Die Post nimmt’s gelassen

Offenbach - Ein Klick, und die Nachricht ist verschickt – er ist schnell und einfach, der elektronische Weg. Umwege und ein paar Komplikationen muss mitunter in Kauf nehmen, wer wie Michael Kreienberg. seine Briefe postalisch und mit Briefmarke versehen verschicken will. Von Katharina Hempel

Der 41-Jährige arbeitet im Stadtteil Kaiserlei. Weil er keine passende Marke zur Hand hat, um sein Kuvert zu frankieren, sucht er im Internet nach dem nächstgelegenen Briefmarken-Automaten. „Wenn ich Büchersendungen verschicke oder Post fürs Ausland frankieren möchte, brauche ich so krumme Beträge, das passt mit 55 Cent nicht. Dafür sind diese Automaten top. Dort kann ich meinen Wunschbetrag eingeben und sogar mit EC-Karte zahlen“, sagt Kreienberg.

Die Standortsuche der Deutschen Post im Netz gibt dem Offenbacher den entscheidenden Tipp: „Ich bekam die Strahlenbergerstraße 45 angezeigt, mit dem Hinweis, dass dieser Automat 24 Stunden zugänglich sei. Das war auch der einzige Briefmarkenautomat im Stadtteil weit und breit“, berichtet der Ingenieur.

Nur mit dem Finden war es alles andere als einfach: Kreienberg macht sich auf die Suche, klappert alle Straßen und Wege rund um das dortige Alpha-Haus ab. Er fragt im nahegelegenen Hotel nach, wo der zum Automaten passende Briefkasten steht. „Ich habe sogar Flurpläne vom Katasteramt hinzugezogen“, berichtet der Automatensucher von seinen bis dahin erfolglosen Bemühungen.

Briefmarken-Automat nur für BHF-Mitarbeiter

„Da die BHF-Bank dieselbe Adresse hat wie der ,Geisterautomat’, habe ich dort nachgefragt – mit überraschendem Ergebnis“, erzählt Kreienberg. In der E-Mail, mit der ihm die Bank antwortet, steht: „Der Briefmarkenautomat befindet sich im Hause der BHF-Bank, er ist aber nur für unsere Mitarbeiter gedacht. Andere Personen haben zu diesem Automaten keinen Zutritt.“ Das Rätsel um den Geisterautomaten ist gelöst, den Briefmarken ist Michael Kreienberg trotzdem nicht näher.

Der 41-Jährige schreibt der Post, informiert das Unternehmen über die Ungereimtheit zwischen Plan und Stadt. „Ich habe sogar alternative, öffentlich zugängliche Standorte vorgeschlagen, doch das Ergebnis ist leider bescheiden: Dieser Briefmarken-Automat wird einfach nicht mehr in der Standortsuche angezeigt“, ärgert er sich.

An welchem Automaten Michael Kreienberg seine Marken zieht? „Ich gehe zur Marienstraße. Wobei das vom Büro am Goethering aus schon weit ist.“ Oder er braucht das Geschenk der Post auf. Die antwortete ihm: „Mit den beiliegenden Briefmarken möchten wir Ihnen für Ihre wichtigen Hinweise danken.“

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