Auf der Suche nach den Gemeinsamkeiten

Offenbach - Juden beten etwas anders als die Christen. Aber in Religion und Tradition haben beide mehr Gemeinsamkeiten als manchem bewusst sein mag. In der katholischen Pfarrei St. Peter ist man diesen Gemeinsamkeiten auf der Spur. Zweimal hatten sie dort den Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz im Gemeindehaus zu Gast.

Einmal besuchten sie ihn in seiner Synagoge. Und nun führten Gemeindepfarrer Janus Pjotrowski und Rabbi Gurewitz etwa 35 Interessierte in das Frankfurter Jüdische Museum. Es wurde ein lebhaft wahrgenommener Unterricht über das Andersartige und das Gemeinsame.

Wer an diesen Begegnungen von Anfang an teilnahm, kam ins Museum schon als Informierter. Über „Königin Sabbat“ und „das Geheimnis Sonntag“ beispielsweise hatten die Teilnehmer schon in einer gemeinsamen Veranstaltung den Rabbiner und den Pfarrer Wilhelm Scherbaum angehört. Der Zusammenhang von Osterfest und Passahfest war bereits vertraut. „Bei diesen Veranstaltungen lernt man sowohl die fremden Bräuche als auch den eigenen Glauben besser zu verstehen“, sagte im Museum die Offenbacher Teilnehmerin Gabriele Türmer.

Im Museum ließen sich auch lokale Bezüge aufspüren. An einer Wand mit Porträts hervorragender jüdischer Persönlichkeiten wurde die Offenbacher Fecht-Weltmeisterin Helene Mayer entdeckt. Als der Rabbi die Haggada erläuterte - das Hausbuch, das am Sederabend vor dem Passahfest aus dem Schrank geholt wird - kam die Rede darauf, dass es auch eine durchaus berühmte „Offenbacher Haggada“ gibt. Der Offenbacher Ehrenbürger Siegfried Guggenheim hat sie 1960 von New York aus noch einmal mit Illustrationen von Fritz Kredel drucken lassen.

In vergnügter Erzähllaune deckte Mendel Gurewitz die Herkunft jüdischer Traditionen auf. Die Teilnehmer sind nun vertraut mit der Herstellung und der Funktion der heiligen Thora-Rollen mit den fünf Moses-Büchern. Nun wissen sie, warum eine Thora-Rolle in der Synagoge nicht geöffnet liegen bleiben darf. Zu genießen waren Einblicke in eine fremde Glaubenswelt, in der gleichwohl das vertraute Eigene wurzelt. Der Respekt vor einer Jahrtausende überspannenden Kontinuität ohne Bruch und Aufweichung blieb da nicht aus.

In St. Peter wird nun darüber nachgedacht, wie sich der seit einem Jahr gepflegte Kontakt mit dem jüdischen Offenbach fruchtbar fortführen lässt. Einige Teilnehmer erkennen darin ein Anliegen von hoher Aktualität.

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