Straßenbau am Hafen

Offenbach - Seit Jahren diskutiert Offenbach über die Entwicklung des ehemaligen Hafengeländes. Auf der weitgehend ungenutzten Industriebrache soll ein neuer Stadtteil entstehen - Oberbürgermeister Horst Schneider schwärmt schon vom „urbanen Leben am Fluss“. In dieser Woche beginnt die Stadtwerke-Tochter Mainviertel GmbH mit den Erschließungsarbeiten.

Der erste Bauabschnitt soll bis Dezember fertig gestellt werden und ist in fünf Phasen unterteilt. Zunächst werden am Nordring rund 70 Bäume gefällt und die Baustellen eingerichtet. Bis Juli legen die Bauarbeiter Ausweichrouten für die Zufahrt auf die Hafeninsel an, die Straßenführung am Nordring und auf der Carl-Ulrich-Brücke bleibt zunächst bestehen. In den Sommerferien wird dann der erste Teil der sogenannten Vorlandbrücke abgerissen. Die Carl-Ulrich-Brücke kann in dieser Zeit nur einspurig befahren werden, für die Verkehrsregelung wird eine Baustellenampel aufgestellt.

Am ersten Augustwochenende wird der Kreuzungspunkt Carl-Ulrich-Brücke/Kaiserstraße komplett gesperrt, um eine neue Verkehrsführung anzulegen und die Kreuzung auf das neue Niveau abzusenken. „Ziel ist es, den Verkehrsknotenpunkt vor der Brücke zu entwirren“, erklärt die Prokuristin der Mainviertel GmbH, Daniela Matha. „Der Nordring wird begradigt, wir legen eine Linksabbiegerspur auf die Carl-Ulrich-Brücke an und die Kreuzung wird auf die Höhe der umliegenden Bebauung gebracht.“

Nach dem Abriss des zweiten Teils der Vorlandbrücke wird im Herbst der neue Teil des Nordrings angelegt, der entlang der Bebauung direkt zur Kaiserstraße führen soll. Am Mainufer errichten die Bauarbeiter eine barrierefreie Rampe, die vom Parkplatz auf die Brücke führt. Außerdem wird die Regionalparkroute zwischen Aschaffenburg und Mainz geschlossen, die bislang an der Carl-Ulrich-Brücke unterbrochen wird. Die Kosten für die Umbauarbeiten betragen rund fünf Millionen Euro.

„Natürlich müssen die Anwohner während der Bauarbeiten mit gewissen Beeinträchtigungen rechnen“, erklärt Daniela Matha. „Aber sie werden von den Veränderungen sehr profitieren.“ So soll eine schattige Allee die Anliegerstraße zu einem attraktiven Aufenthaltsort machen und ein direkter Zugang zum Main den Bewohnern des Nordends neue Freiflächen erschließen.

Beim Bürgergespräch am Samstag im Hafen 2 stellten sich die Verantwortlichen den Fragen der Anwohner und versuchten Bedenken auszuräumen. Vor allem die zusätzliche Lärm- und Feinstaubbelastung während der Bauarbeiten bereiten den Anliegern Sorgen.

„Wir versuchen, die Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten“, versicherte Daniela Matha. „Von den Arbeiten auf dem Hafengelände selbst werden die Bewohner des Nordrings gar nichts mitbekommen.“

Auch zur Vermarktung der Grundstücke mussten sich die Projektentwickler kritische Fragen gefallen lassen. „Finden Sie in der heutigen Situation überhaupt Investoren?“, wollte ein Mann wissen. Man sei schon seit längerem mit potentiellen Käufern im Gespräch, so Matha. Es gebe durchaus zahlreiche Interessenten und im Zuge der Erschließung würden nun die ersten Grundstücke zum Verkauf angeboten, erklärte die Prokuristin.

Geschäftsführer Joachim Böger hatte vor wenigen Wochen erklärt, er sei zuversichtlich, dass bereits im Jahr 2011 die ersten Bewohner im Hafen einziehen werden. Das soll gelingen, obwohl die Firma UPS, die auf der anderen Mainseite ein Logistikzentrum betreibt, eine Klage gegen den Bebauungsplan angekündigt hat. Der Konzern fürchtet, dass eine auf 200 meter heranrückende Wohnbebauung ihr nachts viel Lärm verursachendes Zentrum gefährden könnte.

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