Bäume blockieren Straßen, alle Wehren im Einsatz

Offenbach/Rhein-Main - Von „Ausnahmezustand“ ist in der Leitstelle der Kreis-Feuerwehr die Rede, das Orkantief „Xynthia“ wütet im Rhein-Main-Gebiet - auch in Offenbach liegen Bäume auf Straßen, Wegen und Autos, aus allen Richtungen sind Martinshörner zu hören. Von Alexander Klug

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Wir können die Einsätze schon gar nicht mehr zählen“, sagt Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann. „30 Wehren im Kreis sind im Einsatz bis auf die in Lämmerspiel.“ Ungefähr 400 waren es am späten Abend. Vor allem zahlreiche Bäume haben den Böen von Orkantief „Xynthia“ nicht Stand gehalten: Viele liegen auf Straßen, Wegen, Schienen und Autos. „Bisher ist uns ein schwer Verletzter Mann gemeldet worden. Er ist im Wald bei Mainhausen spazieren gegangen“, sagt der Kreisbrandinspektor.

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Abgedeckte Dächer ab, Bäume auf Autos

Vielerorts hat der Sturm Dächer abgedeckt, Ziegel von Dächern gefegt. Vor allem viele Flachdächer seien betroffen, meint Ackermann. „Auch auf den Autobahnen 3 und 661 mussten zeitweise einzelne Spuren zur Beseitigung von Holz gesperrt werden“, erläutert Ralf Ackermann - besonders zwischen Hanau und Aschaffenburg. Vollsperrungen seien aber nicht nötig gewesen.

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Derzeit seien 30 Wehren mit jeweils zwischen 15 und 20 Mann im Einsatz; 450 und 600 Feuerwehrmänner seien in Einsätzen unterwegs, schätzt er. „Und das wird auch noch eine Weile so bleiben“, meint Ralf Ackermann.

Der Orkan arbeitete sich mit voller Wucht durch Offenbach. Den Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr, aller ehrenamtlichen Brandschutztruppen aus den Stadtteilen, der Polizei und des Technischen Hilfswerks war seit dem frühen Nachmittag keine Atempause mehr vergönnt. Das Domizil der Dresdner Bank an der Frankfurter Straße musste aufwändig gesichert werden, nachdem es einen großen Teil seines Dachs an den Orkan verloren hatte.

Auch auf Bauten an Lilistraße und Schreberstraße hob die Macht des Windes die Flachdächer an. Das Dach des Getränke-Haindls-Haus rutschte halb vom Gebäude; Kies und Dämmaterial wirbelten durch die Luft wie Geschosse. Im Bieberer Harrasweg entwurzelte der Sturm eine etwa 15 Meter hohe Birke und kippte sie in den Dachstuhl eines Wohnhauses. An der Rumpenheimer Straße in Bürgel landete ein umgeknickter Baum auf drei geparkten Autos. Ein weiterer Baum musste sicherheitshalber gefällt werden.

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Nichts entgegen zu setzen hatten der Wut des Windes auch einige Zäune. Beispielsweise ein tonnenschwerer Gartenzaun in der Schopenhauerstraße und der Bauzaun am Wilhelmsplatz. Ebenfalls in der Innenstadt mussten die Einsatzkräfte einen Teil der Straße vor dem Kleider-Frei-Gebäude absperren. Die Gefahr, dass Fassadenteile zum Spielball des Sturms werden und Passanten verletzen, war zu groß.

Starts und Landungen gestrichen

Es ist alles im Einsatz, was fahren und laufen kann“, sagte ein Polizeisprecher in Frankfurt. Am Frankfurter Hauptbahnhof wurde aus Sicherheitsgründen und wegen Sturmschäden kurz nach 14 Uhr der Verkehr eingestellt, wie ein Bahnsprecher sagte. Die S-Bahnen fuhren aber weiter.

Wegen zerborstener Glasscheiben wurde der Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen gesperrt. Der Sturm habe Scheiben an der Baustelle für das Airrail-Center zerspringen lassen, das derzeit über dem Fernbahnhof gebaut wird. Am Flughafen wurden Starts und Landungen gestrichen, viele Maschinen hatten Verspätung. Am Nachmittag waren es bereits 160 gestrichene Flüge. „Das wird noch zunehmen“, sagte ein Sprecher.

Bei starkem Wind dürfen aus Sicherheitsgründen deutlich weniger Flugzeuge pro Minute landen als normalerweise. Daher waren auch zahlreiche Maschinen um bis zu zwei Stunden verspätet. Die Autobahn 3 Köln-Würzburg am Flughafen wurde wegen umherfliegender Teile von einer Baustelle in beide Richtungen gesperrt. Fassadenteile, Baumaterialien und Werbeplakate waren auf die Straßen geweht worden.

Zahlreiche Autos wegen hohem Main-Pegel abgeschleppt

Etliche Dächer im Rhein-Main-Gebiet wurden abgedeckt. Mobile Toiletten flogen durch die Luft, Baustellen-Ampeln stürzten um und Bäume wurden entwurzelt und beschädigten parkende Autos. Bäume könnten auch auf Fahrleitungen der Straßenbahn gestürzt sein. Am frühen Nachmittag hatte die Feuerwehr in Frankfurt bereits mehr als 180 Einsätze verzeichnet.

Wegen des hohen Wasserpegels des Mains mussten die Parkplätze am Frankfurter Flussufer geräumt werden. Autofahrer, die ihre Wagen in den Stadtteilen Höchst und Sachsenhausen abgestellt haben, wurden gebeten, ihre Fahrzeuge vorsichtshalber weg zu fahren, wie die Polizei in Frankfurt sagte. Notfalls müssten einige Autos auch abgeschleppt werden.

Rubriklistenbild: © Bo

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