Wie radfreundlich ist Offenbach?

Strampeln für die Fahrradstadt

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Kein freier Platz: An der S-Bahn-Station Marktplatz sind an Werktagen alle Radständer belegt.

Offenbach - Mit einer Fahrradstadt wie Münster kann Offenbach nicht mithalten. Viele Ecken sind für Radler noch zu gefährlich. Doch Stadt, Vereine und Geschäfte bemühen sich, das Radfahren in der Lederstadt attraktiver zu machen. Von Sarah Neder 

Ambitionierte Aktionen, wie etwa das Stadtradeln, das Radwandern, oder kulinarische Radtouren motivieren, auf das umweltfreundlichste Verkehrsmittel umzusteigen. In dieser Serie wollen wir Aspekte rund ums Radeln beleuchten. Zum Auftakt bewerten Experten, wo Offenbach auf dem Weg zur Fahrradstadt steht.

„In Offenbach bietet es sich geradezu an, das Auto stehen zu lassen und aufs Fahrrad zu steigen“, meint Detlev Dieckhöfer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Vor allem in den letzten Jahren habe sich einiges dafür getan, dass Radfahrer sicherer und schneller von A nach B kämen. „Der neue Radweg an der Berliner Straße war damals ein riesiger Zugewinn, und das Öffnen vieler Einbahnstraßen für den Radverkehr war längst überfällig“, zählt Dieckhöfer auf.

Fortbewegungsmittel der armen Leute

Auch der städtische Fahrradverkehrsbeauftragte Rolf Schmidt glaubt, dass sich die Stadt im letzten Jahrzehnt dem Radverkehr geöffnet hat. „Bis in die 90er haben Verkehrsplaner Radfahrer noch weitgehend ignoriert“, erinnert sich Schmidt. Das Fahrrad sei früher das Fortbewegungsmittel der armen Leute gewesen. Dass Radeln heute vielmehr „ein Lifestyle“ sei, habe man erkannt und versuche seitdem, den Trend zu unterstützen. Schmidt zeigt auf: „Seit 2005 gibt es neue Rad-Boxen an S-Bahnstationen, der Mainradweg wurde ausgebaut, Lücken sind geschlossen, und die Stadt hat mehrere Radwege zusätzlich geschaffen.“ Besonders hebt Schmidt den radgerechten Ausbau des Mainzer Rings im letzten Jahr hervor und lobt die Stadt für den Fahrradstadtplan, den sie im Frühjahr fertiggestellt hat. Das alles soll zeigen: „Ja, in Offenbach kann man Fahrradfahren“. Für nächstes Jahr steht eine umfassende Beschilderung des neuen Rad-Netzes an. Außerdem will die Stadt Fahrradwege an der Ketteler- und der Rumpenheimer Straße einrichten. Obwohl umstritten, sollen im Zentrum weitere Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet werden.

Auch am Mainradweg wird es bei gutem Wetter schon mal eng. Viele nutzen die Verbindung von Offenbach nach Frankfurt.

Eine städtische Statistik zeigt, dass heute etwa neun Prozent aller Wege in Offenbach mit dem Rad erledigt werden. Infrastrukturelle Verbesserungen des Radverkehrs sollen in Zukunft mehr Menschen auf den Drahtesel locken. Bis 2020 sollen es 15 Prozent werden, so Schmidts Ziel. „Radverkehr ist für uns zukunftsweisend. Er ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch wesentlich platzsparender als Kfz-Verkehr“, erläutert Schmidt und stellt klar: „Besonders in einem Ballungsgebiet wie Offenbach wachsen Ansprüche an Mobilität stetig. Da ist die Verlagerung auf den Radverkehr unerlässlich.“

ADFC-Mann Dieckhöfer sieht trotz aller Bemühungen des Rathauses noch Verbesserungsbedarf: „Das Radwegsystem ist bisher eher mittelprächtig – besonders die Hauptverkehrsstraßen sind schlecht geplant.“ Immer noch ohne Radstreifen sind Kaiser-, Wald-, Bieberer und Bismarckstraße. Dieckhöfer moniert, dass es deshalb schwer sei, das Radfahren als echte Alternative zum Auto zu akzeptieren. In Frankfurt sei die Stadtplanung da schneller und mutiger.

Damit Offenbach jedoch zu einer richtigen Fahrradstadt werde, brauche es aber nicht nur verkehrsplanerische Unterstützung, weiß der ADFC-Experte. Auch Läden, Werkstätten und Vereine seien wichtig. „Jedes verkaufte Rad in Offenbach ist ein Erfolg – nicht nur für den Händler, sondern auch für die Stadt und die Umwelt“, ist sich Dieckhöfer sicher. Aktionen ansässiger Radläden und Vereine oder das bundesweite Stadtradeln animieren die Bürger, auf den Drahtesel zu steigen. Neben Infrastruktur und Einzelhandel begünstigen auch weiche Faktoren wie der Umgang unter den Verkehrsteilnehmern eine fahrradfreundliche Entwicklung. Dieckhöfer ist der Überzeugung, dass alle mehr Rücksicht aufeinander nehmen sollten. Das sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Fahrradstadt.

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