Symmetrie als Idealbild

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Die ersten 100 Besucher im Klingspormuseum zahlen bei der Nacht der Museen am Samstag, 24. April, nur 4 statt 12 Euro Eintritt. Der Arbeitgeberverband der hessischen Metall- und Elektro-Industrie hat die Karten gesponsert, weil er in dem schönen Haus getagt hat und wiederkommen will. Das freut Leiter Stefan Soltek.

Offenbach ‐ Harte Zeiten kommen auf die Mitarbeiter des Klingspormuseums zu. Wer jemals eine Baustelle in den eigenen vier Wänden hatte, weiß, was Dreck und Lärm bedeuten. Etwa ein Jahr lang dauern die Aufstockungs- und Umbauarbeiten im renommierten Haus für Buch- und Schriftkunst. Damit wird mehr als 60 Jahre nach den Kriegszerstörungen die Symmetrie des Büsingpalais’ wiederhergestellt. Von Simone Weil

Allerdings soll die Erweiterung um etwa 200 auf 800 Quadratmeter bei laufendem Betrieb geschehen. „Ich wage nicht, mir das im Einzelnen vorzustellen“, gesteht Museumsleiter Dr. Stefan Soltek. Auch Verwaltungsangestellte Elke Rauer, die ihren Arbeitsplatz im Erdgeschoss hat, weiß nicht, wie sie im angrenzenden Kabinett arbeiten soll. Es ist zwar ein besonders schöner Raum, doch es gibt noch keinen Telefon- und Netzwerkanschluss.

Bei der Nacht der Museen am Samstag, 24. April, ist das Haus an der Herrnstraße 80 ein letztes Mal in seinem altem Zustand zu erleben. Anfang Mai klopfen die Handwerker an und sicher auch einiges raus. Die geplante Aufstockung zieht einige Arbeiten nach sich. So soll das um 1775 von den Schnupftabak-Fabrikanten Bernard und D‘Orville erbaute und nach den Kriegszerstörungen wieder rekonstruierte Herrenhaus einen Aufzug bekommen. Deswegen wird im Keller begonnen.

Infos auf der Internetseite des Museums.

Dort wurde das Materiallager verkleinert, um Platz zu machen für Garderobe, Treppenaufgang und Fahrstuhlschacht. Für den Einbau des Aufzugs werden die Sanitäranlagen aus dem Erdgeschoss in den Keller verlegt. Weitere „partielle Eingriffe“ im Parterre folgen. Um Besucher den Zugang zu den mindestens vier Ausstellungen zu ermöglichen, die noch für dieses Jahr geplant sind, wird es eine Art „Gangway“ geben, kündigt Soltek an. Käme Unvorhergesehenes dazwischen, sei es auch möglich, über den Hof des Büsingpalais ins Haus zu gelangen. Über eine weitere Tür gelangte man ebenfalls vom Hof aus in die Bibliothek, die vom Umbau unberührt bleibt.

Der größte Teil des neuen Geschosses wird in einen etwa 120 Quadratmeter großen multifunktionalen Raum verwandelt, den Schulklassen unter anderem für Projekttage nutzen können. Dort ist Platz für einen Teil der grafischen Sammlung aus dem überquellenden Depot, in Schubladenvitrinen lichtgeschützt gelagert.

Die Firsthöhe orientiert sich an der benachbarten Bibliothek. Deren Dach war nach dem Krieg neu errichtet worden – höher als ursprünglich. Nun ist den Planern die Symmetrie wichtiger als der Originalzustand. Dafür wird an die Angleichung der Dachgauben der Bücherei verzichtet, die Fenster des Museums mit den weniger kleinteiligen Sprossen bleiben, wie sie sind.

Soltek hofft, dass der Umbau bis August 2011 beendet ist. Im darauf folgenden Herbst möchte man mit einer Ausstellung an den 50. Todestag des Offenbacher Ehrenbürgers und Kunstsammlers Siegfried Guggenheims erinnern.

Der Umbau ist mit 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Stolze 470.000 Euro hat der Förderverein des Museums zur Wiederherstellung beigetragen. Auch wenn der Hausherr froh ist, dass aus den Umbauplänen Wirklichkeit wird, sagt er: „Noch ist nicht alles gut.“ Denn für die Präsentation der empfindlichen Objekte bräuchte es eigentlich eine Klimaanlage und ein schonenderes Lichtsystem.

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