Auf Straßen so viel Flickwerk wie noch nie

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Alexander Wolf, Straßenwart bei der ESO, auf der mit Schlaglöchern reichlich gesegneten Mainstraße. Hier wurde der Asphalt einfach aufs alte Kopfsteinpflaster aufgebracht - ein nicht haltbarer Zustand.

Offenbach - (Thomas Meier) Das linke Vorderrad des Autos federt völlig unvermittelt aus, um umgehend schlagartig wieder einzufedern, was den Insassen tüchtig durchrüttelt. Am linken Hinterrad wiederholt sich das Ereignis. Die erschütternde Wirkung rührt von einem Schlagloch her.

Von solchen hat Offenbach unzählige. Die dem Verkehr dienende Oberfläche ist schon seit Jahren ein Flickenteppich. Nach diesem Winter scheinen sich an ihm die Motten besonders gütlich getan zu haben. Die eisigen Temperaturen des Januars zeigten Wirkung.

„So viele Straßenschäden hatten wir in noch keinem Frühjahr“, sagt Christian Loose vom Stadtdienstleister ESO. Seit Oktober wurde zwar für über 20 000 Euro Kaltasphalt in die Schlaglöcher eingebracht. „Momentan hat das aber alles keinen Sinn“, meint ESO-Straßenwart Alexander Wolf.

Es ist noch immer zu kalt für Reparaturen: 40 Zentimeter tief sitzt der Frost im Boden. Wolf ist ständig mit seiner Vespa oder im Smart in Sachen Verkehrssicherheit unterwegs. Derzeit bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig, als neue Löcher weiter zu melden und gegebenenfalls Tempo-Reduzierungen zu veranlassen. So beispielsweise in der Mainstraße. Dort wird der fahrende Verkehr seit einer Woche auf Tempo 30 reduziert. In der Waldstraße sieht es streckenweise nicht besser aus, auch andere Wege sind zu gefährlichen Pisten heruntergekommen. Motorradfahrer, die jetzt noch im Auto unterwegs sind, graust es schon jetzt.

Das Offenbacher Straßennetz mit seiner Gesamtlänge von 220 Kilometern umfasst etwa 680 Hauptverkehrsstraßen, Nebenstraßen sowie öffentliche Plätze und Fußgängerzonen. Rund 1,5 Millionen Euro stehen pro Jahr für Straßenunterhaltung zur Verfügung: Das reicht nur für die Grundsanierung von wenigen Kilometern.

74 000 Euro kostete 2007 die Schlaglochsanierung, wobei 2100 Quadratmeter Asphaltdecke zu stopfen waren, letztes Jahr fielen nur 1600 Quadratmeter an (55 000 Euro). Das Flickwerk dieses Jahres alles vorherige toppen.

„Was jetzt notdürftig mit Teer geflickt wird, fliegt doch gleich wieder raus, ist also für die Katz’“, sagt Wolf. Die Straßen „magern“ aus: Dabei lösen sich Mörtel oder bituminöses Bindemittel aus der Fahrbahnoberfläche. Die Folge ist Splittverlust, also das Herauslösen der oberen Gesteinskörnung, wie der Fachmann sagt. Und schon gibt’s wieder Löcher.

Dem Autofahrer kann egal sein, was die technische Ursache ist. Er brettert in die Schlaglöcher, die der Experte „Ausbrüche“ nennt. Im Laufe einiger Tage bis Wochen verbreitert und vertieft sich der Defekt, was zu Frostschäden bis zu einem Ausmaß von etwa einem Meter Größe und 20 Zentimeter Tiefe gehen kann. Durch häufigen Wechsel von Frost- und Tauperioden können in wenigen Wochen durch Frostaufbrüche bis zu knöcheltiefe Ausbrüche in Fahrbahnen entstehen.

Besonders unangenehm wird’s, wenn der Unterbau einer Straße Basaltkopfsteinpflaster ist wie in Main- oder Hebestraße. Dort wurde der Asphalt einfach auf den Belag aufgebracht. „Der Unterbau stimmt nicht, und wenn dann der Frost den Asphalt platzen lässt, vergrößern sich die Löcher besonders rasend schnell“, weiß Wolf.

Dreimal pro Monat werden die Hauptstraßen in Offenbach auf Schäden kontrolliert, einmal sind die Nebenstraßen dran. Wolf tuckert mit seiner Vespa auch Gehwege ab. Ragt hier eine Platte vier, fünf Zentimeter heraus, wird umgehende Reparatur veranlasst. Ebenso bei größeren Löchern in den Fahrbahnen, doch momentan hält ja noch nichts.

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