IHK verabschiedet Dr. Bernhard Mohr

Sympathisch und streitbar

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Gab der IHK lange ein Gesicht: Dr. Bernhard Mohr

Offenbach - „Gib der IHK ein Gesicht – wenn möglich ein sympathisches, wenn nötig auch ein streitbares. “ Das wird Dr. Bernhard Mohr als sein Motto verraten, wenn der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK verabschiedet wird. Von Markus Terharn

35 Jahre war Mohr das politische Gesicht der Offenbacher Kammer; Anfang des Monats wechselte er in den Ruhestand: „Ich gehöre zum ersten Jahrgang, der erst mit 65 Jahren und einem Monat Rente bezieht.“ Dafür kommt Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich zu seiner Verabschiedung. Thema des Offenbacher Dialogs (19 Uhr, IHK, Frankfurter Straße 90): „Gehen dem Mittelstand bald die Lichter aus?“ Dazu, dass dies bislang nicht der Fall war, trug Mohr seit 1977 bei. Der promovierte Volkswirt hatte sich bei der Dachorganisation, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, initiativ beworben. Das Schreiben gelangte nach Offenbach, wo eine Stelle frei war. „Der damalige Hauptgeschäftsführer Volker Merx sagte mir später: Ich habe den frechsten Bewerber eingestellt“, berichtet Mohr schmunzelnd.

„Er war mein Ziehvater“, erinnert er sich dankbar, „ich hatte ja keine Ahnung von IHK.“ Mit „großen, staunenden Kinderaugen“ sei er damals durch das Kammergebäude am Stadthof gelaufen und habe gedacht: „Was die alles machen!“ Thematisch werde „alles angepackt, was in der Wirtschaft vorkommen kann“. Er selbst habe „zu 40 Prozent als Jurist, zu 40 Prozent als Ingenieur und zu 20 Prozent als alles andere gearbeitet“.

Wie die Faust aufs Auge

Mohrs Hauptgebiet war die Beratung von Mitgliedern bei neuen Rechtsnormen. Die gingen schon im Entwurfsstadium über seinen Schreibtisch, so dass er bei den Politikern seinen wirtschaftlichen Sachverstand einbringen konnte. Als das „ordnungspolitische Gewissen der IHK“ bezeichnet sich Mohr. Der Spezialist für Wettbewerbsrecht, auch Thema seiner Dissertation, habe auf die Stelle gepasst „wie die Faust aufs Auge“. Glaubhaft versichert Mohr, der Beruf habe ihm immer sehr viel Spaß gemacht. Ein großes, nicht abgeschlossenes Projekt ist der Offenbacher Masterplan. Für seine langjährige Tätigkeit fallen ihm stellvertretend zwei Beispiele ein:

Das eine ist die Mitbenutzung des Standstreifens der A3 zwischen Offenbacher und Hanauer Kreuz. „Das ist auf unserem Mist gewachsen und über die Bundestagsabgeordnete Uta Zapf binnen anderthalb Jahren durchgedrückt worden – verkehrspolitisch ist das nicht mal eine Nanosekunde.“ Und da war, typisch fürs Alltagsgeschäft, der Anruf eines Rodgauer Gastwirts, vor dessen Kneipe die Straße aufgerissen war, so dass die Kunden nicht hinein kamen. „Ich habe den Wirtschaftsförderer angerufen, wir sind hingefahren und haben das Problem gelöst.“ Beide Fälle zeigen, was Mohr besonders wichtig war: „Man muss vernetzt sein. Der Bürgermeister muss mich als vernünftig kennen und mich ernst nehmen.“ 15 Jahre lang stellte er sein kommunikatives Talent außerdem in den Dienst der Öffentlichkeitsarbeit für die Kammer.

Eine Symbiose zwischen Mathe und Laberei

Geboren ist Mohr 1947 in Schleswig, weil die Eltern in Kiel ausgebombt worden waren, aufgewachsen aber in der Hauptstadt Schleswig-Holsteins; als er zehn war, ereilte den Vater, einen namhaften Germanisten, ein Ruf nach Tübingen. Nach Abitur und Bundeswehr brachte ihn sein späterer Schwager auf die Idee, Volkswirtschaftslehre zu studieren. „Die ideale Symbiose zwischen Mathematik und Laberei“, scherzt der wortgewandte Freund logischen Denkens, der seine Wahl nie bereut hat. Zwei Semestern Tübingen folgten fünf Jahre Hamburg, „eine geniale Zeit“, schwärmt Mohr. Nach seinem Examen kam er ans Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik der Uni Mainz, wo er Gutachten fürs Wirtschaftsministerium verfasste und eins davon zur Doktorarbeit ausbaute. Statt in die freie Wirtschaft ging er dann nach Offenbach.

Ehrenamtlich engagierte sich Mohr etwa bei den Lions. Sein Zuhause fand er in Steinheim, sein Glück mit Schwäbin Doris. Seit 42 Jahren sind sie verheiratet, Tochter (33) und Sohn (30) sind aus dem Haus. „Wir sind ein gutes Team und haben ähnliche Interessen“, erzählt er. Eine Datei von 200 Orten in Tagesreisenentfernung hat seine Frau angelegt: „Die arbeiten wir nun ab“, freut sich Bernhard Mohr. „Mit den Weihnachtsmärkten fangen wir an!“

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