Spielfilm für Master-Abschluss

Unter heimischem Himmel

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Familie, Freunde und Sponsoren wie die Stadtwerke greifen den jungen Filmemachern Alicia Rost und Rafael Bujotzek (hier am Hafen) unter die Arme.

Offenbach - Still ruhen die Gräber auf dem Alten Friedhof. Eine schwangere Frau weint neben einem Holzsarg, ein Priester zitiert tröstende Worte aus der Bibel. Von Sarah Neder 

„Klappe 33, die vierte!“, zerschneidet der Kamera-Assistent die andächtige Stille. Die Beerdigungsszene ist gespielt, wird ein Teil des Films „Uranophobie. Die Angst vor dem Himmel“. Das Projekt ist die Abschlussarbeit der 27-jährigen Filmstudentin Alicia Rost. Sie macht gerade ihren Master im Studiengang „Media Direction“ an der Hochschule Darmstadt. Mit ihrem 29-jährigen Freund Rafael Bujotzek lässt Alicia diesen 30-minütigen Spielfilm entstehen. Dabei übernimmt sie den kreativen Teil, er die Produktion. Die beiden Offenbacher haben Erfahrung mit dem Medium Film: Alicia führt ihre eigene Produktionsfirma (InZwischenZeit) und drehte bereits mehrere Werbefilme. Rafael arbeitet als ZDF-Redakteur.

Jedoch ist der Film das erste große Ding. Der Plot handelt von drei befreundeten Studenten, die sich aus den Augen verloren haben und über Umwege wieder aufeinander treffen. Alicia ist aus Frankfurt, Offenbach ihre Wahlheimat. Die spielt eine Hauptrolle: „Den Großteil der Szenen drehen wir in Offenbach, da meine Hauptfigur hier lebt“, erläutert sie. „Ich habe mittlerweile die Seiten gewechselt“, bekennt sie scherzhaft, gebe es doch in Offenbach ein besonderes Gemeinschaftsgefühl.

Finanzierung und Durchsetzung der Dreharbeiten

Von dem profitiert die Filmstudentin bei der Finanzierung und Durchsetzung der Dreharbeiten. Einige Sponsoren wie die Stadtwerke Holding oder die Apotheke zum Löwen konnte Produzent Bujotzek gewinnen. So überlassen die Stadtwerke dem jungen Paar ein E-Mobil für die zehntägigen Dreharbeiten. „Das hilft ungemein“, sagt Bujotzek, der damit Benzinkosten spart und die ständige Fahrerei zu verschiedenen Drehorten bewältigt.

Für das Casting der Haupt-und Nebenrollen durften die Offenbacher die Räume der „Akademie für interdisziplinäre Prozesse“ (afip) am Goetheplatz nutzen. Schauspieler aus ganz Deutschland waren dazu eingeladen. Auch beim Dreh auf dem Alten Friedhof kommen Bujotzek lokale Bekanntschaften zu Gute: Das Bürgeler Bestattungsinstitut Lösel leiht einen Sarg für einen Nachmittag, und Pfarrer Hubertus Picard übernimmt die Rolle des Trauerredners. „Die Leute vertrauen einem wirklich mehr, wenn sie wissen, dass man sozusagen um die Ecke wohnt“, begeistert sich Rafael über die Hilfe. Auch Familie und Freunde unterstützen die Dreharbeiten tatkräftig. Einige haben sich extra Urlaub genommen und halten das Team mit Verpflegung bei Laune.

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Weitere Infos:

www.facebook.de/uranophobie

Wer allerdings denkt, die meisten Kosten seien somit gedeckt, liegt falsch: „Der Film kommt auf 9 000 Euro, das ist sogar vergleichsweise günstig“, weiß Bujotzek. Teuer sind vor allem Requisiten, Catering und spezielle HD-Schminke. „Kameras und Zubehör kann ich zum Glück von der Hochschule Darmstadt leihen“, freut sich Rost. Gehälter für Schauspieler, Kameraleute, Maske sind darin nicht enthalten, da die Honorare erst, wie in der Filmbranche üblich, fällig werden, wenn der Streifen Umsatz abwirft. Wann, ist wohl eine öffentlich-rechtliche Frage: Zu sehen sein soll das Filmdebüt im Hessischen Fernsehen.

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