Symmetrie oder Historientreue

+
Michael Poeschel (Archivbild) und der Denkmalbeirat wollen fürs Klingspor-Dach Gauben wie die des Bücherturms (oben) und nicht solche, wie sie auf einem Entwurf zu sehen sind.Montage,

Offenbach ‐ Denkmalbeirat und städtischer Denkmalschutz sind sich wegen der Aufstockung des Klingspormuseums uneins: Soll Symmetrie (Beirat) oder historisches Vorbild (Stadt) die Gestaltung der Gauben des künftigen Mansarddaches bestimmen? Von Thomas Kirstein

Nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs hat der Kopfbau des nördlichen Büsingpalais-Seitenflügels, der die Stadtbibliothek beherbergt, ein Dach bekommen. Dem südlichen fehlt ein solches hingegen. Da das dort untergebrachte Klingspormuseum ein zusätzliches Geschoss gut gebrauchen kann, hat ein Förderverein aus engagierten Bürgern seit 2004 rund 470.000 Euro gesammelt. Die Stadt zahlt den Rest der Gesamtkosten von 1,4 Millionen Euro.

Es kann also aufgestockt werden, die Frage ist nur, wie das im Detail geschehen soll. Die vom Denkmalschutz bevorzugte Variante bezeichnet der Vorsitzende des Denkmalbeirats als „Schildbürgerstreich“. Michael Poeschel war einer der Architekten, die den 1984 vollendeten Wiederaufbau des Büsingpalais verantworteten. Heute stören er und sein Gremium sich daran, dass die Denkmalpflege die künftigen Fenstergauben des Klingspor-Dachs nicht analog denen des Bücherturms gestalten lassen will.

Das könne kein Mensch nachvollziehen, meint Poeschel, da das Mansarddach des Bücherturms ja auch nicht vollständig dem historischen Vorbild entspreche, aber trotzdem bedenkenlos fürs Klingspor kopiert werden dürfe. Der größtenteils aus Fachleuten bestehende Denkmalbeirat habe sich einstimmig, bei einer Enthaltung, für eine symmetrische Gestaltung ausgesprochen.

Antwort vom Oberbürgermeister steht noch aus

Helmut Reinhardt, der städtische Denkmalpfleger, verteidigt im Einklang mit dem Landesdenkmalamt die Entscheidung gegen spiegelbildliche Gleichheit. Bei der Dachform selbst habe man sich davon leiten lassen, dass eine denkmalpflegerisch korrekte Ausführung die Nutzung durchs Museum eingeschränkt, wenn nicht gar verhindert hätte.

Originaltreue will man sich allerdings bei den Gauben gönnen. „Die seinerzeit für den Bücherturm gewählten haben als Vorbild die des Herrenhauses des 18. Jahrhunderts“, erläutert Reinhardt, „Seitenflügel und Kopfbauten hat allerdings erst der Freiherr Büsing um 1900 erbaut.“ Und zwar mit jenen „korrekten“ Dachfenstern, wie sie an den Längsbauten zu sehen sind. „Falsch“ an den Bücherturm-Gauben sind besonders die geschwungenen Abschlüsse und die Aufteilung der Fenstersprossen.

Michael Poeschel hat den Oberbürgermeister Anfang Dezember in einem Schreiben aufgefordert, den Magistrat zu einem geänderten Beschluss zu bewegen. Die Antwort steht noch aus. Aus dem Denkmalbeitrag war unterdessen auch die Meinung zu hören, dass Symmetrie schon wünschenswert wäre - dass vermutlich aber keinem Menschen der Unterschied auffallen werde, falls man ihn nicht mit der Nase draufstoße.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare