Bund der Siedler unterstützt Haus- und Wohnungsbesitzer seit 1928

Streit mit Stadt führt zur Gründung

Ein Gruppenfoto aus der Vor-Corona-Zeit. Der erweiterte Vorstand und Mitglieder des Siedlerbunds (vordere Reihe von links): Helmut Vogel, Erich Wäber, Reinhard Ortlauf, Kurt Schäfer. Hintere Reihe von links: Renate Goerke, Jürgen Walther, Tracy Wittich, Günter Rödelbronn, Jürgen Wittich Foto: Privat

Der Bund der Siedler Offenbach (bds) hilft seit mehr als 90 Jahren Haus- und Wohnungsbesitzern bei allen möglichen Themen. 

Offenbach – Der Keller steht nach dem letzten Unwetter unter Wasser. Beim Streichen der Fassade fällt der Farbeimer vom Gerüst auf das neue Auto des Nachbarn. Die Eiche im Garten steht zu nah an der Grundstücksgrenze: Kleine Beispiele für Themen, bei denen der Bund der Siedler Offenbach (bds) seit mehr als 90 Jahren Haus- und Wohnungsbesitzern hilft. Gegründet wurde die Zweckgemeinschaft aus einer Notlage heraus. Auslöser war ein Rechtsstreit mit der Stadt Offenbach.

Drei Jahre waren seit dem Ende des Ersten Weltkriegs vergangen, in Offenbach herrschte 1921 große Wohnungsnot. Um den Wohnungsbau anzukurbeln, vergab die Stadt neben Erbbaurechten günstige Darlehen. Sechs Jahre später folgte eine zweite Förderung.

Heinrich Seidel, der sein Haus in der Gerhardt-Hauptmann-Straße 1923 bezogen hatte, erlebte 1927 kein schönes Weihnachtsfest. Die Stadtkasse forderte von ihm und den anderen Eigentümern rückwirkend Anliegergebühren in Höhe von 1262,63 Reichsmark. Für Heinrich Seidel und weitere Betroffene unbezahlbar.

In ihrer Not gründeten sie im Januar 1928 den Bund der Siedler und Erbbauberechtigter e.V. Offenbach am Main. Zweck des Bundes ist – wie aus der Satzung hervorgeht – bis heute „die Interessen seiner Mitglieder in allen Siedlerangelegenheiten [...] tatkräftig zu unterstützen.“

Im September 1928 klagte der Verein gegen die Erhebung der Anliegergebühren. Erst 1932 wurde die Musterklage – nach einem Vergleich mit der Stadt – zurückgezogen. Der Bund der Siedler hatte einen ersten Erfolg für seine Mitglieder errungen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren viele Offenbacher arbeits- und obdachlos, bewohnbare Häuser Mangelware; zu den Einheimischen gesellten sich Vertriebene. So wie die Familie von Manfred Fuhr. Der heutige bds-Vorsitzende kam mit seiner Familie 1953 nach Offenbach. Zwischen Dietzenbacher- und Schlesierstraße fanden sie ein neues Zuhause. Fuhr erinnert sich: „Damals standen dort lediglich die Häuser von Bediensteten der Gebietsverwalter. Sonst gab es nur Wald und Felder.“ Für Heimatvertriebene, Bombengeschädigte und Evakuierte war die Gemeinschaft – 1952 als Bund der Siedler - Eigenheim- und Kleinhausbesitzer Offenbach am Main e.V. neu gegründet – eine entscheidende Hilfe, um sich eine neue Existenz aufzubauen.

Binnen weniger Jahre entstand durch enge Zusammenarbeit der Siedler auf dem einst sumpfigen Waldgebiet die Vorderwaldsiedlung. Und das ohne technisches Werkzeug. „Wir hatten keine Bagger oder ähnliche Maschinen. Die Gruben für die Fundamente wurden nur mit Schaufeln und Schubkarren ausgehoben“, erzählt Fuhr. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft war ein wichtiger Bestandteil für das schnelle Wachsen der Vorderwaldsiedlung. „Der Elektriker half dem Maurer beim Legen der Leitungen, der Maurer setze dafür die Steine“, sagt Manfred Fuhr.

Ein solches Miteinander gebe es heute nicht mehr: „Viele junge Menschen wollen nicht mehr in einer solchen Gemeinschaft aktiv sein.“ Dabei habe der Bund seinen Mitgliedern viel zu bieten, betont der Vorsitzende. Neben einer eigenen Liste mit Handwerkern, die sich um jedes Problem, von verstopften Kanälen über kaputte Dächer bis hin zu den richtigen Baustoffen kümmerten, helfe der Bund bei der Beratung und Vermittlung in Grundstücks-, Rechts- oder Versicherungsfragen. Zudem greife er schlichtend bei Nachbarschaftsstreitereien ein. „Jeder Eigentümer, der Hilfe braucht, kann sich bei uns melden“, versichert der Vorsitzende.

Infos im Internet bunddersiedleroffenbach.com

VON JOSHUA BÄR

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