Bürgeler Straßenfastnacht

Einfach mal den Schrecken nehmen

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Offenbach - Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei. . . . Bevor morgen Jupp Schmitz’ unkaputtbarer Hit angestimmt wird, geht’s heute uff die Gass’. Von Martin Kuhn

Ja, die Bürgeler Kappenfahrt (Start: 14.31 Uhr) bildet traditionell das Finale der tollen Offenbacher Tage vor dem obligatorischen Kehraus. Dann verstauen die Elferräte ihre Kappen in den Schränken, ehe sie am Elften Elften um elf Uhr elf wieder entstaubt werden. Zur Erinnerung: In der christlichen Zahlenmystik gilt die Elf als Zahl der Maßlosigkeit und der Sünde. Sie ist teuflisch, da sie das überschreitet, was anhand der zehn Finger und der gottgegebenen Zehn Gebote fassbar ist. „Wer die Zahl Elf feiert, bricht mit den göttlichen und weltlichen Gesetzen. Der Bezug zur Fastnacht als einem Fest, bei dem es ausgelassen und nicht immer gerade sehr christlich zugeht, ist insofern leicht herzustellen“, heißt es im Fastnachtslexikon des SWR. Herrlich, da kann man mal alle Elfe gerade sein lassen...

Das verbietet sich für das Offenbacher Prinzenpaar Manuela I. und Robert I. jedoch – gerade bei offiziellen Terminen. Während der Kampagne besuchten die beiden, die im „normalen“ Leben ein Paar sind, auch Kanzlerin Dr. Angela Merkel. Mit dabei waren Markus Braun und Dietmar Jerger, Sonderbeauftragter und Vizepräsident der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval, Hofmarschall Manfred Roth sowie Mundschenk Bernd Meuer. Da verlieren folgende Termine etwas an Glanz, obwohl sie alle zum dicken Terminkalender der OKV-Regenten zählen: Autogrammstunde bei Galeria Kaufhof und im Ringcenter, Fastnachtsgottesdienst in St. Pankratius, Besuch im Prinzenhaus Pies GmbH und bei Offenbacher Dienstleistungs GmbH. Puuh. Langjährige Verbindungen hegt die ODG übrigens nicht nur mit dem Offenbacher Karneval Verein, in dem Geschäftsführerin Ursula Ölcer seit vielen Jahren als Ehrenrat tätig ist. Auch zum aktuellen Prinzenpaar gibt es seit gut 15 Jahren andauernde Geschäftverbindungen. Denn was braucht jedes Handwerk? Handwerkskleidung und Arbeitsschutzmaterial! Und eben dieses wird in der Firma Pies angeboten.

Mit viel Hallau und lautem Tääterää

Und so mutierte dieser Prinzenempfang zu einer Warenlieferung. Im Prinzenfahrzeug stapelten sich mehrere Pakete mit Kitteln, Jacken und Hemden für die ODG-Mitarbeiter. Bevor das obligatorische Fläschchen Perlwein geöffnet wurde, erfolgte das Signet auf dem Lieferschein. „Der OKV dankte der Familie Ölcer für ihre jahrelange Treue und freut sich auf viele weitere gemeinsame Jahre der Zusammenarbeit“, heißt es in einer Mitteilung. Das würde Prinz Robert I. sicher auch für sein Unternehmen begrüßen.

Apropos begrüßen: Bei den diversen (Kinder-) Maskenbällen ist der Besuch der Lieblichkeiten ebenfalls angenehme Pflicht, auch wenn das Paar nicht allen närrischen Spielarten und Terminen beiwohnen kann. Da hat die Lustigkeit ihre Grenzen... So fehlten sie unter anderem beim 1. Hessischen Polizei- und Schutzhundeverein, der am Sonntag mit einem Teil seiner Vereinshunde einen kleinen Umzug organisierte. Mit viel Hallau und lautem Tääterää aus einem Megafon haben sie eine Stunde lang den Leonhard-Eißnert-Park und die angrenzenden Straßen „unsicher gemacht“. Die Hunde waren alle mit bunten Schleifchen, Hütchen oder Teufelshörnern ausgestattet und auch viele der Zweibeiner hatten sich maskiert.

Fastnachtsumzug in Bieber

Fastnachtsumzug in Bieber

Sinn dieser Übung ist es unter anderem, die Hunde auf ungewöhnliche Geräusche des städtischen Straßenverkehrs vorzubereiten und ihnen den Schrecken davor zu nehmen. Na, dann könnten sie ja heute bei der Kappenfahrt eine Fuß-, beziehungsweise Hundegruppe bilden. Wem selbst das zu viel ist, der kann ja folgendes beherzigen: Am besten ist, man bleibt zu Haus und sperrt den Wahnsinn einfach aus – zumindest bis zum Elften Elften, Hallau!!

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