Mit Bezug zur Antike

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Ellen Wagner setzte sich grafisch mit den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid auseinander. Dabei verarbeitete sie 15 Motive zu Siebdrucken und verband diese in einem Heft mit eingebauten Textstellen.

Offenbach - Ungewöhnlich wenige Studenten des Fachbereichs Visuelle Kommunikation hätten sich diesmal zum Diplom angemeldet, berichtet Ellen Wagner. „Das hatte allerdings für uns auch sehr angenehme Seiten." Von Claus Wolfschlag

Wagner gehört zu jenen neun Studenten der Hochschule für Gestaltung, die ihre Arbeiten bei der Diplompräsentation am Freitag Abend der Öffentlichkeit zeigten. Auffallend war der Bezug zu antiken Stoffen, der sich in einigen Arbeiten widerspiegelte. Wagner hatte sich graphisch mit den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid auseinandergesetzt. Die ab dem Jahr 1 nach Christus entstandenen Geschichten handeln von der meist zwangsweisen Verwandlung von Menschen oder niederen Göttern in Tiere, Pflanzen und Sternbilder. „Während des Studiums wurden wir immer wieder mit dem Thema konfrontiert. Es ist ein bei Künstlern populäres Werk“, so Wagner. Aus zeitgenössischem Blickwinkel hat sie somit 15 Motive zu Siebdrucken verarbeitet und diese in einem Heft mit eingebauten Textstellen verbunden.

Dem griechischen Orpheus-Mythos widmete sich Bühnenbildnerin Teresa Rinn. „Orpheus ist ein cooler Typ, er ist ein Held und wächst an den Hürden, die er nimmt. Aber er verspielt am Ende sein Glück, stößt an seine Grenze“, so Rinn. Durch die Gestaltung und Anreicherung der Bühnen-Szenerie mit Alltagsgegenständen bemühte sich Rinn, Humor und Leichtigkeit in den schweren Stoff jenes Ganges in die Unterwelt zu tragen. Der Witz soll Kindern einen leichten Zugang ermöglichen, ohne dass diese beispielsweise Angst vor dem Höllenhund haben müssen. So erhält der griesgrämige Sisyphos als hölzerner Hampelmann ein Partyhütchen aufgesetzt, die giftige Schlange setzt sich aus 30 Pappbechern zusammen und das Geschwür des Höllenhundes Cerberus besteht aus einem roten Luftballon. Darsteller Gunnar Seidel führte das von Rinn gestaltete Ein-Mann-Stück unter Regie von Andreas Mihan auf der HfG-Studiobühne auf.

Porträts und Körperstudien

Ebenfalls eines Urmotivs nahmen sich Filmkünstler André Kirchner und Kostümdesignerin Caroline Stauch an. Sie beschäftigten sich faktisch mit der Erdmutter, die als Gaia in der griechisch-römischen Mythologie auftaucht und als Jörd in der germanischen. In ihrem Film „Mutter Natur“ setzen sie sich ironisch mit aktuellen „Ökowahn“ auseinander, den sie als „Bionade-Biedermeier“ klassifizieren. In dem skurrilen 15-minütigen Streifen tritt ein seltsamer Mann auf, der sich für „Mutter Natur“ hält und Jagd auf Müllsünder macht. „Es wird das Idealbild der Natur gebrochen. Natur ist nämlich nicht nur Erholung, in ihr findet sich Unberechenbarkeit, Überraschung, Brutalität, aber auch Schönheit“, so Kirchner, der für Drehbuch, Regie und Schnitt verantwortlich war. Vermutlich endet mit „Mutter Natur“ für den Thüringer und die Sächsin der Aufenthalt in Offenbach. Auf die Frage, ob dieser ein Kulturschock war, lächeln sie sich beide zu. „Nun, mittlerweile werde ich Offenbach vielleicht auch ein kleines bisschen vermissen, wenn ich nicht mehr hier bin“, äußert Stauch diplomatisch.

„Mutter Natur“ war nicht der einzige Film dieser Diplompräsentation. Daniel Jude drehte den Science-Fiction-Film „Wächter“, in dem ein im Weltall tätiger Sicherheitsbeamter plötzlich keine Überwachungsbilder mehr sieht und deshalb schlussfolgert, dass die Welt untergegangen sein muss. „Es geht dabei um unsere Abhängigkeit von der modernen Technik“, so Jude. Sabrina Winter wiederum hat mit „Altes Haus friss mich auf“ einen Kurz-Gruselfilm für Kinder und Erwachsene gedreht. Um den Schrecken der Dunkelheit geht es darum, und Winter gibt zu: „Manchmal habe ich heute noch Angst davor.“

Dagegen hilft wohl nur, sich im Bett zu verstecken. So wie Laura Nickel, die dort Porträts und Körperstudien fotografiert hat. Die im Treppenhaus hängenden blau- und gelbstichigen Großformate kontrastierten insofern, da ihr Anspruch weder im Mythologischen noch im Humorvollen lag, sondern schlicht darin, einen Augenblick der Gegenwart festzuhalten.

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