Streit um Bus in Bürgel

Schleife um Böckler-Siedlung

+
An der Brandenburger Straße soll auf der rechten Straßenseite eine neue Bushaltestelle entstehen.

Offenbach - Die geplante OVB-Linienführung in Bürgel sorgte für Protest. Daher rollen Busse künftig nicht durchs Häusle-Viertel, sondern um die Hans-Böckler-Siedlung. Neue Haltestellen sind notwendig, wenn die Linie 108 weitergeführt wird – im Dezember 2016. Von Martin Kuhn 

Man erinnert sich vage: Kritische Stimmen flammten im Januar 2013 auf, als die OVB vorschlugen, eine neue Buslinie, die künftig verlängerte 108, durchs Bürgeler Ein-Familien-Haus-Viertel rund um die Brandenburger Straße zu führen. Gut 300 Anlieger bekundeten per Unterschrift seinerzeit ihre Ablehnung. Letztlich erfolgreich. Brandet jetzt neuer Ärger auf? Denn der Magistrat will vom Stadtparlament einen Projektbeschluss abgesegnet haben, um zwei neue Haltstellen zu bauen – an der Hans-Böckler-Siedlung. Dafür fallen wohl einige inoffizielle Parkplätze weg.

Die heutige OVB-Linienführung (rot: Linie 101, blau: Linie 107) am östlichen Ortsende von Bürgel ist simpel. Geändert wird das, wenn die ersten Häuser im Baugebiet Bürgel-Ost entlang des Mainzer Rings stehen. Ab Dezember 2016 wird die Linie 107 gekappt.

Es geht wieder einmal ums Geld, das bekanntlich in Offenbach nicht vorhanden ist. Grundproblem auch für den lokalen Öffentlichen Personen-Nahverkehr: Es muss gespart werden, obwohl die Anbindung neuer Baugebiet wie etwa Hafen, Waldheim-Süd und Bürgel-Ost vorgeschrieben ist. Die Offenbacher Busverkehre werden nicht mit dem dicken Rotstift zusammengestrichen. Gespart wird mit vielen kleinen Einschnitten. Das heißt beispielsweise für den Osten der Stadt:Bürgel und Rumpenheim gelten durch die Anbindung mit den OVB-Linien 101 und 107 sowie künftig mit der Linie 108 als überversorgt. Letztgenannte verkehrt bereits zwischen Kaiserlei, Hafen und Marktplatz und soll auch Bürgel-Ost bedienen, wenn dort die ersten Häuser stehen.

Angedachte Lösung scheitert an Protest

Angedachte und letztlich gescheiterte Lösung: Die 107 sollte in Bürgel eine Wendeschleife durch Mecklenburger, Brandenburger und Anhalter Straße einlegen, um nicht als dritte Linie bis zum Rumpenheimer Schlosspark (nächste Wendemöglichkeit) zu fahren. Einsparvolumen: 300.000 Euro. Das scheiterte am eng begrenzten Protest, dem das Parlament nachgab: „Warum soll man Leute beglücken, die nicht beglückt werden wollen?“, hieß es damals vor der Abstimmung.

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Buslinien: Ausdünnung ab Winter 2014

Punktuelle Ausdünnung im Nahverkehr

Bus in Bürgel: Es gibt keine Alternative

Nun ist eine andere Schleife angesagt, an der eine parlamentarische Arbeitsgruppe mitgewirkt hat. Von der Rumpenheimer Straße geht’s hinter der Hans-Böckler-Siedlung links in die Brandenburger Straße, wo eine Endhaltestelle mit Pausenposition – für jede zweite Fahrt! – notwendig wird. Die dort startenden Busse rollen über Brandenburger und Anhalter Straße zurück auf dem stadteinwärts führenden Linienweg über die Rumpenheimer Straße (Linie 107) beziehungsweise den Mainzer Ring (Linie 108). Notwendig dafür sind eine weitere Halteposition in der  Anhalter Straße und die Zustimmung der Stadtverordneten zum Gesamtpaket.

Haltestellen erst im Dezember 2016 benötigt

OVB-Sprecherin Christine Wüst bremst jedoch etwas. „Wir benötigen diese Haltestellen erst im Dezember 2016 zum dann anstehenden Fahrplanwechsel 2016/17“, betont sie. „Das steht in Korrelation mit der Weiterführung der Linie 108.“ Im Detail sieht diese Baumaßnahme (95.000 Euro inklusive Planungskosten) zwei barrierefreie Haltestellen mit „Kasseler Sonderbord“ und „taktilen Leitelementen“ vor. Die Flächen für Wartehallen werden vorgesehen, deren Aufstellung ist aus dem „Werbenutzungspool für Wartehallen“ kostenneutral zu einem späteren Zeitpunkt geplant.

An der Brandenburger Straße soll auf der rechten Straßenseite eine neue Bushaltestelle entstehen. Die Busse biegen aus Bürgel kommend hinter der Hans-Böckler-Siedlung links ab, wo eine sogenannte Endhalteposition entsteht. Über die Anhalter Straße geht’s zurück. 

Da es sich an der verlängerten Brandenburger Straße um eine Endhalteposition handelt und die Straße sehr eng ist, muss ein etwa ein Meter breiter Streifen des östlichen Grundstücks genutzt werden. Für die Eingriffe sind sogenannte „Ausgleichsmaßnahmen in Form von Baum- und Gehölzpflanzungen sowie Flächenentsiegelungen im unmittelbaren Umfeld abgestimmt“, heißt’s in der Magistratsvorlage. Von wegfallenden Parkflächen, die dort mit Zeit nicht ganz legal entstanden sind, ist nicht die Rede. Vielleicht starten die Bewohner ja eine Unterschriftenaktion...

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare