Eine leuchtende Zukunft

Straßenlaternen auf LED-Technik umgerüstet

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Las Vegas hat 42.000 LED-Straßenlampen montiert. Die amerikanische Casino-Metropole senkt so die Energiekosten um etwa 1,5 Millionen Euro im Jahr. Naturgemäß fällt das in Offenbach etwas bescheidener aus. Was beide Städte eint: Sie minimieren die schädlichen CO2-Emissionen. Setzen in Lauterborn auf die Licht-emittierende Diode: Oberbürgermeister Horst Schneider und EVO-Chefin Heike Heim.

Offenbach - Nein, ausnahmsweise kein Spatenstich. Der Oberbürgermeister darf am frühen Abend den Lichtschalter betätigen. Der wird Horst Schneider in Lauterborn in Form eines Tablet-Computers gereicht. Von Martin Kuhn

Wenige Sekunden nach drei Bildschirm-Berührungen spenden die Leuchten entlang der Schubertstraße hell-weißes Licht. Na und? Nur wer etwas genauer nach oben schaut, erkennt an den 539 Laternen des Stadtteils Unterschiede zu anderen öffentlichen Leuchtkörpern. Aber wer läuft schon ständig als Hans-guck-in-die-Luft umher?

Die wenigstens wird es interessieren, was da genau Gehweg und Straße ausleuchtet. Hauptsache es macht hell und funktioniert. Da können die Experten aus Stadtverwaltung und vom lokalen Energieversorger nur lächeln. Sie haben allerlei Bestimmungen zu beachten, bis es ausreichend hell wird. Eine davon ist die Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG. Sie hat die verbesserte Energieeffizienz von Elektrogeräten zum Ziel – darunter fällt unter anderem die Straßenbeleuchtung.

Kernpunkt Quecksilberdampf-Hochdruckleuchten

Kernpunkt: Die weit verbreiteten Quecksilberdampf-Hochdruckleuchten (HQL) dürfen ab 2015 nicht mehr uneingeschränkt gehandelt werden; de facto bedeutet dies das Aus. Alternativ bieten sich  Natriumdampf-Hochdruckleuchten (NAV) oder eben Licht-emittierende Dioden (LED) an. Während die Verantwortlichen der hell erstrahlten US-Wüstenstadt Las Vegas überwiegend auf LED setzen, kalkulieren die Offenbacher knallhart durch: „Unterm Strich muss es sich rechnen. Der Energieersparnis stehen die Investitionskosten gegenüber. Das kann sich von Straße zu Straße unterscheiden“, sagt Peter Roser, bei der EVO zuständig für Instandhaltung der Straßenbeleuchtung.

Ein wahrlich weites Feld: Der Energieversorger ist für gut 20.000 Straßenleuchten in Stadt und Kreis zuständig. An der Andréstraße folgen sie nicht vorbehaltlos dem LED-Trend. Ein Langzeitversuch ist auf zehn Jahre angesetzt. Das entspricht der durchschnittlichen Lebensdauer einer solchen Diode. „Erst danach sehen wir, ob sich die Berechnungen und Versprechen der Anbieter in der Praxis halten lassen“, erläutert Roser.

Technik mittlerweile ausgereift

Bislang lässt sich festhalten, dass die Technik mittlerweile so ausgereift ist, „dass sie in der Praxis eingesetzt werden kann“, so EVO-Chefin Heike Heim. Im Stadtteil wurden 539 Laternen auf stromsparende LED-Beleuchtung umgerüstet. „Lauterborn ist damit Vorreiter für die städtische Straßenbeleuchtung der Zukunft“, betont Horst Schneider. Das wurde im wahren Sinn auch Zeit: Mit im Durchschnitt 30 Jahren war die alte Beleuchtung ohnehin auszutauschen.

Die EVO-Techniker installierten die Leuchten Philips Iridium2 und Mini Iridium, die sich problemlos durch ein Stecksystem erweitern lassen. Diese Typen waren gut in die bestehenden Leuchtkörper einzubauen. Parallel verlängerten die Experten 201 Masten. Mit der LED-Technologie ist zugleich ein modernes Lichtmanagement installiert. „Jetzt können wir vom PC aus jede einzelne Leuchte separat ansteuern und dimmen“, so die EVO-Vorstandsvorsitzende.

Das Amt für Stadtplanung als Auftraggeber hat eine CO2-Minderung von 218 Tonnen pro Jahr errechnet, bei einer Energieeinsparung von 90 Prozent. Der Verbrauch der Altanlage lag bei 416.449 Kilowattstunden (KWh). Die Neuanlage verbraucht 46 092 KWh jährlich. Beim aktuellen Energiepreis spart die Stadt 76.000 Euro jährlich. Heißt: Mit der Energieeinsparung und dem Förderungszuschuss amortisieren sich die Investitionskosten im Vergleich zur Umrüstung auf NAV in fünf Jahren.

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Die Umrüstung auf die LED-Beleuchtungs-, Steuer- und Regelungstechnik in Lauterborn war mit 450.000 Euro veranschlagt. Im nächsten Schritt sind 259 Leuchten in Waldhof (Wohngebiet links der Schutzbaumstraße) von HQL auf LED umzurüsten. Auch dieses Projekt wird von der BMU-Klimaschutzinitiative gefördert.

Weitere Informationen:

www.evo-ag.de/led

Das ist alles schön und gut. Aber geht der Energieversorgung da nicht eine erhebliche Einnahmequelle verloren? „Nein“, betont Heim, „es war schon immer unser Interesse, dass die Energie sinnvoll verbraucht wird. Die EVO setzt auf Energieeffizienz.“ Daher baue der Versorger beispielsweise die Energieberatung konsequent aus und verbessere kontinuierlich den Wirkungsgrad der Kraftwerke. 

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