwalt, auf dem 2. Revier Anzeige erstatten wollen, werden sie abgewimmelt. Polizeisprecher Zacharias erläutert, es sei unüblich, Anzeigen in dem Revier entgegen zu nehmen, gegen dessen Beamte sie sich richten. Also werden auch die Zeugen andernorts aussagen müssen: Laut Mike J. haben sich die bulgarischen Ex-Kontrahenten bereit erklärt, gegen die Polizisten auszusagen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion