Studentisches Schnäppchen

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Mehr als drei Dutzend Entwürfe wetteifern um die Gunst der Jury. Gestern wurden alle präsentiert.

Offenbach - Mit Prozessen kennt die Stadt Offenbach sich aus. Vor dem einem Gericht beispielsweise will sie etwas von den Gewerbesteuern des Frankfurter Flughafens für sich erstreiten, vor dem anderen den Flughafenausbau am liebsten verhindern. Von Marcus Reinsch

In einem kreativen „Prozess“ allerdings, den der städtische Pressesprecher Matthias Müller als Geschäftsführer der Offenbacher Stadtinformation Gesellschaft (OSG) momentan mächtig ankurbelt, kann die Stadt nur gewinnen - im Idealfall ein neues Erscheinungsbild.

Solch ein „Corporate Design“ - die einheitliche Gestaltung von Internetseiten, Briefköpfen, Visitenkarten, Souvenirs und vielleicht auch Fuhrpark mittels Logo, Schrifttypen, Farben - haben OSG und Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) bei der Hochschule für Gestaltung (HfG) quasi bestellt. Am Gestaltungswettbewerb beteiligen sich gut drei Dutzend Studenten des Kommunikationsdesign-Professors Klaus Hesse.

Den Entwurf des Siegers wird die Stadt für 15 000 Euro ankaufen, Nutzungsrechte inklusive. Das macht das Geschäft zum Schnäppchen. Professionelle Designbüros hätten die Kasse schon für viel weniger Entwürfe um mehr Geld als die nun ausgelobte Summe erleichtert und dann noch kräftig für die Verwendungserlaubnis zugelangt.

Ob sich Offenbach das HfG-Siegerkonzept nach der Preisverleihung am 10. Juli tatsächlich überstreifen wird oder - wie jüngst die Stadt Mühlheim nach einem sehr ähnlichen Projekt mit der Hochschule - wegen der hohen Folgekosten für eine Rundumerneuerung erstmal in den Schrank hängt, vermag Matthias Müller noch nicht einzuschätzen. Ginge es nur nach ihm und nicht ums Geld, wäre die Sache klar: „Das heutige städtische Erscheinungsbild ist 32 Jahre alt und bedarf einer Auffrischung.“ Das legt auch die Analyse des Status Quo nahe, die der Designer Kai Bergmann der Stadt geliefert hat. Allein: Die Politik will und darf auch noch ein Wörtchen mitreden.

Von solchen Fragezeichen unbelästigt, gab es in der HfG gestern erste Zwischenergebnisse - und Matthias Müller war auch im Namen der SOH-Kommunikationschefin Regina Preis „rundum glücklich, dass wir dieses Projekt gestartet haben“. Auch wenn die Stadtwerke-Holding eigentlich schon seit ihrer Gründung vor neun Jahren ein einheitliches Erscheinungsbild besitzt und vom kreativen Erwachen der Stadt eher eine optische Verbindungsklammer zu ihrer Übermutter als eine komplette Überarbeitung erhofft. Die Bürger, sagte Preis, sollen die Verwandtschaft ersten Grades zwischen Rathaus und Tochtergesellschaften künftig sofort erkennen können.

Die Kreativen haben auch daran gedacht. Die vierstündige Präsentationen der nicht nur aus höheren Semestern zum Projekt gestoßenen Studenten brachte gestern viele neue Ideen ans Licht; die Hoffnung Professor Klaus Hesses auf eine „schwierige Entscheidung“, hat sich schon erfüllt.

Die Jury besteht aus Kai Bergmann, Prof. Kai-Uwe Lösch (Wuppertal), Sascha Lobe (Stuttgart) Regina Preis und Oberbürgermeister Horst Schneider. Die Entscheidung über den besten Entwurf fällt am 10. Juli. Dann steht das „Corporate Design“-Projekt im Mittelpunkt des HfG-Rundgangs. Die meisten Entwürfe werden dann für sechs oder sieben Wochen im Klingspormuseum zu sehen sein.

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