Streit um Wohnung und Lebenspartner

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Jennifer Krenzer und ihre Kinder müssen mit 49 Quadratmetern auskommen. Den Umzug in eine größere, aber gleich teure Wohnung lehnt die Mainarbeit ab. Derzeit seien die Verhältnisse noch zumutbar, lautet die Begründung.

Offenbach ‐ Alles ist relativ. Auch 49 Quadratmeter Wohnraum. Für eine Person mag er ausreichend sein, bei drei Personen wird`s eng. Und wie sieht es aus, wenn eine Mutter mit zwei kleinen Kindern mit dem Platz auskommen muss? Von Matthias Dahmer

Noch zumutbar, sagt die Mainarbeit, die sich in Offenbach um Hartz IV-Empfänger kümmert und im Fall von Jennifer Krenzer auf das geltende Regelwerk für Wohnraumgrößen verweist. Die junge Mutter lebt mit ihren Kindern, das eine vier Jahre, das andere zwölf Wochen alt, auf eben jenen 49 Quadratmetern im Lauterborn. Auch sie verweist auf die Tabelle und bittet die Mainarbeit um eine größere, aber gleich teure Wohnung, die ihr angeboten wurde.

Der Blick auf die reine Miete genügt nicht, sagt Matthias Schulze-Boeing, Geschäftsführer der Mainarbeit. „Wir müssen den Umzug bezahlen. Zudem sind die Nebenkosten in einer größeren Wohnung höher.“ Weil man das Geld des Steuerzahlers einsetze, fährt Schulze-Boeing fort, muss ein Umzug notwendig sein. Im Fall Krenzer besteht für ihn die Notwendigkeit nicht. Noch nicht. Zu einer anderen Beurteilung könnte man kommen, wenn die Kinder etwas größer sind. Schulze-Boeing: „Dann stellt sich die Situation anders dar.

49 Quadratmeter für drei Personen

Für Jennifer Krenzer, die sich auch darüber beschwert, dass die Mainarbeit ihren Fall sehr zögerlich bearbeitet, ist es schon jetzt eng genug in ihrer Wohnung: „Die beiden Kinder und ich schlafen in einem Raum, das Wohnzimmer ist Wohnzimmer, Esszimmer, Spielecke, Aufenthaltsraum in einem. Ich verstehe das nicht, der Platz ist einfach nicht ausreichend“, beklagt sie die Zustände.

Während die Mainarbeit bei der Bitte um eine größere Wohnung wohl hart bleibt, ist ein weiterer Streitpunkt noch nicht abschließend geklärt. Auch hier gehen die Meinungen von Mainarbeit und deren Kundin Krenzer weit auseinander, Tabellen und Richtwerte helfen dabei aber nicht weiter.

So erhielt Jennifer Krenzer Ende November die Aufforderung, Kopien von Ausweis sowie Melde- und Verdienstbescheinigung ihres Lebensgefährten vorzulegen. Im Falle der Weigerung wurde ihr mit der Streichung aller Leistungen gedroht. Nur: „Ich habe keinen Lebenspartner, noch nicht mal einen Freund“, wundert sich die junge Mutter.

Für Matthias Schulze-Boeing gab es indes Anhaltspunkte, dass es anders sein könnte: „Am Briefkasten von Frau Krenzer war das Namensschild eines weiteren Bewohners angebracht. Das ist zwar jetzt weg, aber wir müssen der Sache nachgehen“, will der Chef der Mainarbeit gar keinen bösen Willen unterstellen. Mitunter, sagt er, wissen die Leute einfach nicht, dass bei einer Lebensgemeinschaft das Netto-Einkommen des Partners angerechnet werden muss.

Wie läuft es eigentlich grundsätzlich, wenn unklar ist, ob jemand alleine lebt oder nicht? Die Vermutung, die Außendienstler der Mainarbeit würden dann zu regelrechten Schnüfflern, weist Schulze-Boeing entschieden zurück. „Wir haben Hinweisen nachzugehen, müssen uns vor Ort überzeugen und halten uns dabei an Recht und Gesetz“, sagt er. Im übrigen, betont er, wird jeder Einzelfall genau angeschaut und nicht nach „Schema F“ entschieden.

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