August kommt nicht gut an

Offenbach - Der Leichtathletikkreis feiert heuer seinen 50. Geburtstag. Im Jubeljahr starten am morgigen Sonntag die Jugend-Kreismeisterschaften Block und Mehrkampf im Sportzentrum Wiener Ring. Dafür lässt die Stadt in dieser Woche Bauarbeiter schuften. Von Martin Kuhn

Was da dringend zu erledigen ist, verrät der Sportamtsleiter Jürgen Weil nicht.  „Eine Überraschung.“

Es ist gut denkbar, dass die Kommune die lokalen Leichtathleten morgen mit einem Präsent besänftigen möchte. Bekanntlich fordern sie, allen voran Jürgen Wigidal, seit geraumer Zeit Investitionen für ihren Sport am Wiener Ring – etwa die Umsetzung der Stabhochsprung-Anlage von der Rosenhöhe. Bitter für Jürgen Weil: Während die Stadt eine sportliche Lücke schließt, öffnet sie sofort eine andere Fallgrube. Die Schulen sind nicht gerade erfreut über die kurzfristige Sperrung der Anlage. Grund: Für diese Woche angesetzte Bundesjugendspiele mussten abgesagt werden – unter anderem von beiden Bieberer Schulen.

Fanni Mülot ist jedenfalls bedient: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum es zur Stornierung unserer Reservierung kommen musste.“ Nach Mitteilung der Geschwister-Scholl-Schulleiterin ist ein Sportplatz in Tempelsee (die Gemaa, Anm. der Red.)  angeboten worden, aber das stelle keine Alternative dar: „Die Sportlehrer sehen sich nicht in der Lage, einen reibungslosen Ablauf in einem sinnvollen Zeitrahmen (1 Sprunggrube für 540 Schüler!) durchzuführen, zumal eine notwendige Laufbahn nicht zu Verfügung steht.“

Unmut der Lehrer

Ähnlich äußert sich Sandra Schmitt, die seit drei Jahren an der Grundschule Bieber die Bundesjugendspiele mit „großem Aufwand“ organisiert. Sauer ist sie über die kurzfristige Absage durch das Sportamt. Eine E-Mail habe die Grundschule erst am Dienstagvormittag erreicht – mitten im Unterricht. „Wir konnten den Kindern daher erst am Mittwoch absagen, einen Tag vor den geplanten Jugendspielen.“ Bitter: Einige Eltern hatten sich für diesen Tag extra freigenommen, um als Helfer zu agieren. „Und natürlich hatten sich die Kinder umsonst gefreut...“

Verschnupft zeigt sich der Schulsportkoordinator Eduard Schneider: „Das ist keine Jux-Veranstaltung; die Bundesjugendspiele gehören zu unserem Bildungs- und Erziehungsauftrag.“ Er teilt den Unmut der Kollegen: „Wozu machen wir eine Jahres-Agenda, die wir der Stadt mitteilen? Das ist keine Zusammenarbeit, das ist nicht im Sinne des Sport“, sagt einer, der seit Jahren den Schulsport nach vorne bringt. Beispiel: Vor Jahren rangierte die Stadt bei den Bundesjugenspielen, aufgelistet nach 27 Städten und Kreisen in Hessen, deutlich im hinteren Drittel. Mittlerweile ist man im gesicherten Mittelfeld angekommen.

So dramatisch empfindet das Sportamt die Sache nicht, bietet Ausweichtermine für den August an. Weils Begründung: die alljährliche Rasenplatzsperre, die ab 11. Juni greift. „Das Hauptaugenmerk richtet sich auf Fußball, dafür wird das Grün geschont. Das hat Priorität.“ Für Eduard Schneider zählt das nicht: „Bundesjugendspiele sind an das Schul-, nicht ans Kalenderjahr gebunden.“ Sein vorläufiges Fazit: Sportstadt Offenbach – das war einmal.

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