Alle zahlen für die Energiewende

Offenbach - Abschlussrechnungen von Versorgern bergen selten positive Überraschungen: Die Regel heißt Nachzahlung. Egal was der Kunde einspart, es gleicht Preissteigerungen nicht aus. Von Thomas Kirstein

Als Vertragspartner der Energieversorgung Offenbach (EVO) kann er immerhin seit diesem Jahr eher nachvollziehen, was ihm wer wofür abknöpft.

Das mag aufklären, aber auch weitere Nachfragen provozieren. Wolfgang Fett aus der Schopenhauerstraße ist ein EVO-Kunde, der nach dem Vergleich der Stromrechnungen für 2010 und 2011 mehr wissen will. Der Durchschnittsverbraucher mit etwa 3000 Kilowattstunden hat beim aktuellen Zwölf-Monats-Zyklus zirka 120 Kilowattstunden mehr auf dem Zähler und muss inklusive Mehrwertsteuer brutto knapp 85 Euro nachzahlen. Am reinen Strompreis von netto 1,46 Cent pro Kilowattstunde (ct/kwh) kann das nicht liegen, erkennt Wolfgang Fett.

Von früheren Rechnungen her weiß er, dass er 2,05 ct/kWh Stromsteuer an den Staat zahlt. Neuerdings wird er zudem schriftlich aufgeklärt, was sonst noch im alten Preis für die Einheit steckte und dank drastischer 70-Prozent-Anhebung seine Mehrkosten verursacht – die Abgabe nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG-Zuschlag. Die ist am 1. Januar 2011 von 2,04 auf 3,53 ct/kWh netto gestiegen. Unser Offenbacher zahlt von seinen insgesamt 814 Euro brutto insgesamt 120 Euro für die Umwelt.

Preis für die Energiewende

„Das ist der Preis für die Energiewende, je mehr Ökostrom eingespeist wird, desto höher wird die Umlage“, sagt EVO-Sprecher Harald Hofmann, der bereits eine weite Preiserhöhung für den 1. April ankündigen musste. Diese wird durchschnittlich 4,8 Prozent ausmachen. Sie ist, wie EVO-Vertriebschef Peter Saliger verdeutlicht, neben den Produzenten und Lieferanten auch der Bundesregierung zu verdanken: Um Industrieunternehmen mit hohem Verbrauch von Netzentgelten zu befreien, wird eine gestaffelte Umlage auf alle Verbraucher abgewälzt. „Eine Zumutung, dass wir keine Zeit zur Umsetzung hatten, jetzt sind wir der Buhmann“, klagt Hofmann.

Verbraucher Fett weiß dank seiner aufgeschlüsselten Rechnung auch, dass ihm etwa 285 Euro für den Netzzugang abverlangt werden: In gesetzlich vorgegebener Höhe muss die EVO sogenannte Netzentgelte an den Netzbetreiber überweisen, in Offenbach ist das ihre Tochter 24-7 Netze.

Sponsoring für die Kickers und andere Vereine

Hofmann und Saliger bemühen sich, Wolfgang Fett und den anderen 150.000 EVO-Kunden zu verdeutlichen, wie hoch der Einfluss ihres Unternehmens auf den Strompreis ist: „Nur bei einem Drittel kann man was verändern, die Marge, die bei uns bleibt, wird immer geringer.“ Von 1998 bis jetzt sei der Preis für Erzeugung, Transport, Verteilung und Vertrieb lediglich von 13 auf 14,5 ct/kWh gestiegen. Der Rest ist Steuer.

Und nicht auch Sponsoring für die Kickers und andere Vereine, wie Kunde Fett glaubt? Sprecher Hofmann weist das zurück. Weder gebe es einen Versorger von EVO-Größe, der sich kein Sponsoring leiste, noch merke der Kunde etwas davon, wie regionale Unterstützung geleistet werde: „Das macht 0,022 Cent pro Kilowattstunde aus.“

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