Politik nimmt Stellung

Zuspruch für die Pferdekoppel

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Dieses Bild ist Alltag neben der Pferdekoppel an der Obermühle – die „Bonifer Hills“. Der Erdaushub wird voraussichtlich nach Waldhof umziehen.

Bieber - Der Streit um die Pferdekoppel hinter der Obermühle ruft die Politik auf den Plan. Wie berichtet, droht dem Pächter Gerhard Niewiera eine Räumung wegen „rechtswidriger“ Pferdehaltung auf dem als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesenen Grundstück. Von Veronika Szeherova

Damit wäre ein seit 37 Jahren beliebtes Bieberer Ausflugziel Geschichte. Niewieras Anwalt argumentiert, die Stadt könne nicht mit Räumung drohen, solange die Firma Bonifer auf dem Nachbargrundstück Erdaushub lagere – was eine „illegale und störende Nutzung“ sei.

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„Warum um den Bestand der Pferdekoppel und Katzenheimat in den Bieberauen gestritten werden muss, während nebenan ein weiteres Grundstück, das wohl der Stadt gehören müsste, weiterhin als Abfallplatz für Bauschutt genutzt wird, erschließt sich mir nicht“, sagt der Bieberer CDU-Stadtverordnete Gerhard Länder. Die Offenbacher CDU-Fraktion fordert Klarheit in Bezug auf die Eigentumsverhältnisse, denn die Zustände bei den „Bonifer Hills“ seien „unhaltbar“. Zugunsten einer Erhaltung der Koppel müssten alle rechtlichen Möglichkeiten der Stadt genutzt werden, verlangt Länder. „Ich meine, dass auch eine Duldung in Betracht kommt, da von dieser Einrichtung keine unmittelbare Gefahr ausgeht.“

Auch die Bieberer SPD fordert ganz klar „Pferdekoppel statt Sandhügel“. Die Folgen der „Hills“ seien täglich zu beobachten, klagt der Vorsitzende Jens Walther: „Lastwagen fahren über die dafür nicht ausgelegte Bremer Straße und nutzen diese sowie die Feldwege ab. Die Anwohner reklamieren zu Recht Lärm und weitere Beeinträchtigungen.“ Die Gegend um die Obermühle solle einen Besuch wert sein. „Dazu gehören nicht die Hügel, wohl aber die Pferdekoppel sowie die Schafswiese“, meint Walther und sichert Umweltdezernent Peter Schneider (Grüne) volle Unterstützung seitens der SPD Bieber zu für die Erhaltung der Koppel.

Genehmigungsverfahren: 14 Ämter beteiligt

Klaus Bonifer, Geschäftsführer des Bieberer Fuhrunternehmens Bonifer, bestätigt den Grundstückstausch mit der Stadt: „Das ist sauber per Vertrag mit OB Schneider gelaufen; das Gelände ist seit letztem Jahr in städtischem Besitz. Wir gehen von dort weg, das steht fest.“ Der Zeitpunkt jedoch nicht. Das Genehmigungsverfahren für die Nutzung des Tauschgrundstücks als Erdaushub-Lagerfläche ziehe sich seit zwei Jahren hin. „Daran sind 14 Ämter beteiligt, unter anderem das RP Darmstadt, das Gesundheitsamt und die untere Naturschutzbehörde, das dauert“, erklärt Bonifer.

Solange die Genehmigung nicht vorliege, dürfe die Firma weiter das Grundstück an der Obermühle nutzen – so die notariell geregelte Vereinbarung mit der Stadt. „Danach sind wir innerhalb von 15 Monaten weg.“ Was dann mit dem Gelände geschehen soll, wisse er nicht. „Von mir aus können die Pferdehalter es haben“, sagt Bonifer. Er betont, dass das Areal in städtischen Plänen als Lagerplatz eingezeichnet und die Nutzung somit nicht rechtswidrig sei. „Der Koppelzaun steht auf städtischem Grundstück, obwohl Niewiera etwas anderes sagt“, behauptet der Fuhrunternehmer. „Mir sind die zwei Meter egal, aber anhand der Karten ist es genau nachvollziehbar.“

Das mit der Stadt getauschte Grundstück befindet sich an der Jacob-Mönch-Straße im Waldhofer Gewerbegebiet. Der Arbeitskreis Waldhof zeigt sich unerfreut – als „künftige Abraumkippe“ gewinne der Ortsteil nicht an Image.

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