Gitter schlecht für die Psyche

Studentenbuden im Abschiebegefängnis

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Wohnen mit Arrest-Charme: Die Zellentüren bleiben im künftigen Studentenwohnheim erhalten. Der Hausmeister hat aber bestimmt weniger Befugnisse als jener uniformierte Herr, der im November 2010 Pressevertreter durchs damals noch belegte Gefängnis führte.

Offenbach - Der ehemalige Abschiebeknast an der Luisenstraße soll zum Studentenwohnheim umgebaut werden. Wenn alles klappt wie geplant, ziehen die ersten Studenten mit Beginn des Wintersemesters im Oktober ein. Von Matthias Dahmer

Als im November 2010 die letzten Tage des einzigen Abschiebegefängnisses in Hessen angebrochen waren, gehörte zu den offenen Fragen vor allem die der weiteren Nutzung der landeseigenen Immobilie.

Sie ist beantwortet: Das Studentenwerk Frankfurt will in dem Bau insgesamt 28 Wohneinheiten unterbringen. Entstehen sollen 24 Einzelzimmer plus eine Wohnung im Dachgeschoss, die von einer aus vier Studenten bestehenden Wohngemeinschaft belegt werden kann.

Ende März soll der Bauantrag gestellt werden

Noch gilt es abschließende Gespräche insbesondere hinsichtlich des Denkmalschutzes mit dem Land zu führen. Doch Eric Erdmann, Architekt und Leiter der Wohnheim-Abteilung beim Studentenwerk, geht davon aus, dass Ende März der Bauantrag gestellt wird. Für Sommer ist der Umbau angepeilt, so dass die Wohnungen zum 1. Oktober bezugsfertig sind. Das Land habe dem immer auf der Suche nach geeignetem Wohnraum befindlichen Studentenwerk mehrere Liegenschaften angeboten, „und im Fall Offenbach haben wir den Finger gehoben“, sagt Erdmann. Er geht davon aus, dass die Umbaukosten unter einer Million Euro liegen.

Wohnen in einem ehemaligen Gefängnis – so abwegig, wie es zunächst klingt, ist das nicht. Zumindest nicht fürs Studentenwerk, das eins seiner 16 Frankfurter Wohnheime 2011 im ehemaligen Polizeirevier des Bahnhofsviertels am Wiesenhüttenplatz angesiedelt hat.

Gebäudestruktur ideal für studentisches Wohnen

Die kleinteilige Gebäudestruktur des Offenbacher Gefängnisses, das mit dem Altbau des Amtsgerichts verbunden ist, sei für studentisches Wohnen ideal, meint Pressesprecherin Katrin Wenzel. Sie schätzt, dass die Wohnungen, die in erster Linie für Studenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung gedacht sind, für einen Mietpreis unter 350 Euro angeboten werden können.

Die künftigen Bewohner müssen auch nach dem Umbau auf einen gewissen Arrest-Charme nicht verzichten: Wie Eric Erdmann erläutert, wird aus zwei der jeweils etwa elf Quadratmeter großen Zellen durch Abriss der Trennwand eine Wohnheim-Wohnung. Die Zellentüren bleiben drin, die Gitter vor den Fenstern verschwinden indes. Denn: „Das wäre vermutlich schlecht für die Psyche der Bewohner“, meint Erdmann.

Hohe Mauer wird bleiben

Bleiben wird auch die hohe, das Gebäude abschirmende Mauer und die davor liegende Parkfläche an der Luisenstraße. „Wir machen nur das Tor auf“, sagt Architekt Erdmann, der das Wohnen in einem ehemaligen Gefängnis und Tür an Tür mit dem Amtsgericht für eine ziemlich ungewöhnliche Konstellation hält.

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