Studenten im Frankfurter Zoo auf kreativen Wegen

Katzenkurs und Krähenkrimi

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HfG-Student Valentin Brück zeichnete mit weißem Marker Routen der scheuen Rostkatze direkt auf dem Käfigglas nach.

Offenbach - Die ein oder andere Tierfährte hat auch schon Sherlock Holmes unter die Lupe genommen. Einen Schreckenshund der Baskervilles beobachten die Studenten der Hochschule für Gestaltung zwar nicht, mit ein bisschen kriminologischem Feingefühl stoßen sie im Frankfurter Zoo aber auf spannende Tiergeschichten. Von Eva-Maria Lill 

Sie finden Fährten, registrieren, werten sie aus. Egal ob die tödlich-makabere Spur aus toten Küken im Rabengehege oder der Bewegungskurs der überaus scheuen Rostkatze – Verborgenes wird sichtbar und in erstaunliche Kunstobjekte verwandelt. Im Zuge des Hauptstudiums für Produktdesign erkundeten elf Teilnehmer den Zoo auf kreativen Wegen. Bis auf das übergreifende Thema „Spuren“ waren ihnen keine Grenzen gesetzt. Projektleiter Professor Carsten Rohde versteht sich ohnehin mehr als Moderator und Diskussionspartner, weniger als Lehrer: „Ich bin bloß der Katalysator und bringe alles in einem Pott zusammen.“

Herausgekommen ist ein künstlerisches Potpourri aus Zeichnungen, Filmen und kreativen Grenzgängen: „Bereits nach kurzer Beschäftigung mit den Tieren und ihren Lebensräumen entsteht gewissermaßen ein Portrait dessen, was für unsere Zoobesucher und sicherlich auch für Mitarbeiter in dieser Form normalerweise unsichtbar ist“, erläutert Direktor Manfred Niekisch.

Arbeits- und Rückzugsmöglichkeit

Als Arbeits- und Rückzugsmöglichkeit diente der Seminargruppe das Foyer im Menschenaffen-Haus Borgori-Wald. „Wir befinden uns in einem ständigen Zwischenraum“, erklärt Rohde, der neben seinem Lehrauftrag an der HfG auch an der Fachhochschule Frankfurt Architektur unterrichtet, „Wir tragen Namensschilder, die uns als Zooarbeiter ausweisen, aber wir verhalten uns nicht wie Angestellte. Die Reaktionen reichten von Irritationen bis hin zu ehrlichem Interesse.“ Auch die gebürtige Offenbacherin Alexandra Grysczyk berichtet Ähnliches: „Kinder kamen sofort und ohne Hemmungen auf uns zu, die Erwachsenen zeigten Zurückhaltung. Es war spannend, direkt mit Interessierten ins Gespräch zu kommen.“

Dabei gab es nicht nur kreative Geistesblitze, nein, auch Biologisches sorgte für angeregte Diskussionen: „Die Bären nutzen beispielsweise nur wenige Meter ihres großen Geheges wirklich aus, das wurde uns erst durch eines des Projekte bewusst“, staunt Niekisch. Kunst verkommt also nicht zum reinen Ornament, sondern gewinnt auch alltägliche Relevanz für den Frankfurter Zoo.

Die Bandbreite der entstandenen Projekte ist groß: „Am Anfang wollte jeder Menschenaffen oder Erdmännchen zeichnen“, scherzt Rohde. Schließlich fanden die Studenten jedoch Inspiration auch abseits der beliebtesten Besuchermagneten. Für Yulia Stern bot gerade die Unscheinbarkeit des Zwerggleitbeutler-Geheges im Nachthaus einen Arbeitsanreiz: „Sie flitzen klein und schnell herum, man sieht sie mit dem bloßen Auge kaum.“ Die 25-Jährige filmte die Tiere und markierte ihre Bewegungskurse nachträglich mit roten Lichtpunkten. Der daraus entstandene Film fängt auch dank passender musikalischer Untermalung Verhaltensweisen trefflich ein.

Die schrägsten Tiere der Welt

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Einen ähnlichen Zugang wählte Valentin Brück, der mit weißem Marker Routen der scheuen Rostkatze direkt auf dem Käfigglas dokumentierte: „Keine Sorge, mein Projekt ist wasserlöslich“, schmunzelt der 23-Jährige. Pia Scharf wandelte Fährten im Sinne von Sherlock Holmes zu einer spannenden Krimiakte. Im wahrsten Sinne des Wortes war sie dem Raben auf der Spur: Sie folgte dem Weg der Beute durch das Gehege und fertigte polaroidartige Bilder des „Tatorts“ an.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die HfG im Zuge eines interdisziplinären Projektes mit Institutionen aus Frankfurt zusammenschließt. Neben der Kooperation mit dem Palmengarten im Jahr 2008 betreute Carsten Rohde auch eine Veranstaltung gemeinsam mit dem Senckenbergmuseum. Die Kernarbeitszeit der Studenten ist zwar vorüber – einige ihrer Spuren sind jedoch weiterhin im Zoo sichtbar. Zudem ist geplant, die Arbeiten bei der Langen Nacht der Museen im Mai zu zeigen.

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