Studenten aus aller Welt

Erleuchtung im Mathildenviertel

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Paul Auer aus Österreich, Student der Frankfurt School of Finance & Management, lebt seit September in deren Offenbacher Wohnheim, dem Lichtpol.

Offenbach - 24 Tage bis Weihnachten. Hausnummern von 1 bis 24. Zwei Dutzend Türen für unseren Adventskalender 2014: Die öffnen wir jeden Tag bis Heiligabend und stellen vor, was oder wer sich dahinter verbirgt. Von Veronika Schade 

Menschen, Einrichtungen, Produkte, kleine Geheimnisse, Alltägliches, Adventliches. Es fällt auf, das kubische Haus an der Hermann-Steinhäuser-Straße 2. Vor allem, sobald die Dämmerung anbricht. Dann wird die kristallartige, rote Fassade mit 10.000 einzeln anzusteuernden LED-Leuchten illuminiert. Als Lichtpol ist das Gebäude der früheren Hartnackschule heute bekannt, für die Frankfurt School of Finance & Management ist es ihr Boardinghouse 2. Sie beherbergt darin seit der Sanierung im Jahr 2010 zurzeit 66 Studenten. Die meisten kommen aus dem Ausland.

Einer davon ist Paul Auer aus Neumarkt in der Steiermark. Seit September studiert er das Fach International Business Administration (Internationale Betriebswirtschaftslehre) an der Stiftungshochschule. Er teilt sich eine Wohnung im Boardinghouse mit Kommilitonen aus Taiwan, Südkorea und Belgien. Englisch ist Umgangssprache. Für den 19-Jährigen ist die Unterkunft in Offenbach die „optimale Kompaktlösung“: Die Appartements sind möbliert, er ist schnell an der S-Bahn und nach zehn Minuten Fahrt an der Uni. „Ich habe alles in der Nähe – Supermarkt, Apotheke, Wäscherei“, lobt er. 390 Euro warm kostet die Monatsmiete, Internet inbegriffen.

Ruhige, aber zentrale Gegend

Über insgesamt 89 Plätze in zwei Boardinghouses verfügt die Frankfurt School an der Hermann-Steinhäuser-Straße. Besitzer der Immobilien ist die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO). Mit den Studenten-Häusern sollte das als problematisch geltende Mathildenviertel aufgewertet werden – strukturell und optisch. Den strahlenden Lichtpol entwarf Lichtdesigner Professor Stephan Horn von der Hochschule Darmstadt.

Paul Auer fühlt sich im Mathildenviertel wohl. „Die Gegend ist recht ruhig, aber trotzdem zentral.“ Zwar seien „Versammlungen“ bestimmter Bevölkerungsgruppen immer wieder zu beobachten, aber unsicher gefühlt habe er sich nie. Die schönen Seiten Offenbachs hat der junge Österreicher schnell für sich entdeckt. „Ich gehe jeden Samstag auf den Wochenmarkt am Wilhelmsplatz“, sagt der begeisterte Hobbykoch. „Die Auswahl ist hervorragend.“ Dank seiner Italienisch-Kenntnisse sei ihm das eine oder andere Schnäppchen gelungen.

Meist in Frankfurt unterwegs

Ansonsten ist er meist in Frankfurt unterwegs – dort lebt der Großteil der Kommilitonen. Erst kürzlich hat die Frankfurt School, an der fast 1500 junge Leute studieren, ein Wohnheim am neuen Campus mit 228 Plätzen eröffnet. Wer sich auf ein Zimmer in Offenbach bewirbt, hat gute Chancen, schnell einen Platz zu bekommen. „Die Situation ist dank des neuen Wohnheims entspannter“, sagt Jennifer Pollak von der Hochschule. Da Auslandssemester fest zum Studium gehören, änderten sich die Wohngemeinschaften oft.

Auers Alltag hat mit dem Klischee vom faulen Studentenleben nichts zu tun. Sein Stundenplan an der privaten Wirtschaftsuniversität ist täglich von 9 bis 17 Uhr gefüllt, oft folgen Abendveranstaltungen. Der Praxisbezug ist wichtig, viele Lehrende haben Erfahrung in namhaften Unternehmen gesammelt. Wochenenenden bedeuten für ihn nicht automatisch Partyzeit: „Meist ist Lernen angesagt. Im Januar kommen die ersten Klausuren.“ Doch das Studium, für das er ein hartes Auswahlverfahren durchlaufen musste, macht ihm Spaß. „Mit zwölf Jahren habe ich meine erste Aktie gekauft“, erzählt der Wirtschaftswissenschaftler. Und was will er beruflich machen? „So in Richtung Investmentbanking soll es gehen.“ Bevor der Prüfungsstress los geht, freut sich Auer auf Weihnachten. Das verbringt er aber nicht in Offenbach, sondern bei seiner Familie.

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