620.000 Euro für Straßenarbeiten

Nur noch das Notwendigste

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Lediglich für diese Plastikmänner ist die Instandhaltung des 220 Kilometer langen Straßennetzes ein Kinderspiel.

Offenbach - Ob’s Autofahrer beruhigt? Während 2013 etliche Baustellen für Staus sorgten, wird es das so nicht mehr geben. Ein Sonderbudget ist auf die Straße gebracht. Nun müssen jährlich 620.000 Euro ausreichen. Von Martin Kuhn 

Und täglich folgt der verstohlene Blick auf den Wetterbericht. Aktuell bringen Tiefausläufer sehr milde Luft nach Deutschland. Das dürfte die Verantwortlichen im Rathaus und beim Stadtdienstleister durchschnaufen lassen. Denn in den vergangenenen Jahren rissen strenge Fröste so manches Loch ins gut 220 Kilometer lange Offenbacher Straßennetz – und in der Folge in die notorisch klamme Stadtkasse. Da muss es doch konsequenterweise heißen: Nur ein milder Winter ist ein guter Winter.

Die generelle Aussage ändert sich seit Jahren nicht: „Für einen Grundaufbau fehlt das Geld“, sagt ESO-Sprecher Oliver Gaksch. Und auch das wiederholt sich: „Wir gehen nach wie vor von einem Investitionsbedarf in Höhe von 20 Millionen Euro aus, um das lokale Straßennetz in einen guten Zustand zu bringen.“ Legt man allein die allgemeine Inflationsrate und gefühlte Schlaglochdichte zu Grunde, dürfte schnell ein weitaus höherer Betrag zusammen kommen.

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Wie sich eine ordentliche Straßensanierung anfühlt, erfahren Pendler seit Herbst 2013 an den Kreuzungen des südlichen Umgehungsrings. Firmen erneuerten die Fahrbahndecken Rhönstraße/Bieberer Straße, Odenwaldring/Senefelderstraße, Odenwaldring/Waldstraße sowie Taunusring/Sprendlinger Landstraße. Rechnet man die letztgenannte ab Bahnüberführung Bismarckstraße hinzu, sind’s in etwa die restlichen 1,5 Millionen Euro aus einem ehemaligen Sonderprogramm. Gaksch betont, dass diese Maßnahmen jetzt abgerechnet werden. Erst danach zeigt sich, ob noch Mittel übrig sind. Also die letzte große Investition ins Offenbacher Straßennetz? „Nach dem aktuellen Stand – ja!“, so der Sprecher.

Keine konkreten Pläne

Über sein reguläres Budget vergab der kommunale Eigenbetrieb vergangenes Jahr weitere Arbeiten an Schutzbaum- und Markwaldstraße (40.000 Euro), Seligenstädter Straße (11.000 Euro), Schumannstraße (61.000 Euro), Odenwaldring (237.000 Euro), Bieberer Straße (239.000 Euro) und Schubertstraße (30.000 Euro). In der Summe sind es gerade mal 620.000 Euro, die dem ESO für die sogenannte Straßenunterhaltung bereitstehen.

Welche Straßen mit diesem Geld konkret gemacht werden, steht nicht fest. „Das Schadensbild entwickelt sich von Winter zu Winter weiter – leider.“ Heißt: Im Frühjahr erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme und dann die konkretere Planung. Fest steht für 2014 aber: „Deutlich weniger Mittel, deutlich weniger Maßnahmen.“ Das an der Daimlerstraße ausgegebene Ziel gleicht einem verbreiteten Offenbacher Mantra. „Mit wenig Mitteln möglichst viele sinnvolle Maßnahmen angehen“, formuliert Oliver Gaksch.

Das nervt auf Landstraßen am meisten

Das nervt auf der Landstraße am meisten

Die entscheidende Frage, auf die die Lokalpolitik noch keine Antwort parat hat: Wie soll eine Stadt mit einem großen Schuldenberg vergleichsweise kleine Asphaltlöcher schließen? Kaum hilfreich, wenn auch tröstlich: Das Thema beschäftigt etliche deutsche Kommunen. Daher ist eine ADAC-Stellungnahme zur Situation in Hannover wohl zu verallgemeinern. Da heißt es: „Es reicht nicht, lediglich die Schlaglöcher des Winters zu stopfen und Schönheitskorrekturen vorzunehmen. Wir fordern ein Umdenken – weg von der akuten Mängelbeseitigung, hin zur Erhaltung.“

Einen weiteren Anstoß gab unlängst der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg. Zur Sanierung der Straßenschäden sei eine „flächendeckende Lkw-Maut“ erforderlich, von der auch die Kommunen profitieren. Auch die Bundesländer müssten den Gemeinden wieder mehr Mittel zur Straßensanierung zur Verfügung stellen. Das kommunale Straßennetz sei vielerorts im schlechten Zustand. Wegen knapper Kassen werde seit Jahren „mehr geflickt als grundlegend saniert“, so Landsberg.

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