Video-Überwachung

Straftaten leicht rückläufig

Offenbach - Fast zehn Jahre ist es her, dass die Stadt die ersten Kameras zur Überwachung des Marktplatzes eingerichtet hat. Die anfängliche Debatte um Datenschutz und Privatsphäre ist abgeebbt – zu Recht, wie der zuständige Leiter des 1. Polizeireviers, Georg Grebner, findet: Von Fabian El Cheikh 

„Es gibt keine Totalüberwachung, wir sind weder Stasi noch Securitate, dafür haben wir auch gar nicht das Personal. “ Wer nicht gerade nackt oder mit einer Waffe vor den Kameras herumlaufe, wer nicht offen mit Drogen deale oder auf Passanten einschlage, der falle auch nicht weiter auf. So gelassen sich Grebner zeigt, so viel Routine ist bei der Polizei insgesamt eingekehrt – und bei der lokalen Politik die Erkenntnis, dass die Kameras offenbar eine gewisse Wirkung zeigen. Diesen Eindruck bestätigt Polizeipräsident Roland Ullmann in seinem jährlichen Bericht an den Magistrat. Demnach ist die Zahl der an den Überwachungsstandorten registrierten Straftaten im vergangenen Jahr bis auf eine Ausnahme weiter leicht zurückgegangen. Ullmanns Empfehlung an die Politik: „Aus polizeilicher Sicht sollte die Videoüberwachung fortgesetzt werden.“

Auch aus Sicht des Offenbacher Ordnungsamts wirken sich die im Stadtgebiet installierten Kameras positiv auf das jeweilige Umfeld aus. So seien abgesehen von härteren Delikten auch negative Erscheinungen wie Lärmbelästigungen bis spät in die Nacht, große Menschenansammlungen mit teils bedrohlichem Charakter und illegale Müllablagerungen deutlich zurückgegangen. Besonders positiv wirkt sich laut Ullmann die Überwachung im Lauterborn aus. Zwei schwenkbare Dome-Kameras kontrollieren den einst problematischen Europaplatz sowie die jeweils angrenzende Richard-Wagner-, Hugo-Wolf- und Kurt-Tucholsky-Straße. Bilanz: Seit 2009 ist dort die Zahl der Delikte um 40 zurückgegangen.

Ullmann liefert Details: „Die Fälle von Körperverletzungen sind von 18 auf 14 gesunken und die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz von acht auf fünf.“ Ähnlich verhalte es sich bei den ohnehin niedrigen Fallzahlen bei Raub, Bedrohung und Nötigung. Allein Sachbeschädigungen seien an dieser Stelle wieder verstärkt verzeichnet worden. Auch am Marktplatz, der als erstes mit Videokameras bestückt wurde, hält der Trend an: „2012 verzeichneten wir mit 235 Straftaten den bisher niedrigsten Stand“, freut sich Ullmann. 2003 seien es noch 423 Delikte gewesen. Positiv: Straßenräuber, etwa die vor zwei Jahren sehr aktiven „Goldkettenräuber“, meiden mittlerweile das Gelände. Negativ: Jene Kriminalität, die das Sicherheitsempfinden des Bürgers besonders berührt (Körperverletzung, Bedrohung und Raub), ist dort nach wie vor vergleichsweise stark zu verzeichnen. Da gab es nur einen Fall weniger als im Vorjahr. „Bedingt durch die S-Bahn und die umliegende Gastronomie erscheint der Marktplatz für Gelegenheitstäter nach wie vor günstig.“ Deshalb sollte gerade dort die Überwachung aufrecht erhalten werden.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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Gleiches gilt für die Hermann-Steinhäuser-Straße. Es ist der einzige Standort, an dem die Fallzahlen im Jahresvergleich wieder deutlich stiegen, was Ullmann auf die soziale Struktur (Zuzug durch Südosteuropäer), Lokale, Trinkhallen und Internetcafés zurückführt. „Alkoholbedingt zu Aggressionen neigende Delinquenten lassen sich von einer Videoüberwachung nicht unbedingt von Taten abhalten.“ Die Drogenszene wiederum habe sich seit Installation der Kamera vor fünf Jahren teilweise zur Schönen Aussicht und an den Maindamm verlagert. Dass Kriminelle in andere Viertel abwandern, war stets einer der Hauptkritikpunkte an der Videoüberwachung. Für Grebner vom 1. Polizeirevier ist das jedoch kein Argument dagegen: „Dann müssten wir ja auch unsere Streifen einstellen. Kriminalität wird es immer geben, selbst wenn wir die ganze Stadt überwachten.“ Wichtig seien die Kamerabilder vor allem, um Straftaten aufklären zu können.

Rubriklistenbild: © dpa

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