Gepöbel auf dem Parkplatz

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Auf dem P&R-Platz neben dem S-Bahnhof Offenbach-Ost gibt es etwa 200 günstige Stellplätze. Gegenüber, an der Hebestraße, ist Parken allerdings kostenlos. Foto:

Offenbach - Möglich, dass sich da ein Genervter nicht ganz im Klaren darüber war, dass sein Verhalten bei anderen Zeitgenossen als Frechheit ankommen könnte. Möglich auch, dass einfach zwei Charaktere mit einem Stich ins Cholerische aufeinanderprallten. Von Marcus Reinsch

Ganz sicher aber, dass Matthias Müller nicht auf sich beruhen lassen will, was ihm Dieter Busse aus Groß Nemerow in Mecklenburg-Vorpommern am 19. September schilderte.

Kann Müller schon von Berufs wegen nicht. Als Stadtsprecher ist seine Aufgabe die positive Darstellung Offenbachs nach außen. Und was Busse auf dem Park & Ride-Platz am S-Bahnhof Offenbach-Ost erlebt haben will, taugt nun wirklich nicht als Werbung für eine Stadt, die in der Welt gerne etwas beliebter wäre.

Busse war am 17. September zum ersten und, wie er Müller später per Mail versicherte, zum letzten Mal in Offenbach. Seine Gattin und er waren mit dem Wohnmobil angereist, hatten das Vehikel auf dem kostenpflichtigen Parkplatz für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen abstellen, mit der S-Bahn nach Frankfurt reisen und danach in Offenbach etwas bummeln wollen, um anschließend weiterzufahren. Aber schon Punkt eins der Tagesordnung - Parken - scheiterte grandios. Busse: „Als sich meine Frau an dem Parkscheinautomat über die Gebühren und die Parkdauer informieren wollte, wurde sie von einem Herrn angesprochen, der sich als Parkplatzbesitzer ausgab, und von ihm darauf hingewiesen, dass wir hier nicht stehen bleiben könnten. Das sei kein Campingplatz.“

Für ihren Einwand, dass sie nicht übernachten, sondern nur parken wollten, habe sich der Mann nicht interessiert. „Wir wurden auf ganz üble Weise angepöbelt und des Platzes verwiesen. Ja, es wurde mir sogar mit der Polizei gedroht, wenn wir nicht sofort verschwinden.“ Die Busses „verließen Offenbach fluchtartig“, bekamen dabei aber noch mit, „dass dieser Flegel noch mit einem anderen Parkplatzbesucher einen Disput hatte, der sich daraufhin auch sehr erregt hat“. Die Busses finden, es „schadet dem Ansehen der Stadt, wenn Gäste so behandelt werden“.

Findet Stadtsprecher Müller auch und hat dem vergraulten - von seiner Mühe mittlerweile aber wieder versöhnten - Ex-Besuch aus dem Nordosten der Republik angekündigt, beim Parkplatzbetreiber zu intervenieren. Das ist die auf Gebäude- und Anlagenmanagement spezialisierte Erlanger Kneuer GmbH, die das 30000 Quadratmeter große Gelände am Ostbahnhof im Juli 2005 von der Aurelis Real Estate übernahm.

Bei Thomas Tanzberger, dem Kneuer-Bereichleiter für Süddeutschland, ist die Verwunderung über die Verwunderung groß. Das mit günstigen Stundengebühren und Langzeitpauschalen lockende Offenbacher Areal, einst als Treffpunkt von Drogenkonsumenten verschrieen, sei zwar in der Tat ein problematisches, weil „die Summen, die wir dort einnehmen, gerade mal die Kosten decken“ und es „leider Gottes immer wieder illegale Müllablagerungen“ zu beseitigen gebe. Aber dass sich „zwei Menschen emotional begegnen, das passiert auf dieser Welt eine Milliarde mal am Tag“. Und mehr sei der Streit mit der „sehr engagierten“ Kneuer-Aufsichtsperson vor Ort, einem in Bahnhofsnähe wohnenden älteren Offenbacher, auch nicht gewesen.

Aus dessen Sicht hat sich die Sache übrigens etwas anders zugetragen. Auch in seiner Version endet die Begegnung zwar mit einem Platzverweis. Zuerst pampig geworden sei aber nicht er, sondern das Ehepaar mit dem Wohnmobil.

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