Butter bis zur Geisterstunde

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Außer dem Rewe am Marktplatz schließt auch der an der Löwenstraße (Foto) seine Türen erst um Mitternacht. Hier scheinen sich die Anwohner damit arrangiert zu haben.

Offenbach ‐ Gar nicht lange her, da führte das am Tag im Supermarkt vergessene Stück Butter am Abend fast zwangsläufig zu fragwürdigen Ergebnissen aller Kochkunst. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Kein Fett - kein Geschmack, so einfach und traurig war das in Zeiten, als Lebensmittelhändler noch Punkt 18.30 Uhr die Türen abschlossen. Dann kamen erste findige Ausreißer bei den Öffnungszeiten, erst donnerstags bis 20 Uhr, dann immer. Und heute ist bei den Filialen der großen Handelskonzerne das Stück Butter wie alles andere auch grundsätzlich an sechs Tagen der Woche bis 21, meistens bis 22 Uhr zu haben.

Oder gleich bis zur Geisterstunde. 36 Rewe-Märkte in der Region haben mittlerweile bis Mitternacht geöffnet. In Offenbach sind es zwei; der am Marktplatz und der an der Ecke Löwenstraße Ecke August-Hecht-Straße. Seit November 2009 nutzen Nachtschwärmer, Vergessliche und Spätentschlossene das Angebot, das sich allerdings jederzeit wieder ändern kann.

Denn die Spätöffnungszeiten unterliegen an allen Standorten einer permanenten Überprüfung. Bedeutet: Die Unternehmensleitung reagiert kurzfristig in beide Richtungen. Bleiben also in der Löwenstraße künftig die Kunden nach 22 Uhr aus, werden die Zeiten entsprechend angepasst. Verspricht dafür ein anderer Markt, etwa der im Starkenburgring oder der in der Bleichstraße, größeren Kundenzulauf, dann wird womöglich dort bald später der Schlüssel umgedreht.

Noch ein Problem: der Anlieferverkehr

Als schärfster Gegner solcher Besonderheiten gilt die Gewerkschaft Verdi. Denn verlängerte Öffnungszeiten bedeuten auch immer eine Ausweitung der Arbeitszeiten für die Angestellten, schaffen aber nicht unbedingt neue Arbeitsplätze. Denn die Stundenzahl der Mitarbeiter, die dem Marktleiter zur Verfügung stehen, ist abhängig vom Umsatz. Und der vergrößert sich nicht proportional zur Öffnungszeit. Waren die Schließzeiten um 20 oder 22 Uhr schon schwer mit Familie und Freizeit zu vereinbaren, so sorgt das Arbeitsende um Mitternacht erneut für eine Herausforderung. Auch im Markt an der Löwenstraße gab es da anfangs Stolperfallen.

Noch ein Problem: der Anlieferverkehr. Dessen Gestaltung blieb von den neuen Öffnungszeiten zwar unberührt. Doch mit Verweis auf die Lärmbelästigung durch die Lastwagen waren in der Umweltabteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt bereits im Sommer 2009 zwei Beschwerden eingegangen. Genaue Protokollierungen einer Anwohnerin ergaben, dass der Lkw ab 5.40 Uhr für 45 Minuten entlud. Somit ragte die Lieferzeit über die von 22 bis 6 Uhr dauernde Nachtzeit hinaus in die Tagzeit hinein. Das jedoch erwies sich für die nach einer bestimmten Formel berechnete Gesamtbelastung für eine Änderungsvorschrift als nicht ausreichend und muss auch in Zukunft geduldet werden.

Erfolgreicher waren dagegen zwei weitere Beschwerden wegen Lichtemissionen, die ebenfalls häufiger Störfaktor in Wohngebieten sind. Immerhin sind Supermarktareale in der Regel schon aus Sicherheitsgründen gut beleuchtet. Rewe zeigte damals Verständnis und schaffte Abhilfe, indem es die Leuchtstärke der Parkplatzlampen von 125 auf 80 Watt reduzierte und seitdem verschiedene Lichtquellen aus dem Störungsfeld unter anderen Strahlungswinkeln scheinen lässt. Das diese Aktion erfolgreich war, bekundete einer der beiden Anwohner anschließend sogar in einem Brief an die Fachbehörde.

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