Straßenbar am Goetheplatz

Vergängliche Straßenbar am Goetheplatz

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Offenbach - Herrlich unkompliziert: Bei der Straßenbar am Goetheplatz fläzen sich die Besucher einfach aufs Pflaster. Das Dosenbier parkt auf dem selbstgebauten Tisch. Von Sarah Neder 

Die Laternen des Goetheplatzes bestrahlen 200 fröhliche Menschen. Von denen haben viele eine Bierdose in der Hand, die sie sich eben an einer aus Brettern und Regalen zusammengebauten Bar in der Mitte des Platzes gekauft haben. Die Gäste sitzen auf Sesseln, Eckbänken oder gepolsterten Stühlen, darunter liegen Teppiche. Was an diesem Abend als gastronomisches Inventar dient, ist – alles Sperrmüll.

Die spontan aufgebaute Kulisse nennt sich „Straßenbar“ und ist Kunst: eine Semesterarbeit von HfG-Studentin Viviane Niebling. „Ich bin regelmäßig an großen Sperrmüllhaufen vorbeigelaufen und habe tolle Sachen entdeckt, die nach einer Verwendung gerufen haben“, erzählt die 23-Jährige, die einen öffentlichen Treffpunkt vermisste, als sie vor einem Jahr nach Offenbach zog. Wieso also nicht eine Bar aus den alten Möbeln bauen? Im Seminar „Konzeptionelle Raumgestaltung“ bei Professor Heiner Blum entwickelte sie die Idee zum Projekt.

Viviane Niebling (links, mit einer Helferin).

Die vergänglichen Spontan-Bars heißen immer nach der Straße, in der sie aufgebaut werden. Termine für die Veranstaltungen gibt die Studentin kurzfristig auf Facebook bekannt. So trafen sich die ersten Besucher in der „Luisenbar“ an der Luisenstraße. Seit dem gelungenen Startschuss hat Viviane drei weitere Bars mit vielen Helfern in die Tat umgesetzt: Dort, wo ein geeigneter Sperrmüllhaufen liegt, steigt abends das Fest. Freunde, Kommilitonen, aber auch Anwohner helfen bereits nachmittags beim Bau der Bar. Sie schrauben, sägen und hämmern, so dass abends jeder Besucher einen Platz findet. Aus Regalen werden Tische, aus Kommoden Sitzgelegenheiten, aus Brettern eine richtige Theke. Töpfe, Pfannen, Pflanzen und Porzellan dienen als Dekoration. Nachts zerlegen die die Möbel wieder und stellen sie zurück auf den Sperrmüll. Das Aufräumen ist Niebling wichtig: „Es soll so aussehen, als wäre nie etwas gewesen.“

„Ein Integrationsprojekt“

Doch die Studentin legt nicht nur Wert auf den Do-it-Yourself-Charakter ihrer Spontan-Bars. „Es ist auch ein Integrationsprojekt, bei dem jeder mitmachen kann und Offenbacher so miteinander in Kontakt treten.“ Viele der Anwohner seien neugierig, wenn Niebling und die anderen Helfer anfangen, aus Schrott Möbel zu bauen.

Vor allem Kinder aus der Nachbarschaft zeigten großes Interesse am Handwerken, erzählt die Studentin begeistert. Sie schätzt die ungezwungene Atmosphäre vor, während und nach dem Fest. Deshalb bezeichnet sie ihre Pop-up-Treffpunkte auch nicht gern als Partys. Sie betont, vielmehr wolle sie eine gemütliche Stimmung schaffen, wie ein Wohnzimmer unter freiem Himmel. Aus Rücksicht auf Anwohner verzichtet die Studentin auf basslastige Musik und Verstärker. Stattdessen spielt mal ein Freund Gitarre.

Die Einrichtung der Straßenbar hat sich schnell herumgesprochen. Waren es bei der ersten Veranstaltung knapp 40 Gäste, kam zur „Goethebar“ schon etwa die fünffache Menge. Niebling ist nicht auf Gewinn aus. „Was wir mit den Getränken einnehmen, reicht aus, um die Materialkosten für Nägel, Schrauben oder anderes Werkzeug zu decken“, verdeutlicht sie. Die Neu-Offenbacherin freut sich, dass ihre Straßenbars so gut ankommen: „Manchmal kann die ganze Organisation ganz schön stressig sein, aber andere ermutigen mich immer, weiter zu machen.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass das Publikum noch gemischter ist, dass Studenten und Anwohner viele nette Abende miteinander verbringen. Denn Niebling findet: „Die Straßenbar ist eine gute Möglichkeit, Offenbach zu zeigen, wie es ist. Da muss man nichts stellen.“

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