„Biebergasse“ in der Nachbarstadt

Ein Stück Bieber in Frankfurt

Bieber - Sie liegt zentral in Frankfurt zwischen Hauptwache und Goetheplatz – die Biebergasse. Doch wie kam sie ausgerechnet zu diesem Namen?

Der namhafte Bieberer Heimatforscher Dr. Alfred Kurt beantwortete diese Frage in der Ausgabe 9-2001 der Jahresschrift „Blick auf Bieber“ des Heimatvereins.
Viele der heutigen Frankfurter können mit dem Namen „Biebergasse“ nur wenig anfangen, obwohl es ihn schon seit einem halben Jahrtausend gibt. Damals wusste man in Frankfurt, dass dort die Familien derer „von Bieber“ (oder, wie es damals hieß, „von Biberahe“ oder „von Bibera“) lebten. Es waren Leute, die aus dem nahen Bieber in die Reichsstadt gezogen waren und dort das Bürgerrecht erworben hatten. Man nannte sie, da Familiennamen noch nicht üblich waren, man aber die vielen Hinz und Kunz in der Stadt doch unterscheiden musste, nach ihrem Herkunftsort „von Bieber“.

Die aus dem späten Mittelalter erhaltenen Frankfurter Bürgerbücher, Schöffenprotokolle und sonstigen Urkunden nennen eine recht stattliche Anzahl von Personen „von Bieber“. Diese gehörten offensichtlich verschiedenen Familien an, waren aber untereinander verwandt oder verschwägert. Für Neuzugezogene, die in der Reichsstadt ansässig werden wollten, bürgten bei der Aufnahme meist die bereits eingebürgerten „von Bieber“, die die Verbindung zu ihrem Heimatort nicht abbrechen ließen. Dort lebten noch Verwandte, hatten sie noch Grundbesitz.

Im Jahre 1294 taucht erstmals ein Konrad von Bieber („Cunradus de Byberahe“) in einer Frankfurter Urkunde auf. Als vertrauenswürdiger Bürger („civis fidedignus“) fungierte er zusammen mit Bürgermeister und Schöffen der Stadt beim Verkauf von Mühlengewässern am Main.

Die meisten der nach Frankfurt eingewanderten Bieberer betätigten sich im Tuchgewerbe als Weber, Tuchhändler und als Gewandschneider. Sehr rasch scheinen sie zu Vermögen und Wohlstand gekommen zu sein. Das beweisen einerseits die Hauskäufe, die sie tätigten, andererseits ihr Aufstieg in städtische Ämter. Die „von Bieber“ saßen nämlich schon bald im Rat der Stadt, fungierten als Schöffen und amteten als Bürgermeister. Als Webermeister waren sie Miteigentümer des Rahmhofes, der seinen Namen nach den dort aufgestellten Webrahmen führte und sich als ein weiteres Areal von der Biebergasse bis zur heutigen Börse erstreckte. Ein Protokoll aus dem Jahr 1449 vermerkt ausdrücklich: „Der kleine Rahmhof uf der Bibergaßen gehört Henne von Bibra“. Auch die sich üblicherweise recht absperrenden alteingesessenen Frankfurter Geschlechterfamilien haben die „von Bieber“ schließlich rezipiert: „Von Bieber“ finden sich als Mitglieder in den vornehmen Patriziergesellschaften Altenlimpurg und Frauenstein, die neben dem Römer ihre Quartiere hatten und die Politik im Rathaus nachhaltig beeinflusstem.

Kerb in Offenbach-Bieber: Bilder

Auch im kirchlichen Bereich waren die „von Bieber“ zu Frankfurt gut bei Stimme, denn um 1460 werden Mitglieder der Familie als Sänger im Liebfrauen- und im Bartholomäusstift (=Dom) erwähnt. Und Thomas von Bieber muss sich mit der Kirche kräftig angelegt haben, denn über ihn wie den gesamten Rat der Stadt wurde 1396 der Kirchenbann verhängt.

Die Familien „von Bibera“ oder „von Bieber“ sind im Verlauf der Jahrhunderte aus Frankfurt verschwunden. An sie und an ihre Heimatgemeinde Bieber aber erinnert weiterhin die Biebergasse an der Hauptwache. (red)

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