Spitze des Gremiums unbesetzt

Streit im Offenbacher Seniorenrat

Altersarmut ist eines der Themen, denen sich der Seniorenrat widmet. Aktuell ist inhaltliches Arbeiten allerdings schwierig.
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Altersarmut ist eines der Themen, denen sich der Seniorenrat widmet. Aktuell ist inhaltliches Arbeiten allerdings schwierig.

Seit 2013 gibt es in Offenbach einen Seniorenrat. Das mit 15 Mitgliedern gestartete und mittlerweile auf zehn Seniorinnen und Senioren geschrumpfte Gremium versteht sich laut Satzung als Interessensvertretung der älteren Einwohner Offenbachs.

Offenbach – „Wir pflegen und fördern Kontakte und den Erfahrungsaustausch zwischen den Trägern der Offenbacher Seniorenarbeit und halten engen und kooperativen Kontakt zu Stadtverwaltung, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung in Seniorenfragen“, heißt es denn auch auf der Internetseite des Seniorenrats. Tatsächlich waren die Aktivitäten in den vergangenen Jahren vielfältig, wie die jährlichen Tätigkeitsberichte belegen: Es ging um die Aufstellung altersgerechter Bänke im Stadtgebiet ebenso wie um öffentliche Toiletten oder auch um das große Thema Altersarmut. 2018 war gar die Planung von Ü-90-Partys Gegenstand des Berichts.

Vom Schwung der vergangnen Jahre ist derzeit aber wenig zu spüren. Und das liegt nicht nur an Corona. Der gerade veröffentlichte Tätigkeitsbericht für 2020 zeichnet das Bild eines ziemlich zerstrittenen Seniorenrats, bei dem inhaltliches Arbeiten nur mühsam möglich ist. Wie zu hören war, sind sogar Stimmen laut geworden, das Gremium aufzulösen.

Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die aktuelle Lage wohl damit begann, dass der Vorsitzende Wolfgang Reuter im November 2019 für den Posten nicht mehr zur Verfügung stand. Der Ex-Oberbürgermeister hatte bereits bei Übernahme des Amtes in der zweiten Legislaturperiode im November 2018 angekündigt, es nur für ein Jahr machen zu wollen.

Seine damalige Stellvertreterin Annegret Biermann stellte sich als einzige zur Wahl als Vorsitzende, trat aber unmittelbar danach – noch in der gleichen Sitzung – „wegen auftretender Differenzen“ wieder zurück. Die nächsten Treffen kurz vorm ersten Lockdown fanden unter der Regie eines Mediators statt, es sollte eine Aussprache und eine Neuorientierung geben, doch „die Spannungsverhältnisse stehen nach wie vor im Raum“, heißt es im Tätigkeitsbericht.

Weitere Sitzungen fanden im September und Oktober 2020 statt, immerhin waren bis dahin Anträge für mehr öffentliche Toiletten und mehr Bänke im Stadtgebiet sowie für altersgerechte Wohnungen in GBO-Immobilien auf den Weg gebracht worden.

Normalität stellte sich offenbar aber noch immer nicht ein: Bis zum Jahresende traten vier Mitglieder aus, durch zwei Todesfälle wurde der Seniorenrat weiter dezimiert. Derzeit besteht er dank eines Nachrückers aus zehn Personen.

Am Laufen hält den Laden im Moment die stellvertretende Vorsitzende Margit Hönig. „Ich habe den Anspruch, durch diese schwierige Situation durchzukommen“, gibt sich die 76-Jährige kämpferisch. Der größte Teil des Seniorenrats habe signalisiert, weitermachen zu wollen. Zugleich erinnert Margit Hönig daran, dass es auch in der ersten Legislaturperiode des Seniorenrats von 2013 bis 2018 immer wieder mal Spannungen und Reibungspunkte gegeben habe.

Sozial-Stadträtin Sabine Groß sieht die derzeitige Situation beim Offenbacher Seniorenrat mit ein wenig Sorge und betont zugleich die Bedeutung des Gremiums für die Stadt. Man werde sich nun anschauen, wie Seniorenräte in anderen Kommunen arbeiten und möglicherweise strukturell etwas ändern, sagt sie. (Von Matthias Dahmer )

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