Straßenverkehr

Gefährliches Pflaster für Kinder

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Zu viele Kinder verunglücken in Offenbach im Straßenverkehr. Von 2006 bis 2010 waren es insgesamt 311. Todesfälle gab es glücklicherweise keine. Die Stadt liegt dennoch ganz hinten in einer bundesweiten Tabelle mit vergleichbar großen Städten.

Offenbach - In kaum einer vergleichbaren Großstadt ist das Risiko, als junger Teilnehmer im Straßenverkehr zu verunglücken, größer als in Offenbach. Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Erhebung. Von Fabian El Cheikh

Kinder in Offenbach leben offenbar besonders gefährlich. Jedenfalls werden sie auffällig häufig bei Verkehrsunfällen leicht oder schwer verletzt. Diese Erkenntnis gewinnt, wer einen Blick in den neuen Kinderunfallatlas wirft, den das Bundesamt für Straßenwesen (BAST) veröffentlicht hat. Der im Dezember erschienenen Studie zufolge sind hessische Kinder in den Städten Offenbach und Darmstadt am stärksten gefährdet. Bundesweit sind Magdeburg und Lübeck Schlusslichter (siehe Grafik 2). Dagegen darf sich der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises freuen: „Wir gehören zu den Inseln der Verkehrssicherheit in Deutschland“, ließ Burkhard Albers (SPD) jüngst mitteilen.

In Offenbach sind im Erhebungszeitraum von 2006 bis 2010 insgesamt 311 Kinder im Alter bis einschließlich 14 Jahren verunglückt. Besonders häufig, wenn sie zu Fuß unterwegs waren, aber auch auf dem Fahrrad oder als Mitfahrer im Auto von Eltern oder Freunden (dazu Grafik 1). Ein Ergebnis, das die Stadt keineswegs erfreut. Deren Sprecher, Matthias Müller, betont daher explizit: „Jeder Unfall mit einem Kind ist ein Unfall zuviel.“ Der Sprecher verweist auf ähnliche Erhebungen von Polizei, Land Hessen und Stadt Offenbach, in denen sich schon in der Vergangenheit gezeigt habe, dass die Stadt beim Vergleich von Unfallzahlen regelmäßig einen vorderen oder eben hinteren, jedenfalls einen schlechten Platz einnimmt.

Hohe Verkehrsdichte als Ursache

Als Ursache sehen er, aber auch Polizeisprecher Josef-Michael Rösch vor allem die hohe Verkehrsdichte. „Wir haben auf einem kompakten, relativ kleinen Stadtgebiet eine sehr hohe Anmeldung von Kraftfahrzeugen, hinzu kommt der Durchgangsverkehr“, so Müller. Rösch ergänzt: „Die zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet spielt eine besondere Rolle sowie die hohe Zahl von Pendlern aus und nach Offenbach.“ Zu den langjährigen Unfallschwerpunkten zählen nach Auskunft der Offenbacher Polizei der Kaiserleikreisel sowie die Kreuzungen der Unteren Grenzstraße mit der Bieberer und der Mühlheimer Straße. Zahlreiche Unfälle ereigneten sich 2011 (aktuellste Zahlen) aber auch an den Kreuzungen Sprendlinger Landstraße/Taunusring/Odenwaldring und Kaiserstraße/Berliner Straße.

Echte Unfallschwerpunkte sieht Joachim Bier-Kruse, Bereichsleiter der städtischen Verkehrsplanung, dagegen nicht. Er ist vor allem froh, dass es in den vergangenen Jahren nur wenig „wirklich schlimme“ Unfälle gab, in denen es zu schwerwiegenden Personenschäden kam. „Auch die Zahl der Verkehrstoten ist zum Glück gering.“ Kinder sind in den vergangenen drei Jahren, bestätigt die Polizei, auf Offenbacher Straßen jedenfalls nicht ums Leben gekommen. Müller verweist darauf, dass die Stadt vor allem in der Nähe von Schulen und Kitas einige Maßnahmen umgesetzt habe, um Kinder so weit wie möglich vor Gefahren zu schützen. Er nennt Tempo-30-Zonen, Einrichtung von Zebrastreifen und Fußgängerampeln sowie regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen.

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