Symposium „Webinale Visions“ im Capitol

Chancen und Risiken im Internet abwägen

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Vier kluge Köpfe hinter der Webinale (von links): Sebastian Meyen und Professor Wolfgang Henseler sowie Ria Baumann und Jürgen Amberger von der städtischen Wirtschaftsförderung.

Offenbach - Einerseits fürchtet jeder, via Internet überwacht zu werden. Andererseits ist es nicht möglich, ein über dem Ozean abgestürztes Flugzeug zu finden. Von Markus Terharn

Zwischen diesen beiden Polen der digitalen Gegenwart bewegt sich das Symposium „Webinale Visions“ am Donnerstag, 11. September, im Capitol. Es handelt sich um einen Ableger, neudeutsch Sidekick oder Spin-off, der Webinale in Berlin. Während diese sich an ein Fachpublikum wendet und Normalbürgern eher unverständlich sein dürfte, richtet sich die Offenbacher Veranstaltung ausdrücklich an die Öffentlichkeit. Englischkenntnisse schaden nicht. Zielgruppe sind „Andersdenkende, Visionäre, Traditionalisten, Designer, Politiker, Unternehmer, Forscher, kreative Köpfe, innovative Denker, Maschinenstürmer und inspirierende Spinner“. Veranstalter ist das Frankfurter Verlagshaus Software & Support Media in Kooperation mit der Offenbacher Wirtschaftsförderung und dem Designstudio Sensory-Minds aus der Ludwigstraße, unterstützt von Wirtschaftsförderung Frankfurt, Industrie- und Handelskammer Offenbach sowie Hessischer Film- und Medienakademie.

Führende deutsche Köpfe haben ihr Kommen angesagt. Ihre Fragestellung: Was haben NSA, Smartphones, Websites oder Autos von morgen gemeinsam? Sie sammeln Daten in großem Stil, werten sie aus und nutzen sie auf unterschiedliche Art. „Das macht Angst, fasziniert aber auch“, so Sebastian Meyen, Chef von Software & Support Media. „Es gilt, die Chancen zu nutzen, aber auch die Risiken zu verstehen.“ Datability lautet das Stichwort. Mit den Gefahren der Überwachung befasst sich Wolfie Christl, Erfinder des Online-Spiels Data Dealer. Eine kurze Geschichte des Whistleblowings, des Geheimnisverrats Marke Edward Snowden, erzählt IT-Unternehmer Elmar Geese. Stefan Greiner vom Verein Cyborgs ist ein konsequenter Erforscher der Schnittstelle Mensch/Maschine: Hat er sich doch einen Magneten in den Zeigefinger implantieren lassen, um so besser arbeiten zu können.

Ein Event für Querdenker und kreative Köpfe

„Dank Big Data werden wir immer intelligenter – und zugleich immer dümmer.“ Das ist die These von Sensory-Minds-Leiter Wolfgang Henseler. Sprechende Pflanzen, vernetzte Häuser und selbstfahrende Autos sind Themen des Professors. „Für welchen Schwachsinn unsere Daten ausspioniert werden“, zeigt Gernot Pflügler, Verfasser des Buchs „Erfolg ohne Chef“. Prominenter Teilnehmer ist der frühere Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Peter Schaar. Er beschäftigt sich mit der Gestaltung digitaler Zukunft zwischen Glücksverheißung und Totalüberwachung. Dr. Harald Schöning (Software AG) stellt die Frage, wie sich die Digitalisierung auf die Industrie auswirkt. „Ich messe, also bin ich“ könnte Florian Schumachers Motto sein. Der Gründer von Quantified Self Deutschland untersucht Folgen des Self-Trackings, der Aufzeichnung von Daten zu Gesundheit und Verhalten.

Das ist die NSA

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Blogger Michael Seemann weist auf Gefahren des Kontrollverlusts hin. Das Loblied des Kontextes und der Kopie singt Journalist und Autor Dirk von Gehlen. Und die frühere Piraten-Sprecherin Marina Weisband interessiert sich für das Problem, was die Datensammelei mit dem Bild macht, das wir und andere von uns haben. Karten zu 69, für Schüler und Studenten 19 Euro in der OF-Info, Salzgässchen 1, an den üblichen Vorverkaufsstellen und über die Internetseite der Webinale.

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