Abgeknickt und umgebügelt

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Da fliegt dir doch das Blech weg: Allein im vergangenen Jahr musste der kommunale Eigenbetrieb 338 Straßenschilder ersetzen.

Offenbach - Gestohlen, beschmiert, umgefahren. Für eine Lichtung des sogenannten deutschen Schilderwalds, den viele ohnehin als zu üppig erachten, wird in schöner Regelmäßigkeit gesorgt – nicht zuletzt in Offenbach. Von Martin Kuhn

Für Ersatz sorgt der kommunale Eigenbetrieb, der im Betriebshof Daimlerstraße die gängigsten Verkehrszeichen vorrätig hat.

Regelrecht platt gemacht oder in bedenkliche Schieflage gebracht wurden am Wochenende mindestens zwei Schilder. Besonders kritisch: An der alten Industriebahntrasse ist in Höhe der Senefelderstraße ein Schild so umgeknickt, das es auf Kopfhöhe in den Radweg ragt. ESO-Sprecher Oliver Gaksch erkennt das Gefahrenpotenzial und schickt den Außendienst los. Binnen einer Stunde ist das Schild samt Stange ausgetauscht. Andererseits ist es das Tagesgeschäft des kommunalen Dienstleisters.

In Deutschland stehen und hängen geschätzte mehr als 20 Millionen Verkehrsschilder, in Offenbach sind’s ungefähr 13.500, „inklusive aller Straßenbezeichnungen“, ergänzt Gaksch. Dennoch eine imposante Zahl. Und ein gewisser Prozentsatz muss immer wieder nach Kollisionen erneuert werden.

Verursacher in den meisten Fällen unbekannt

Im vergangenen Jahr registrierte der ESO 338 Schäden. Meist wird das Umknicken oder Umbügeln als eine Art Kavaliersdelikt angesehen. In 303 Fällen ist in den Akten vermerkt: Verursacher unbekannt. Vermutlich wird sich auch der Austausch des Radwegschilds darauf reduzieren. „Vandalismus schließen wir aus“, sagt Gaksch. „Wir nehmen an, dass ein Lastwagen mit Anhänger den Schaden verursacht hat.“

Überschaubar ist folglich der Personenkreis, dem der Stadtbetrieb 2011 eine Rechnung zustellt. Die kann recht unterschiedlich ausfallen, erklärbar allein aus dem Umstand, dass für Verkehrsschilder die Norm DIN 1451-2 gilt und sie zwingend in der Schriftart Linear-Antiqua zu beschriften sind. Laut Gaksch ist das Stoppschild ein Klassiker: 324 Euro pro Stück – inklusive Stange.

Weitaus billiger wäre das, was Experten derzeit diskutieren. Laut ADAC erproben europäische Länder alternative Verkehrskonzepte. „Simply City“ (Abbau von überflüssigen Verkehrszeichen) und „Shared Space“ (ganz ohne Beschilderung) sind zwei Modelle, die auf eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer setzen. Mit einem solchen Miteinander sollen die Straßenräume aufgeräumter und selbsterklärender werden.

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