Schlaglöcher und Co.

Straßenbauer geben Gas - Autofahrer ausgebremst

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Reinigen, Bindemittel aufbringen, verfüllen. Mit dem „Patcher“ geht das alles in einem Arbeitsgang. So füllt der Stadtbetrieb ESO die schlimmsten Schlaglöcher.

Offenbach - Der ganz normale Wahnsinn: Stauen, drängeln, fluchen, hupen. Vor allem morgens und abends, wenn Berufstätige pendeln. Von Martin Kuhn

Seit Anfang der Woche ist das vermehrt an der Kreuzung Odenwaldring / Richard-Wagner-Straße zu beobachten, wo der kommunale Eigenbetrieb die Fahrbahn grundlegend erneuern lässt. Schon grummeln genervte Autofahrer: „Muss das sein, wenn ausgerechnet der Friedrichsring als alternative Parallelstrecke zu ist?“ Kurz und bündig: Ja.

Etwas weiter holt der ESO-Sprecher Oliver Gaksch aus. Gerade die großflächige Sanierung der Fahrbahndecken (zunächst etwa neun Zentimeter Oberfläche abfräsen, danach neue Asphaltdecke aufbringen) sei mit längerer Vorlauf- und Planungszeit verbunden, meist seien mehrere Firmen beauftragt, die den ganzen Sommer über arbeiteten. „Da ist nichts kurzfristig zwei Wochen nach hinten zu verschieben. Da sind die Unternehmen längst in der nächsten Stadt aktiv, auch dort termingebunden.“

Kurzfristige Aufhebung

Eine solch kurzfristige Aufhebung dürfte außerdem ein paar Euro kosten – ohne die entsprechende Gegenleistung. Im Fall des südlichen Rings kommt hinzu, dass der Stadtdienstleister ESO für die nächsten Wochen weitere Deckenerneuerungen vergeben hat: an den Kreuzungen Rhönstraße/Bieberer Straße, Odenwaldring/Senefelderstraße, Odenwaldring/Waldstraße, Taunusring/Sprendlinger. Da verbietet sich jede zeitliche Baustellen-Verschiebung auf der zentralen Verkehrsader von allein.

Ob es zur Befriedung der aktuell gestressten Gemüter genügt: Es dürfte die letzte große sommerliche Bauphase auf Offenbachs Straßen sein. Der ESO kalkuliert jährlich fest mit 620 000 Euro für die sogenannte Straßenunterhaltung. 2013 stehen aus einem Sonderbudget noch einmal 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Dabei ist unwidersprochen, dass es um den Zustand des lokalen, gut 220 Kilometer langen Straßennetzes schlecht bestellt ist. Der Sanierungsstau wird vorsichtig auf 20 Millionen Euro geschätzt. „Danach ist es die Aufgabe, mit dem Dezernat Lösungen zu überlegen, um die Situation zu verbessern“, so Geschäftsführer Markus Patsch bereits im Frühjahr.

ESO-Mitarbeiter im gesamten Stadtgebiet unterwegs

Nach dem späten Sommerbeginn sind die ESO-Mitarbeiter im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Zwei Teams, bestehend aus jeweils zwei bis drei Mann, reparieren mit Hand und Schaufel. Dabei setzen die Kolonnen in diesem Jahr auf ein neu auf den Markt gekommenes Material. Der „Kaugummiasphalt“ hat den Vorteil, dass er, anders als bisher eingesetztes Material, nicht vollständig aushärtet. „Mit jedem Fahrzeug, das über ein ausgebessertes Schlagloch fährt, verdichtet sich das Material und passt sich damit besser den Unebenheiten an“, so Gaksch.

Darüber hinaus begegnet der Eigenbetrieb den Winterschäden mittels des sogenannten Patch(=Flicken)verfahrens. Mit einem Spezialfahrzeug („Patcher“) bessern Mitarbeiter punktgenau Schaden und Schlagloch aus. Dieses wird zunächst per Luftdruck gereinigt und mit Bindemittel eingesprüht. Im Anschluss erfolgt das Auffüllen mit einem Splittgemisch, um die Schäden auf Fahrbahndecken zu beseitigen. Vorteil: Es werden mehrere Arbeitsschritte in einem Durchgang erledigt – Reinigung, Aufbringen der Bindemittel, Verfüllung. Eine beauftragte Firma ist mit einem weiteren Fahrzeug in Offenbach unterwegs.

So entsteht ein Schlagloch

So entsteht ein Schlagloch

„Wir kommen deutlich effektiver und schneller voran als früher“, sagt Gaksch. Darüber hinaus blieben längere Straßensperrungen aus, „was sich positiv auf den Verkehrsfluss auswirkt“. Weniger positiv sahen das Anwohner an den ultraheißen Tagen. Das Splittgemisch trocknete kaum ab, klebte eher an Autoreifen und Schuhen als am Untergrund. Da hat man dann doch lieber die Straße für einen Tag gesperrt.

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