Wenn der Bezug zum Geld verloren geht  

Suchthilfezentrum Wildhof in Offenbach weist mit falschen 500er-Scheinen auf Gefahren des Glücksspiels hin

Stefanie Höft und ihr Kollege Nikolai Plonka bekleben zum Aktionstag zur Glücksspielsucht ein Fahrrad am Goetheplatz mit falschen 500-Euro-Scheinen.
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Stefanie Höft und ihr Kollege Nikolai Plonka bekleben zum Aktionstag zur Glücksspielsucht ein Fahrrad am Goetheplatz mit falschen 500-Euro-Scheinen.

Wer am gestrigen hessischen Aktionstag zur Glücksspielsucht am Offenbacher Goetheplatz das „lila Fahrrad“ entdeckt hat, konnte – wie Hänsel und Gretel den Brotkrumen – einer Spur aus falschen 500-Euro-Scheinen folgen. Das Ziel: das Suchthilfezentrum Wildhof in der Löwenstraße.

Offenbach – Dort berät Stefanie Höft kostenlos zum Thema Glücksspielsucht. In letzter Zeit stand sie den Betroffenen und ihren Angehörigen aus Stadt und Kreis Offenbach allein zur Seite. Ab heute bildet sie mit ihrem neuen Kollegen Nikolai Plonka ein Team.

Die Unterstützung kann Höft gut gebrauchen. In Hessen gibt es ihren Angaben zufolge 31000 Menschen, die dieser Sucht verfallen seien. Besonders die geplante Legalisierung von Online-Glücksspiel bereitet der Fachberaterin Kopfzerbrechen. Ab Juni 2021 sollen die in Deutschland bislang illegalen 4000 Websites legalisiert werden. Sie werden das bestehende Angebot von 607 Spielapparate in 23 Spielhallen und sonstigen Aufstellorten in Offenbach ergänzen. „Online ist die Suchtgefahr noch stärker als in Spielhallen“, sagt Stefanie Höft. Gründe seien die ständige Verfügbarkeit, keinerlei soziale Kontrolle im eigenen Zuhause und fehlender Jugend- und Spielerschutz. Um der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass Glücksspielsucht genauso gefährlich ist wie andere Suchterkrankungen, gibt es jedes Jahr eine öffentlichkeitswirksame Aktion. Sie findet hessenweit als Kooperation der Landesstelle für Suchtfragen mit dreizehn regionalen Fachberatungen statt – ein davon ist das Suchthilfezentrum Wildhof in Offenbach. Das diesjährige Motto „Wenn 500 Euro zum Spielgeld werden“ soll deutlich machen: Menschen, die übermäßig Glücksspiele spielen, verlieren irgendwann den Bezug zum Geld.

Wegen der Corona-Pandemie musste Stefanie Höft in diesem Jahr auf eine größere Aktion verzichten. Alles soll kontaktlos vonstatten gehen. Sogar ein Banner an der Hauswand des Suchthilfezentrums wurde nicht gestattet. Trotzdem ist Höft mit der Verteilung der falschen 500er zufrieden. Sie möchte Hingucker schaffen, die aus dem Stadtbild hervorstechen, und nicht nur Flyer verteilen. Schon eine Stunde nach Beginn der Aktion bemerkt sie, dass Geldscheine abgenommen wurden: „Mittags hängen wir noch mal neue Scheine auf. Geld zieht immer“, sagt Höft und schmunzelt.

Von Theresa Ricke

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