Sturmtief Zeljko in Offenbach

Entwurzelte Bäume und herabstürzende Glasfassade

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Sturmschäden nach Tief Zeljko in Offenbach.

Offenbach - Zeljko hat auch Offenbach am Samstag kräftig durchgepustet und zerzaust. Das Sturmtief schickt seine starken Böen durch die Stadt. Besonders heftig fegt es durch die ohnehin als Windkanal verschrieene Häuserschlucht im Anschluss an den Hugenottenplatz. Von Thomas Kirstein 

Dort haben Hilfs-, Rettungs- und Sicherheitskräfte auch ihren spektakulärsten Einsatz: Im 18. Stock des Stadthauses hat sich eine gläserne Platte der Fassadenverkleidung gelöst. Der Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz zeigt sich am Vormittag nach oben ungewohnt offen. Die meisten Beschicker verzichten wohlweislich auf große Schirme und fragilere Konstruktionen. Als es von oben sprüht, fehlt der übliche Regenschutz an den Einrichtungen der Verpflegungsstände am zentralen Rondell. Metzger Klaus Schneider lässt seinen Würstchengrill lieber kalt.

Die Segel streichen auch die Bieberer Vereine, die auf dem Ostendplatz ihr Fest feiern. Am späten Freitagabend frischt der Wind kräftig auf: Zelte können nur mit erheblichem Kraftaufwand vor dem Wegfliegen bewahrt werden; Tische stürzen um. Am Samstagmorgen bietet sich ein Bild der Verwüstung. Mit Blick auf die Unwetterwarnung wird das Fest abgebrochen. „Sicherheit zuerst“, sagt Ilse Hammann von den Offenbach 03ern.

Wenige Minuten nach Mitternacht kippt der Sturm am ganz frühen Samstag einen Baum am Maingarten. Die Feuerwehr muss ihn beseitigen. Insgesamt räumen die Brandschützer bis 15.30 Uhr fünf Bäume weg, die auf Straßen gefallen sind. Ein Stamm trifft einen Personenwagen, in dem glücklicherweise niemand sitzt. In Bürgel ist die Wehr gefragt, weil auf einem Hausdach eine absturzgefährdete Antennenanlage zu sichern ist. An einer weiteren Immobilie sind Putzteile abzuschlagen, bevor sie auf den Gehweg stürzen können.

Stürme über Deutschland: Nach "Zejlko" kommt neues Tief

Die Offenbacher dürfen dann noch Amtshilfe in Frankfurt leisten. Der Kranwagen der Berufsfeuerwehr wird dort angefordert, um einen großen Baum zu entfernen, der auf ein Haus gestürzt ist. Das meiste Aufsehen erregt der Einsatz am Stadthaus. Vor Gebäude Berliner Straße 60 fallen am Samstagmittag Teile eines Glasfassadenelementes vom 18. Obergeschoss auf die öffentliche Verkehrsfläche. Die Feuerwehr gelangt weder über das Gebäudeinnere noch vom Dach aus an das in etwa 55 Meter Höhe gelegene Fenster der Südseite, in dessen Rahmen noch Scherben steckten. Weil der Wind unvermindert bläst, verbietet sich der Zugang über die ausreichend hohe Hubarbeitsbühne einer Spezialfirma.

Die Stadtpolizei sperrt den Marktplatz großräumig bis zum nächsten Tag ab, um eine Gefährdung von Fußgängern, Rad- und Autofahrern auszuschließen. Jeglicher Verkehr, einschließlich der OVB-Busse, wird umgeleitet. Als sich der Sturm gelegt hat, darf am späten Sonntagvormittag die Hubarbeitsbühne zum Zuge kommen, das Glaselement wird gesichert. Eine längere Sperrung von innerstädtischen Verkehrswegen wie vor beinahe vier Jahren ist diesmal also nicht notwendig. Im November 2011 wurde bemerkt, dass sich am dem Stadthaus benachbarten Citytower ein 60 Kilogramm schweres Fassadenteil gelockert hatte. Bis zur Reparatur musste die angrenzende Fußgängerbrücke über die Berliner Straße und der Zugang zu ihr mehr als ein halbes Jahr gesperrt bleiben.

Auch in den umliegenden Städten und Gemeinden wütet der Sturm, richtet aber nur geringen Schaden an. Glück im Unglück hat eine Frau in Babenhausen: Ein entwurzelter Baum verfehlt die Autofahrerin nur knapp. Auch in Langen und Egelsbach hat die Feuerwehr jede Menge Arbeit, ein Autofahrer wird dort von einem umgestürzten Baum leicht verletzt.

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