Streit um spielende Kinder

Offenbach (fel) - „Aufs Schärfste“ hat Klaus B. den Vorwurf der Körperverletzung bis zuletzt zurückgewiesen. Der 67-jährige Offenbacher zeigte sich von seiner Unschuld derart überzeugt, dass er bei der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht sogar auf rechtlichen Beistand verzichtete.

Doch davon ließ sich Richterin Yvonne Duttiné nicht beeindrucken: Sie sprach ihn schuldig, ein kleines Mädchen an der Brust verletzt zu haben.

Was war geschehen? An einem warmen Augusttag im vergangenen Jahr kam es zum Streit zwischen dem Angeklagten und Kindern, die vor und in dem Mehrfamilienhaus, in dem er wohnt, lautstark am Spielen waren. Nein, Kinderlärm störe ihn nicht, gab B. zu Protokoll, um wenig später zu betonen, dass es in dem Anwesen an der Sudetenstraße „sehr oft Probleme mit spielenden Kindern und Lärm“ gebe. „Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, ab und an mal ein Wort zu sprechen, dass das nicht geht.“

Dass nun fremde Kinder, „die nicht zum Haus gehören“, im Aufzugsbereich herumtollten, das sei zu weit gegangen: „Ich habe mit ihnen geschimpft, ihnen gesagt: ,Ihr wohnt hier nicht, wir müssen es bezahlen, wenn etwas kaputt geht’.“ Daraufhin sei er von einigen kleinen Jungs verbal übel angegangen worden.

Zwei weitere kleine Vorfälle an diesem Tag brachten das Fass – respektive B.s Geduld – offenbar zum Überlaufen. Nachdem er später am Abend von einer Radtour nach Hause zurückkehrte, eskalierte die Situation: B., so die Überzeugung des Gerichts, schubste die damals dreijährige Chiara, die mit den anderen Kindern gespielt hatte. Mit dem Fingernagel fügte er ihr einen Kratzer auf der Brust zu. Die Mutter rief daraufhin die Polizei.

Da den Vorfall außer den Kindern selbst kein Erwachsener beobachtet haben will, erschien die Beweisführung zunächst als schwieriges Unterfangen. Unklar und teils widersprüchlich waren sowohl die genannten Täterbeschreibungen als auch die Tatzeit selbst.

„Die Kinder aber waren aussagetüchtig und haben den Angeklagten als Schuldigen identifiziert“, rechtfertigt Richterin Duttiné das Urteil über 60 Tagessätze à zehn Euro, die B. nur dann zahlen muss, wenn er innerhalb eines Jahres Bewährungszeit wieder auffällig wird.

Der Verurteilte kündigte wütend Berufung an. Von einem weiteren Vorwurf, auch Chiaras siebenjährige Schwester derart gestoßen zu haben, dass diese hinfiel und sich Schürfwunden zuzog, wurde er dagegen mangels Beweisen freigesprochen.

Fast hätte sich der Offenbacher auch noch Untersuchungshaft eingebrockt: Mit einem anonym verfassten Schreiben schüchterte er die Mutter des Opfers vor der Verhandlung ein: „Sie wissen genau, dass Ihre Angaben nicht stimmen“, schrieb er sinngemäß und: „Sie werden staunen, wer, wann, was gesehen hat.“

Auch in einem Brief an unsere Zeitung betonte er schon vor der Verhandlung seine Unschuld und bezichtigte die Mutter des „Vortäuschens einer Straftat, Falschanzeige, Falschaussage und Zeugenbeeinflussung“.

Rubriklistenbild: © pixelio.de / Stephanie Hofschlaeger

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