Straßenverkehr in Offenbach

Autofahrer sind genervt und irritiert

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Der ADAC hat sich bei Autofahrern umgehört. Die beklagen zu viele Schilder. Oft ist die Bedeutung unklar. Das gibt es auch in Offenbach. Obwohl sich die Verwaltung um eine stete Lichtung des Schilderwalds bemüht. In den vergangenen Jahren verschwanden mehr als 1200 Schilder.

Offenbach - Es ist kein Dauerärgernis. Aber immer wieder sind Autofahrer irritiert und melden sich in der Redaktion. Sie klagen über die Ampelschaltung und die in ihren Augen missglückte Beschilderung an der sogenannten Y-Tangente am Stadion. Von Martin Kuhn

Das Schild fordert: „Bei Rot hier halten. “ Die dazugehörige Haltelinie ist klar zu erkennen. „Aber welche Ampel muss Rot zeigen – die vordere oder die hintere?“, fragt ein Leser. Wir reichen die Frage weiter an einen Verkehrsexperten. Jan Schmidbauer, Fachreferent in der Offenbacher Straßenverkehrsbehörde, antwortet umgehend. „Wie so oft: Die einfachste Lösung ist auch die (rechtlich) korrekte Lösung.“ Und die heißt: Die Haltelinie und das Verkehrszeichen „Bei Rot hier halten“ vor der Ausfahrt vom „Am Aussichtsturm“ gilt natürlich für die erste direkt folgende Lichtsignalanlage – also nicht für die zweite an der Kreuzung zur B448. Rechtlich betrachtet haben Haltelinie und entsprechende Beschilderung immer nur Bezug auf die direkt folgende Ampel – auch wenn die danach folgende Signalanlage in Sichtweite ist.

ADAC: Ein Drittel aller Verkehrsschilder überflüssig

Da zumindest liegt die Stadt auf einer Linie mit dem ADAC. Der größe deutsche Automobilclub hält ohnehin ein Drittel der bis zu 25 Millionen Verkehrsschilder in Deutschland für überflüssig. Er fordert deshalb, unnötige, unklare und falsch platzierte Schilder abzubauen. „Halte- und Parkverbotsschilder können durch entsprechend markierte Parkzonen verringert werden. Daneben müssen der selbsterklärende Sinn von Piktogrammen überprüft und eindeutige Symbole verwendet werden“, heißt es in einer Mitteilung. Da stimmt jeder Autofahrer sicher sofort zu. Rainer Buck, Chef der lokalen Straßenverkehrsbehörde, möchte da hingegen nicht vorbehaltlos einstimmen in diesen Chor. Er betont jedoch, dass die alle zwei Jahre anberaumte Verkehrsschau, die auch die Situation an der Y-Tangente korrigierte, ein probates Mittel sei, den lokalen Schilderwald zu sichten und zu lichten.

Üppiger Grünwuchs sorgt mitunter für Mangel an Durchblick. Daneben: Der zweite Blick zeigt, dass der Lastwagenfahrer hier irgendwie falsch fährt.

In den vergangenen Jahren verschwanden beinahe unbemerkt etwa 1250 Schilder aus Offenbachs Straßen. So wurde die jüngste Reform der Straßenverkehrsordnung (STVO) 2009 wörtlich genommen; entbehrliche Schilder wurden gar nicht mehr ersetzt. Von den geschätzt etwa 12 000 Verkehrszeichen in Offenbach kann aber nicht jedes bedenkenlos demontiert werden. Da ist beispielsweise die wegweisende Beschilderung, die Autos rechtzeitig auf die richtige Fahrspur lenkt. Oder aber die umfangreichen Vorfahrtregelungen im gut 260 Kilometer langen lokalen Straßennetz. Ebenfalls nicht wegzudenken: die Schilder, die die Straßen und Wege benennen – unabdingbare Orientierung für Rettungskräfte und Ortsfremde.

Die lustigsten Schilder der Welt

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Eine Hauptkritik, resultierend aus der ADAC-Umfrage, an der gut 1000 Autofahrer teilnahmen: 38 Prozent meinten, der Wald aus Park- und Halteverbotsschildern gehöre kräftig durchforstet. Besser seien Linien am Fahrbahnrand, die Park- und Halteverbote markieren, oder die Ausweisung von Parkzonen. Ein heikles Thema. „Wie soll das mit dem Parkraum-Management in einer Großstadt korrespondieren?“, gibt Rainer Buck die Axt zurück. Ziel des Offenbacher Bewohnerparkens ist es, „den knappen Parkraum in der Innenstadt unter den unterschiedlichen Nutzergruppen – Langzeitparker, Bewohner, Besucher, Kurzzeitparker – angemessen zu verteilen“. Zehn solcher Zonen gibt es mittlerweile in Offenbach. Ohne umfassende Beschilderung wohl nicht zu regeln.

Bleibt festzuhalten und an einem Beispiel festzumachen – Montage und Demontage ist eine fortwährende Übung. So machte in Offenbach die Ausweisung der Tempo-30-Zonen etliche Schilder an Kreuzungen und Einmündungen überflüssig. Hingegen erfordert die Öffnung von Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr das Gegenteil: Sie macht neue Schilder und Markierungen notwendig. Sind Schilder übrigens zugewuchert, ist mitnichten die Verkehrsbehörde zuständig. Für „Straßenunterhaltung und Verkehrssicherungspflicht“ sorgt der Stadtdienstleister ESO. Der lichtet nach Hinweis zeitnah...

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