Bäumchen wechsel dich

Bürgel - Pro Bürgel hat’s schon immer gesagt: Die Baumkübel müssen weg. Jetzt sind aber nur die Bäume dran. Ein Gutachten hat ergeben, dass die falsche Sorte gepflanzt wurde. Die Kübel selbst bleiben stehen. Von Martin Kuhn

Ihre Ablehnung trugen Mitglieder von Pro Bürgel vor drei Jahren recht plakativ zur Schau: „Herr Schneider, die Küwwel seh’n scheiße aus“, stand auf den blauen T-Shirts. Das Gezänk geht wohl weiter. Und es ist nicht zu erwarten, dass der Vereinsvorstand um Michael „Mike“ Maier klein beigibt, selbst wenn die Bäume in den 14 Pflanzkübeln entlang Lang- und Offenbacher Straße jetzt ausgetauscht werden. Dabei ist das Meinungsbild nach Ansicht von Maier eindeutig. Um das abzuklopfen, startete Pro Bürgel 2012 sogar eine Umfrage. Ergebnis: Die meisten der 400 befragten Bürger finden die Pflanzkübel hässlich und überdimensioniert. 85 Prozent, in den betroffenen Straßen sogar 96 Prozent, wollen, dass sie ersatzlos entfernt werden. Und seit dieser Zeit erinnert Maier, der für die CDU im Stadtparlament sitzt, Oberbürgermeister Horst Schneider, immer wieder gern, einige würden sagen: genüsslich, daran, sein Versprechen zu halten.

Schneider sagte seinerzeit: „Wenn die Kübel woanders hin sollen ... bitte. Da finden wir eine andere Stelle in der Stadt.“ Allerdings koppelte der Verwaltungschef es damals wie heute daran, dass sich eine Mehrheit gegen die Kübel findet. Die sieht er bei 9627 Einwohnern im statistischen Bezirk weiterhin nicht, betonte er der jüngsten Bürgerversammlung. Und an die Adresse Maiers: „Ich frage Sie allen Ernstes: Haben wir in der Stadt keine anderen Probleme?“

Zur Tauschaktion: Die Kübel wurden vermeintlich mit kleinkronigen Rotahornbäumen sowie Berberitzen bepflanzt. Verwaltung und Stadtdienstleister stellten bereits zum Ende der zweiten Vegetationsperiode fest, dass sich die neu gepflanzten Ahorne überraschend wüchsig zeigten – bis zu 70 Zentimeter pro Jahr. Dies führte zu dem Verdacht, dass es sich bei den gepflanzten Ahornen nicht um die gewünschte Sorte handelt.

Anhand mehrerer Merkmale erkannten lokale städtische Baumexperten, dass der angebliche Rotahorn Eigenschaften des Silberahorns aufweist. Mit den verfügbaren Mitteln konnten sie aber nicht abschließend feststellen, um welche Sorte es sich tatsächlich handelt. Auch hinzugezogene Fachleute aus der Rhein-Main-Region maßten sich keine sichere Bestimmung der Sorte an. Eine abschließende Bestimmung der Ahorne gelang erst im Verlauf des Jahres durch eine genetische Untersuchung und den Vergleich mit dem Referenzmaterial des Züchters in Washington.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei den Ahornen in Bürgel um eine Kreuzung aus Rot- und Silberahorn handelt, die bis 20 Meter hoch und zwölf Meter breit werden kann. „Diese Baumart ist für diesen Straßenraum als Pflanzung im Kübel ungeeignet“, heißt es im Rathaus. Der Lieferant wurde aufgefordert, die falsch gelieferten Bäume auszutauschen. Im Einvernehmen mit der Baumschule werden die Ahorne ab dem 1. Dezember gegen Säulen-Blumeneschen derselben ursprünglichen Pflanzgröße ausgetauscht. Die Blumenesche zeichnet sich im Mai/Juni durch ihre cremeweißen, angenehm duftenden Blüten aus. Sie ist stadtklimafest, wächst langsam und wird nur so groß wie der ursprünglich geplante Rotahorn – maximal zehn Meter. Austausch und Anwuchspflege sind für die Stadt kostenlos. Dennoch entlockt das alles Maier nur eine kurze Anmerkung: „Die Bezeichnung Treppenwitz ist für den nunmehr vorgesehenen Austausch der Bäume durchaus gerechtfertigt.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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